Range Rover Evoque Cabriolet | Fanaticar MagazinDie Idee, einem luxuriöseren Geländewagen das Dach abzuschneiden, ist nicht neu. Anfang der 1970er Jahre war bereits der Kaiser Jeep Commando als Cabrio unterwegs. Noch ein paar Jahre früher war es zudem der Scout von  International Harvester. Viele Jahre später springt nun Range Rover mit dem überaus erfolgreichen Evoque auf diesen Zug. Die Absatzentwicklung im Segment der Geländewagen ist exorbitant. Warum als nicht einen offenen SUV anbieten? Auch wenn es vollkommen sinnfrei erscheint.

Range Rover Evoque Cabriolet | Fanaticar MagazinForm und Funktion

Das Cabriolet basiert auf dem dreitürigen Derivat des Range Rover Evoque. Ein straff gespanntes und gut isoliertes Stoffdach schützt vor Wind, Wetter, Regen und Schnee. Bei unserer ersten Ausfahrt Anfang Juni im Fünfseenland rund um Starnberger See und Ammersee südwestlich von München schlossen wir das Dach nur für die Fotos und eine kurze Fahrt zur Prüfung der Geräuschdämmung.

Im Interieur des Cabrios hat sich gegenüber der geschlossenen Varianten nur eine Taste für das Öffnen und Schließen des Dachs dazugesellt. In 18 Sekunden ist das Stoffteil mit Z-Faltung entweder verschwunden oder es bedeckt wieder die Häupter der Passagiere. Bis zu 48 km/h schnell kann man für diese Vorgänge unterwegs sein. Immer wieder ein Hingucker beim Passieren von Straßencafés.

Ist das Dach mal offen, ist der Einstieg nach hinten deutlich leichter. Wir sprechen aber hier von Ausnahmesituationen. Für uns ist das Evoque Cabrio, ebenso wie sein dreitüriges Coupé-Pendant, das klassische Autos für Single oder Pärchen. Für diese These spricht allein schon der gut zugängliche Kofferraum mit seinem eingeschränkten Ladevolumen von 251 Litern. Egal ob mit offenem oder geschlossenem Dach.

Das Alljahres-Cabrio Range Rover Evoque bringt seinen Besitzer auch zum Skifahren oder Snowboarden in die Berge. Für den Transport ist mittels einer Durchreiche gesorgt, die auch eventuell hinten sitzenden Begleitern noch zwei Sitzplätze übrig lässt.

Range Rover Evoque Cabriolet | Fanaticar MagazinFahrverhalten

Gut 200 kg trägt der Evoque als Cabriolet mehr auf seinen eleganten Hüften, rund 2 Tonnen also. Gut versteckt als Versteifungen und nicht so ausladend, als hätte unsereiner Übergewicht. Das führt uns auch gleich zu dem eigentlichen Wesen dieses Automobils. Es ist ein fantastischer Cruiser, ohne an die sportlichen Ambitionen seiner geschlossenen Geschwister ranzukommen. Wählt man noch dazu die 110 kW (150 PS) leistende Einstiegsmotorisierung, ist rasanter Fahrspaß von vorneherein kein Thema.

Wir waren mit dem ebenfalls mit 2 Litern Hubraum bestückten und mit 132 kW (180 PS) deutlich stärkeren Modell unterwegs. Das Mehr an Kraft zeigt allein schon der Blick auf das Drehmoment der beiden Turbodiesel. 380 Nm stehen 430 Nm gegenüber, was das Evoque Cabriolet entweder in 12 oder aber 10,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h bringt. Auch die Höchstgeschwindigkeit ist deutlich different. 180 vs. 195 km/h.

Schneller in allen Disziplinen ist der ebenfalls verfügbare Si4. Ein 2-Liter-Benziner, der für den Spurt 8,5 Sekunden benötigt und in der Spitze mit 209 km/h angegeben ist. Was Komfort und Straßenlage angeht, vereinen sich die drei Varianten wieder auf einen gemeinsamen und sehr angenehm erfahrenen Nenner.

Denn wie alle Range Rover steht das Evoque Cabriolet auch im Gelände seinen Mann. Mit Terrain Response lassen sich die notwendigen Fahrmodi auf Knopfdruck justieren und schon ist der hübsche Asphaltgleiter auch durch Matsch, Schnee und auf felsigem Untergrund der perfekte Begleiter. Das Ganze in offen genossen, erhöht den Fahrspaß um ein Vielfaches.

Range Rover Evoque Cabriolet | Fanaticar MagazinAusstattung

Für das mindestens 51.200 Euro teure Range Rover Evoque Cabriolet stehen nur die beiden hochwertigen Ausstattungslinien SE Dynamic und HSE Dynamic zur Wahl. Der von uns gefahrene 180-PS-Diesel ist als HSE für 60.300 Euro gelistet. 1.000 Euro teurer ist der Benziner, während die Differenz von SE und HSE jeweils 6.200 Euro beträgt. Der hohe Mehrpreis begründet sich mit Ausstattungsdetails wie Rückfahrkamera, Xenon-Scheinwerfern mit LED-Signatur, Oxford-Ledersitzbezügen und beleuchteten Einstiegsleisten.

Weshalb Xenonlicht heutzutage in diesem gehobenen Segment nicht zum Serienumfang gehört, ist mehr als fraglich. Zudem das Range Rover Cabriolet auch mit LED-Hauptscheinwerfern bestückt werden kann. Daher gilt als Aufpreis für den SE bei Xenon 1.100 Euro, für LED 2.350 Euro. Der Upgrade auf LED ist für den HSE für 1.250 Euro machbar. Für uns das einzig sinnvolle Licht für beste Sicht und die dadurch gewonnene Sicherheit.

Ein großes Lob verdient dagegen das nun auch sukzessive in die Land und Range Rover Modelle Einzug haltende InControl Touch Pro SSD Navigationssystem. Im Vergleich zu den Mitbewerbern und den vorhin genannten Lichtpreisen sind 1.500 Euro Aufpreis günstig zu nennen. Bedienbar über den mächtigen 10,2 Zoll großen Bildschirm werden über das System Smartphones angebunden (Bluetooth ist Standard) und zudem steht 3G-Konnektivität und in der Basis eine Meridian 380-Watt-Soundanlage zur Verfügung.

Range Rover Evoque Cabriolet | Fanaticar MagazinFazit

Es ist ein richtig cooles Auto, das auf unseren Testfahrten so manchen Kopf von Passanten fliegen ließ. Ein Cruiser vor dem Herrn und genau die richtige Alternative für Menschen, die vor einiger Zeit ihren Roadster oder ihr Cabrio, dem allgemeinen Trend folgend, in einen SUV getauscht haben. Sozusagen das Beste aus zwei Welten. Offroad trifft Offenfahren. Herz was willst Du mehr? (ds)

Technische Daten: Range Rover Evoque Cabrio HSE Dynamic TD4 4WD

Motor: 4-Zylinder-Diesel
Getriebe: Neungang-Automatik
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min: 132 kW (180 PS)/3.500
Max. Drehmoment: 430 Nm bei 1.750 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe: 4.370/1.980/1.609 in mm
Radstand: 2.660 in mm
Leergewicht: 1.967 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2.350 kg
Kofferraumvolumen: 251 l
Bereifung: 235/55 R 19
Felgen: 8 x 19 Leichtmetall
Beschleunigung: 10,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Tankinhalt: 54 l
Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 5,7 l auf 100 km

Preis: 60.300 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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