Foto: Dietmar Stanka

Ein Bericht von Dietmar Stanka

Dr. Ulrich Hackenberg, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen, Geschäftsbereich „Entwicklung“ brachte es in einem Gespräch in Monte Carlo auf den Punkt. Spätestens 2015 soll einer der Volkswagen Polo R WRC den Weltmeistertitel einfahren. Ja, wenn Volkswagen etwas anpackt, dann richtig. 250 Journalisten aus der ganzen Welt fielen am 8. Dezember nach Monaco ein, um bei der Premiere des neuen Rallyewagens von Volkswagen Motorsport dabei zu sein.

Das Auto für die Straße

Stopp. Bevor wir den unverkäuflichen Rallyewagen Polo R WRC vorstellen, leiten wir die Aufmerksamkeit auf ein käufliches Exemplar des Polos. Des stärksten Polo aller Zeiten wohlgemerkt, zumindest was Serienfahrzeuge der Wolfsburger angeht. Er darf den gleichen Namen wie sein mehr als 300 PS leistender Supersportler tragen und mobilisiert aus einem 2-Liter-Motor 162 kW (220 PS). Diese Leistung katapultiert den Polo R WRC in 6,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und lässt ihn bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 243 km/h eilen.

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2.500 Exemplare werden gebaut und ab September 2013 ausgeliefert. Für 33.900 Euro ist der Polo R WRC ab sofort zu bestellen. Im Vergleich zu ähnlich starken Mitbewerbern und in Anbetracht der umfangreichen Serienausstattung ein durchaus adäquater Preis. Der kleine Flitzer rollt auf 18 Zoll großen Leichtmetallrädern, leuchtet seine Wege mit Bi-Xenon-Scheinwerfern aus und transportiert seine Passagiere auf mit Alcantara bezogenem Gestühl.

Das Auto für die Rallye

Samstagabend, 19.30 Uhr. Zwischen dem Hotel de Paris und dem Casino steht eine Rampe, auf der sich neben Dr. Ulrich Hackenberg unter anderem Carlos Sainz, Jacky Ickx und die Fahrer Mikko Markkula (FIN), Andreas Mikkelsen (N), Julien Ingrassia (F), Sébastien Ogier (F), Jari-Matti Latvala (FIN) und Miikka Anttila (FIN) eingefunden haben. Nach einigen Interviews, moderiert von Stefan Moser, Pressechef von Volkswagen Motorsport waren plötzlich Ogier und sein Beifahrer Ingrassia verschwunden.

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Um kurze Zeit später mit mächtigem Gedöse in dem Polo R WRC auf die Rampe zu fahren. „Bang-Bang“ knallt es Stakkato-artig aus dem Auspuff. Was sich anhört wie Fehlzündungen, ist der sich im heißen Auspuff entzündende Kraftstoff. Geht der Fahrer nämlich vom Gas, wird der Turbolader auf Drehzahl gehalten und dadurch entsteht die Knallerei, die korrekterweise Anti-Lag-System genannt wird.

Unter der Haube des Rallye-Polos arbeitet ein nach dem Global Race Concept entwickelter 1,6-Liter-TSI-Vierzylinder mit Turbolader und Benzin-Direkteinspritzung. Die Leistung wird durch den vom Reglement vorgeschriebenen Luftmengenbegrenzer, dem sogenannten Air Restrictor, auf rund 300 PS begrenzt. Das Sechsganggetriebe wird sequenziell geschaltet.

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Im Gegensatz zum einem Straßen-Polo hat dieses Fahrzeug Allradantrieb. Auf den Achsen sind je nach Untergrund 18-Zöller (Asphalt und Schnee) bzw. 15-Zöller (Eis und Schotter) montiert. Die Basis der Karosse ist eins zu eins vom normalen Polo übernommen worden. Kotflügel, Motorhaube, Türen sowie die Heckklappe sind aus Kohlefaser-Kevlar gefertigt.

Für die Sicherheit von Fahrer und Beifahrer wurden rund 50 m (!) Stahlrohre im Wagen verschweißt. Die Türen wurden durch einen Seitenaufprallschutz verstärkt und das HANS-System soll Genick-Verletzungen vermeiden helfen. Im komplett ausgeräumten Innenraum sind die Sitze wegen der besseren Gewichtsverteilung bis auf Höhe der B-Säule nach hinten verschoben worden und die hydraulisch bedienbare Handbremse ist günstig positioniert.

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Der Start

Die Rallye Monte Carlo vom 15. bis zum 20. Januar 2013 wird die Premiere für die drei Teams von Volkswagen Motorsport. Danach folgen 12 weitere Läufe, die unter anderem nach Mexiko, Australien, Zypern und durch einen großen Teil Europas führen. Hauptgegner ist der 9-malige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb, der mit seinem DS3 Racing WRC allerdings nicht alle Läufe bestreiten wird. Volkswagen kämpft daher gegen die zwei weiteren Teams aus Frankreich sowie die privat eingesetzten MINI Countryman. 2014 will Hyundai dazu stoßen, bleibt nur zu wünschen, dass aufgrund des Engagements von Volkswagen endlich die Medienpräsenz steigt. (ds)

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Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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