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Mercedes-Benz SL63 AMG – Fanaticar Magazin

Meine Augen sind noch geschlossen, als mich der Wecker aus meinen süßen Träumen reißt. Blind ertaste ich die “Klappe” Taste und schlummere weiter. Doch was meine Ohren wahrnehmen, mag mir gar nicht gefallen. Tausende, ach was rede ich da, Millionen kleine Regentropfen üben gewaltigen Terror auf meiner Fensterscheibe aus. Fettes not like! Warum? Nun ja, in der Garage steht ein mächtiges Gerät – ein Mercedes SL 63 AMG – noch dazu mit Performance Package. Die Pure Lust an Leistungsentfaltung.

Doch es sind nicht nur die 800 Newtonmeter Drehmoment auf der Hinterachse, die sich nicht mit Feuchtigkeit auf dem Asphalt vertragen wollen. Nein, dazu kommt noch, dass ein SL bevorzugt offen gefahren werden MUSS!!! Das ist Pflicht!

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Passt das? – Fanaticar Magazin

Aber erstmal stellen wir uns einer anderen Herausforderung. Ein Cabrio mit Hardtop, zwei Menschen, knapp eine Woche unterwegs – klingelt da was? Ja das ist normalerweise nur mit vielen Einschränkungen zu erreichen. Denn gerade die Metalldach-Cabriolets bieten oft nur bei geschlossenem Zustand ordentlich Kofferraumvolumen.

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Hipp Hipp Hurra!!! – Fanaticar Magazin

Ist das Dach jedoch auch im Kofferraum verstaut, geht dieser Vorteil aber meist verloren. Nicht so beim SL. Der Daimler schafft es tatsächlich, eine große Reisetasche zu fassen, ohne dass auf die Cabriolet-Funktion verzichtet werden muss. Respekt! Dazu gibt es noch relativ großzügige Platzverhältnisse hinter den Sitzen.

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Regen, Regen und nochmals Regen Icon Sad in Mit einem Daimler nach Paris - Roadtrip im Mercedes-Benz SL63 AMG Part 1 – Fanaticar Magazin

Kraftbetankung

Etwas mulmig wird mir bei der Tanke des Vertrauens. Wie schluckfreudig wird der rote Blitz wohl sein? Der Überlieferer meinte, er wäre nicht unter 14 Liter gekommen, was mir etwas Unsinnig erschien, kam ich doch schon mit dem CLS 63 AMG auf unter zehn Liter. Allerdings fühlte sich mein Gasfuß danach auch Morphium ertränkt an. Erleichterung beim Bezahlen. Der Tank ist nicht so groß wie erwartet, aber 100,- Euro für 60 Liter sind mittlerweile trotzdem nicht mehr lustig. Doch alles meckern hilft nichts – der Startschuss ist gefallen. Ich nulle die Verbrauchsanzeige und es geht ab nach Paris.

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Sprit wird immer teurer – Fanaticar Magazin

Tagsüber auf der Autobahn herumzugondeln, ist auch mit über 500 Pferden auf der Hinterachse eine recht langweilige Art des Fortbewegens. Und so passieren wir entspannt meine westfälische Heimatstadt Minden, wo wir nicht darum herum kommen, eine kleine Pizza-Pause zu machen. Auch der Rest der insgesamt fünfhundert Kilometer auf der ersten Etappe sind vor allem eins – viel zu langsam für ein Auto dieser Art.

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Pizza Kurier Minden – Fanaticar Magazin

Nur eine kleine Verfolgungsjagd mit einem 997 Porsche Turbo – ebenfalls doppelt aufgeladen – brachte einen kurzen Augenblick der Fahrfreude auf. Die verebbte aber ziemlich schnell, denn der emsige Zuffenhausener mit Mindener Kennzeichen fuhr alsbald wieder von der Autobahn ab. Er war am Ende zwar schneller, aber keiner kann uns nachsagen, dass wir uns nicht mit aller Macht gegen ihn gewehrt haben.

