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Nissan Juke-R by marioroman pictures - Fanaticar

Einladungen von Automobilherstellern eigentlich immer etwas Besonderes. Doch hier und da hebt sich eine oder andere davon ganz dezent ab. Dieses Mal war es der japanische Fabrikant Nissan, der in mir schon beim Lesen der Einladung dezente Adrenalinschübe versetzte. Hey, mal ganz ehrlich: Wie oft bekommt man schon eine Einladung zum Testen vom Juke-R?

Juke… ist das nicht dieses extrem polarisierende Fahrzeug, das immer und überall für einen bunten Austausch an Meinungen sorgt? Japp! Und genau um dem nochmal die Krone aufzusetzen hat Nissan sich zwei davon geschnappt und sie “geringfügig” optimiert. Na ja, sofern man einen 485 PS starken V6 Bi-Turbo vom GT-R, Extremverbeiterung und krawalligen Sound für normal hält.

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Jeep Grand Cherokee CRD & Nissan Juke R by marioroman pictures

Also schnell die Sachen gepackt und Blacky aus der Garage geführt. Der Jeep Grand Cherokee CRD hat sich ja die letzten Monate mehr als bewährt. An der Tankstelle meines Vertrauens schwanke ich zwischen Freude und Trauer. Satte 130 Euro kostet mich ein voller Tank mit dem Dieselgebräu. Vor gut zwei Monaten lag ein Tank bei circa 110 Euro. Bei Literpreisen von mittlerweile 1,44 € für den Liter Diesel fängt es  langsam an weh zu tun. Doch ich darf mich glücklich schätzen, denn mit der V8 Benziner Variante und Super Plus Preisen von knapp 1,70 €/Liter darf man heutzutage wirklich von Luxus reden. Feierlich (und ebenso wenig verständlich) ist das nicht mehr.

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Und ewig klopft der Regentropfen...

Mit vollem Tank geht es also los in Richtung der kleinen 50.000 Einwohner Stadt Euskirchen. An diesem Tag schien Petrus aber deutliche Koordinationsprobleme mit der Wetterherausgabe gehabt zu haben. Auf den 600 Kilometern begleiteten mich warme Sonnenstrahlen, heftige Niederschläge oder auch mal ein böses Gewitter. Und zwar so heftig das der Jeep ein zweimal auch mit Aqua-Planing zu kämpfen hatte, was er aber aufgrund des intelligenten Allradsystem routiniert in den Griff bekam.

Ein paar Kritikpunke habe ich nach der ganzen Zeit dann doch anzumelden. So könnte die Lenkung ein wenig mehr Feedback im Mittelbereich vertragen und auch der Abstandsradar arbeitet nicht immer so zuverlässig, wie die Systeme der Konkurrenz. So kann es zum Beispiel vorkommen das der Grand Cherokee auf der Mittelspur ohne Vorfahrer in die Eisen geht, weil er den parallel daneben fahrenden LKW für ein Hindernis hält. Auch schaltet sich das System ab 30 km/h ab, was sehr schade ist denn diese Systeme spielen Ihre Trümpfe ganz besonders im Stau aus. Das Soundsystem selbst ist grandios und versorgt die Passagiere mit sattem Sound, doch im Bluetooth Modus verheddert sich das die Audioanlage hier und da mal und schaltet dann einfach mal auf Radio um. Alles keine Kritiken, die riesigen  Eingriffe verlangen um etwas zu ändern aber zur Bequemlichkeit dieses grandiosen Reisemobils deutlich beitragen könnten.

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Shit happens!!!

Am frühen Abend dann die Ankunft Euskirchen bei Köln. Als Präsentationspunkt dient die alte Tuchfabrik, die sich in Sachen Event-Veranstaltungen etabliert hat. Die Sonne hat sich nun wieder zum Strahlen entschieden. Das große Panoramaglasschiebedach sorgt für frischen Sauerstoffnachschub und für Fremdkörper, die nicht dort reingehören. Aber mal ehrlich, da gehört schon viel Bomber-Erfahrung dazu, wenn ein Vogel es schafft durch die Luke einen Volltreffer auf der Rücksitzbank zu landen, oder?

Macht nix, denn ich erblicke nun gerade zum ersten Mal den Juke-R, der gerade für den morgigen Tag liebevoll aufbereitet wird von Xavi ! Nun stehen sie sich gegenüber- Blacky und Lilly (so wird der Juke-R von Xavi liebevoll genannt). Beide haben Allrad, beide einen V6 mit Turboaufladung und beide sind schwarz. Ach, das kann ja kein so großer Unterschied sein. Doch Blackys Dieselaggregat tackert sich schon ganz devot in den Flüstermodus. Er weiß, dass hier ein Monster vor Ihm steht. Quasi der Hulk unter den Mini-SUVs.

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Jeep Grand Cherokee CRD & Nissan Juke R by marioroman pictures

Damit dem Jeep nicht das gesamte Kühlwasser aus den Adern fließt verabschieden wir uns brav und entschließen uns noch zu einer kleinen Locationsuche für morgen, denn viel Zeit wird am nächsten Tag nichtvorhanden sein. Also noch fix eine kleine Dusche in der Autowaschanlage um dem strahlenden Sonnenschein noch auszunutzen. Doch Petrus gibt sich wieder die Ehre und lässt direkt bei der Ausfahrt kräftig Regen ab. A…loch!!! Frustriert zieht es uns schlussendlich ins Hotel zurück.

