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De Tomaso Pantera – Fanaticar Magazin

In den 60er und 70er Jahren verbauten verschiedene italienische Hersteller amerikanische Technik in ausgezeichnetes Design. Eines der schönsten und besten Beispiele dafür ist sicher der De Tomaso Pantera.

Eigentlich wollte der Argentinier Alejandro de Tomaso (1928-2003) ja in Italien Rennfahrzeuge bauen. Er kam 1955 nach Bologna, eröffnete einen Tuningbetrieb und plante, mit seinen Eigenkonstruktionen in die Formel-1 einsteigen. Da ihm, der selber einige wenige Formel-1-Rennen bestritten hatte (um genau zu sein: 2), dabei nur wenig Erfolg beschieden war, setzte er mit seiner kleinen Firma in Modena ab 1963 auf Sportwagen für den Strasseneinsatz. Doch auch sein erster  Strassenwagen floppte. Den filigranen Vallelunga mit 105 PS aus einem 1500er-Vierzylinder wollte – niemand. Keine 50 Exemplare wurden gebaut.

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Das änderte sich schlagartig mit der Verwendung von amerikanischen V8-Motoren und dem Mittelmotorkonzept im 1967 vorgestellten Mangusta. Sicher nicht unschuldig am Erfolg war ein Italiener – Giorgetto Giugiaro zeichnete damals die Aussenhülle des Mangusta. Vom Mangusta wurden innerhalb von drei Jahren rund zehn Mal mehr Fahrzeuge produziert als vom Vallelunga.

Schon fast zum Grossserienfahrzeug wurde dann aber der Pantera. Nicht zuletzt, weil man mit den Lincoln/Mercury-Händlern in den USA einen Lieferdeal aushandeln konnte. Dieser Deal lief über den Ford-Konzern, der auch die Motoren lieferte. Im Gegenzug übernahmen die Amerikaner von De Tomaso die Marke Ghia. Dazu würde es noch einige spannende Wirtschaftskrimis zu erzählen geben, denn im Vergleich zu Alejandro de Tomaso ist sogar Silvio Berlusconi ein ausgesprochen seriöser Geschäftsmann.

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Die Produktion des Pantera begann 1971. Für das Design verantwortlich war Tom Tjaarda, ein US-Amerikaner, der sich aber in Italien sehr heimisch fühlte. Er stand in Diensten zahlreicher italienischer Designer und des Fiat-Konzerns, wo er unter anderem für das Design des Fiat 124 Spider und des Lancia Y10 die Verantwortung trug. Technisch war der Pantera grundsätzlich ein einfaches Fahrzeug: Mittelmotor aus der Grossserie, selbsttragende, keilförmige Karosserie und fette Räder.

Aber die Umsetzung zeigt, dass man sich bei DeTomaso durchaus seine Gedanken gemacht hatte, wie aus diesen Grundzutaten ein richtig schnelles Auto zu machen sei. Zur Verbesserung des Schwerpunkts wurde das Getriebe an der Hinterachse verblockt und die aufwändige Radführung (rundum doppelte Dreieckquerlenker) wurde von keinem Geringen als Gian Paolo Dallara entwickelt. Gebaut wurden die ersten Fahrzeuge (rund 380 Einheiten) bei Vignale in Turin, ein Unternehmen, das damals  ebenfalls zu Ford gehörte. Erkennbar sind die Autos aus der Vignale-Produktion an den Drucktasten-Türgriffen. Schon ab 1971 hatte De Tomaso parallel eine Produktionsstrasse, auf welcher die Vignale-Karosserien komplettiert wurden. Diese Modelle sind an den rechteckigen Türgriffen von den Vignale-Autos unterscheidbar.

 

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Genug der grauen Theorie, rein ins Auto. Es handelts sich hierbei um einen GTS von 1973, mit einem 351er-Cleveland-Motor von Ford, umgebaut auf Benzineinspritzung, abgestimmt bei den Leuten von Sauber F1, angeboten von der Oldtimergalerie in Toffen. Welch eine Wonne, weil der Wagen für den amerikanischen Markt entwickelt wurde, haben auch etwas fülligere Zeitgenossen genügend Platz im Pantera. Der V8, der direkt im Nacken von Fahrer und Beifahrer sitzt, brüllt nach einer halben Anlasserumdrehung los. Dieser Sound, man muss die Haare an den Armen mit Gel wieder zähmen, sonst stehen sie noch Tage später auf. Ein rotzender, schnaubender und brüllender Brocken im Genack, nur rund 1400 kg Leergewicht und eine Lenkung ohne Servounterstützung – das wird ein Ritt auf der Kanonenkugel. Denkt man.

Nein, lammfromm ist der Pantera GTS nicht, aber er ist trotz fehlender Servolenkung auch bei langsamer Fahrt kein Biest. Klar, die Kräfte, um Lenkung, Kupplung und Bremsen zu bedienen, sind nach heutigen Massstäben sehr hoch – doch es ist problemlos machbar. Wer dem Gaspedal aber ordentlich den Schuh gibt, der muss seinen Kopf bei der Sache habe. Der Pantera GTS ist  – auch heute noch – ein sehr schnelles Auto. Und er setzt die Wünsche des Fahrers unglaublich direkt in die Tat um – so wie es nur ein grossvolumiger, scharfer V8 kann. Nach einem kurzen Angewöhnen wird man mutiger, lässt das Bremsen vor der Kurve auch mal aus und merkt, dass mit Gian Paolo Dallara ein echter Spezialist für das Fahrwerk verantwortlich war. Mit dem Pantera kann man – im Gegensatz zu einigen anderen US-V8-Sportwagen aus jener Zeit – richtig flott ums Eck. Dazu, wie erwähnt, dieser wahnsinnige, satte, fordernde V8-Sound. Da nimmt man in Kauf, dass sich der Innenraum extrem aufheizt, dass die Sitze nur bedingt bequem sind und dass der Sportler einen ordentlichen Durst an den Tag legt.

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Weil in all den Jahren rund 4000 Panteras unterschiedlichster Art gebaut wurden, findet man heute noch schöne Exemplare. Gute Fahrzeuge haben aber leider ihren Preis. Unter 60’000 Franken ist ein Pantera GTS selten zu finden, ein nahezu perfektes Exemplar kostet gerne auch mal 85’000 Franken. Dafür ist der Unterhalt, dank der einfachen US-Technik, nicht sonderlich kostenintensiv. Und: fast alle Teile, sogar die der Karossere, sind heute noch lieferbar. Und: billiger werden die Panteras in den kommenden Jahren sicher nicht. Es ist also eine grosse Investition, aber eine, die auch beim Fahren viel Spass macht.

Text: Peter Ruch (Radical Mag)
Fotos: Radical Mag

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