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Kasteel TerWorm – Fanaticar Magazin

Zwischenstopp in den Niederlanden (Verbrauch 11,5 Liter)

Im niederländischen Heerlen, das nah an der deutschen Grenze bei Aachen positioniert ist, legen wir einen ersten Zwischenstopp hin. Und da wir ja in einem Fahrzeug mit viel Prestige vorfahren, darf es natürlich keine 08/15 Absteige sein – nein, wir nächtigen im Schloss Terworm. Das circa um 1400 erbaute Schloss liegt im Tal des Flüsschens „Geleenbeek“ und besitzt eine sehr gute Verkehrsanbindung. Stilecht fährt der Gast erst eine lange Auffahrt hoch, ehe das Gebäude erreicht wird. Das Schloss selbst erstrahlt im Neo-Renaissance Stil. Baron „de Loë“ restaurierte das Schloss mithilfe des Architekten Fisenne nach seinen eigenen Vorstellungen mit Mauern und Türmchen.

1985 entstehen erste Pläne, auf dem gesamten Gelände einen Vergnügungspark aufzustellen. Dank der heftigen Gegenwehr der Bevölkerung bleibt dem Schloss Terworm dies erspart. Ende 1997 entschliesst sich der neue Besitzer – die van der valk“ Gruppe – zu einer gründlichen Renovierung des Schlosses.

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Kasteel TerWorm – Fanaticar Magazin

Ebenso wie das Schlossgebäude erfährt auch die gesamte Umgebung eine umfassende Neugestaltung. Statt des geplanten Vergnügungsparks wurden hier alle Bemühungen unternommen, die alte Gestalt wieder hervorzuzaubern. So entsteht auch der historische Schlossgarten. Rund um das gesamte Gut sorgen verschiedene Fahrrad- und Wanderwege mitten im Grün für Abwechslung. Für die Gäste stehen 40 Hotelzimmer zur Verfügung, davon 30 Zimmer im Hof und zehn im Schloss. Die Zimmer wurden der alten Architektur angepasst, kein Zimmer ähnelt dem anderen. Für einen besonderen Überblick sorgen die Turmsuiten. Dabei sind Zimmerpreise erstaunlich human geraten.

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Kasteel TerWorm – Fanaticar Magazin

Dazu wartet es auch mit einem exquisiten Restaurant auf, das sogar im Michelin Katalog zu finden ist. Kurz und knapp gesagt – die perfekte Umgebung für einen Chefroadster wie den SL.

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Fast geschafft – Fanaticar Magazin

Weiter nach Paris

Etwas widerwillig verlassen wir das schöne Ambiente des Schlosshotels am nächsten Tag. Noch gut 400 Kilometer sind abzureißen, ehe wir die französische Hauptstadt erreichen werden. Von den relativ gut ausgebauten Straßen in den Niederlanden geht es rüber nach Belgien – deren Straßenbelag hat deutlich unter dem Verkehr gelitten und dieser Eindruck hält auch die komplette Durchfahrt lang an. Madame hat sich mittlerweile ihrem Lieblingshobby in Autos gewidmet – dem ausgiebigen Schlaf.

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Maut – Fanaticar Magazin

Gut, dass der SL so komfortabel abfedert; sonst wäre wohl nichts daraus geworden. Ab der französischen Grenze ändert sich dies schlagartig. Via Maut-Autobahn geht es über die extrem gut ausgebaute Autobahn weiter. Im Gegensatz zu Deutschland werden wir hier in Frankreich am Ende wohl eher einen vorzeigbaren Verbrauchswert angezeigt bekommen, denn hier gilt eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h – dabei könnte der SL problemlos die Dreihundert knacken. Kommen wir zu meinem Lieblingsspielzeug – dem Distance Control. Ein Radar, das sich im Mercedes-Stern in der Front versteckt sorgt für den korrekten Sicherheitsabstand und bremst bei Bedarf automatisch ab, zur Not bis zum Stillstand.