Der nächste Tag beginnt früh. Doch das ist egal, schließlich darf ich gleich einen 450.000 Euro Racer fortbewegen. Was genau erwartet mich nun eigentlich? Der Juke-R ist ein kleines Prestigespaßprojekt von Nissan mit einer Frage: Was passiert, wenn man zwei Extreme miteinander kombiniert? Soll heißen man kreuzt das Beste aus dem Supersportwagen GT-R mit dem braven Alltags Crossover Juke und macht daraus ein Fun-Automobil der Extreme.

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Rasante Kurvenfahrt mit dem Nissan Juke R by marioroman pictures

Im Grunde genommen darf der Juke sich nur noch mit der mattschwarzen Außenhülle und einigen Interieur Elementen die Ehre geben, denn unter dem Blechkleid dominiert GT-R Technik. So wurde der 3,8 Liter Bi-Turbo V6 des GT-R unter die Haube verpflanzt, das Sechsgangdoppelkupplungsgetriebe und auch der modifizierte Allradantrieb fand seinen Platz. Um die Power des 485 Pferde starken V6 in konsequenten Vortrieb um zu wandeln, gesellen sich mächtige 20 Zoll Semi-Slicks in den breit ausgestellten Radhäusern, die im Fall der Fälle von der mächtigen GT-R Bremsanlage gezähmt werden. Zusätzlich fällt der Juke-R durch seinen geteilten Heckflügel und den neuen Stoßfängern mächtig auf.

Im Innenraum wurde die Fahrgastzelle mit einem großen Käfig verstärkt. Die Armaturtafel wurde überarbeitet, um Platz für das 7 Zoll Display zu schaffen. Hierüber kann sich der Fahrer einen schnellen Überblick über alle wichtigen Infos rund um das Fahrzeug verschaffen. Die Rückbank flog komplett raus und Fahrer und Beifahrer werden in ordentliche Sitzschalen mit Fünfpunktgurten gezwängt.

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Nissan Point in der alten Tuchfabrik

Und nun den Startknopf gedrückt. Der Sechszylinder von „Lilly“ brummelt kräftig vor sich hin. Auf dem Beifahrersitz wacht aufmerksam Rennfahrer und Instruktor Frank Eickholt, der jede noch so kleine Erhebung im Asphalt als potentielle Gefahrquelle für den Juke-R sieht. Vier Augen sehen nun mal auch besser als zwei. Doch kaumsind wir dem kleinen Städtchen entflohen, geht es auch schon ich Richtung Landstraße.

3,7 Sekunden von 0 auf 100 … Bämm! Da zurrt es einem automatisch die Gesichtsmuskulatur hoch. Der Highspeed von 258 km/h fällt recht unspektakulär aus, denn dieses Auto wurde nicht für die Gerade sondern für Kurven dieser Welt konzipiert. Davon gab es auf der Teststrecke leider viel zu wenig und das wirkliche Potential dieser kleinen Powermaschine verdampfte so leider in einem sportlichen aber immerhin sehr exklusiven Cruiser Modus. Das der Frank neben mir sitzt ist vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. Hätte ich das Ding alleine zur Verfügung gehabt, weiß ich nicht ob ich dem Drang hätte wiederstehen können den nahe liegenden Nürburgring ein wenig aufzumischen. Das macht der Frank die Tage lieber selbst wenn er mit seinem Volvo C30 beim 24 Stunden Rennen antritt. Viel Erfolg schon mal auf diesem Wege.

Gerade mal zwei Exemplare gibt es derzeit auf der Welt. Einen Links und einen Rechtslenker. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde jüngst eine Kleinwagenproduktion veranlasst. Drei Juke-R sind schon verkauft- zwei davon gehen in Richtung der Emirate. Ich bin schon gespannt, was sich Nissan als nächstes ausdenkt. Wie wäre es mit einem Micra-R als GTI Vernichter? Oder einem Pathfinder R um dem Porsche Cayenne Turbo mal fröhlich in den Hinter zu treten? Bei Nissan scheint alles möglich. Die spinnen, die Japaner!!! Ein ausführlicher Bericht vom Juke-R folgt die Tage.

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Ab nach Hause...

Mit freudigem Lächeln auf die Lippen ging es dann aber auch schon wieder in Richtung Hamburg, abgerundet von einem kleinen Zwischenstopp in Minden. Erst kurz nach Hannover, also nach rund 800 km fängt die Nadel das quengeln an und das obwohl es doch recht flott voran ging.

Der derzeitige Verbrauch von 10,4 Litern kann sich durchaus sehen lassen. Und der laufruhige V6 lässt hier durchaus noch Potential zu. Effiziente Tools wie eine Achtgangautomatik und Start-Stop System sollten den Verbrauch nochmals schmelzen lassen. Um zwei Uhr morgen erreichen wir wieder die berühmte Hansestadt Hamburg. Blacky hat wieder einen wundervollen Job getan und ich falle zufrieden ins Bett. Mal schauen welche Einladung morgen im Postfach steckt….

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures

Hier ein paar Berichte der Kollegen:

Rad-Ab: Zwei Stühle- Keine Meinung?
Rad-Ab: Die flotten Drei 

Motor-Talk: Fahrbericht Nissan Juke-R
Bycan: Verpasste Chancen 

Mein-Auto-Blog: Der Juke-R – Foto des Tages
Die Testfahrer: Nissan Juke-R  Testfahrt