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Fanaticar Magazin

Davor gibt man einfach die gewünscht Reisegeschwindigkeit an und nimmt seine Füße von Gas und Bremspedal. Dieses System funktioniert mittlerweile so perfekt, dass manuelle Eingriffe wirklich nur noch in den allerhöchsten Zwischenfällen vorgenommen werden müssen. Doch richtig lässig lässt sich das System im Stau nutzen. Stop & Go wird mit diesem System deutlich entspannter absolviert. Wenn es ein Feature gibt, das ich serienmäßig in jedem Auto vorfinden wollen würde – es wäre das Distance Control System. Doch das gilt nur für die Autobahn – nicht in der Metropole, in der wir jetzt angekommen sind.

Paris – Verkehr zum abgewöhnen

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Louvre – Fanaticar Magazin

Paris – die Stadt der Liebe. Paris- die Stadt des automobilen Chaos. Und schon nach kurzer Zeit wird klar, dass es mein persönlicher Herz-Rhythmus keine konstante Schlagfrequenz mehr beibehalten kann. Auf dem Place de la Concorde sackt mein ohnehin schon blutleeres Pumpgefäss vollends in den Boden. Wie wild gewordene Ameisen kämpfen hier Taxi, Roller und Busfahrer um die Herrschaft – und wer dabei im Weg ist – Pech gehabt. Zweihunderttausend Euro, Roman…. Zweihunderttausend Euro fährst du hier spazieren.

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Alltag in Paris – Fanaticar Magazin

Ich zucke zusammen, als eine Vespa mir mal mit einem gefühlten Abstand von minus zehn cm am vorderen Kotflügel vorbeisaust. Oh, und hatte ich den Busfahrer links neben mir erwähnt, der die andere Seite auf dem Kicker hat? Ich wechsele lieber auf den Sportmodus, denn die kleine Gedenkmillisekunde, die sich der SL beim Anfahren im Comfortmodus gibt, kann hier über Leben und Lack des Roadsters entscheiden. Dennoch bewege ich mich hier eindeutig im devoten Modus voran. Nein meiner lieber SL – das hier ist bestimmt nicht Dein Jagdrevier – das ist automobile Quälerei.

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New Hotel Roblin – Fanaticar Magazin

Als wir schlussendlich unbeschadet das New Hotel Roblin am Place de la Madeline erreichen, erreicht auch der Regen seinen Höhepunkt. Das macht nichts, denn ich bin eh schon so schweißgebadet, dass mir der Regen kaum was ausmacht. Wohl aber, dass wir in einer engen Einbahnstraße stehen und es keinen Hotelparkplatz gibt. Hinter uns macht sich schon ein wild hupender Schläger breit – kurz das Gepäck ausgeladen und schnell noch einmal eine Runde drehen in ein nahegelegenes Parkhaus, welches auch einen gewissen Charme für sich beherbergte.

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Eifelturm – Fanaticar Magazin

Doch da der SL auch im geschlossenen Zustand erstaunlich viel Übersicht bietet, gibt auch diese keine Anlass zur Sorge. Endlich angekommen. Noch ein kleines Abendessen in Sichtweite des Eifelturms und dann noch ein kleiner Nachttrip. Natürlich dürften da die berühmten Hotspots nicht fehlen. Die Temperatur ist auf 16 Grad gesunken aber der Regen hat sich eine Pause gegönnt. Also Dach auf- und die Umgebung genießen. Nacken und Sitzheizung sind voll aufgedreht- so macht Sightseeing Spaß.

Fortsetzung des Roadtrips mit dem Mercedes-Benz SL 63 AMG

Auch Kollege Thomas Gigold schwitze Rotz und Wasser im Pariser Stadtverkehr. Das hat er ganz amüsant zusammengefasst.

Verkehr mit den Parisern (Thomas Gigold)

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures