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2013 Aston Martin DB9 Volante – Fanaticar Magazin

Es ist nicht so, dass hochmotorisierte, teure und extrem leistungsstarke Automobile einen Seltenheitscharakter in der heimischen Garage haben. Nein, aber es bedarf schon einer gewissen Überzeugung, um sich abzuheben. Eine gewisse Noblesse. Und so blicken wir gespannt über den Teich in Richtung Großbritannien, wo sich emsige Mechaniker in einem kleinen Ort namens Gaydon in liebevoller Handarbeit um die Produktion einer Marke kümmern, die in den Ohren eines Jedermann für einen Hauch des Schwärmens sorgt: Aston Martin. Und genau die setzten uns den neuen DB9 Volante vor die Tür. Herzlich Willkommen.

Der Schnee hat sich gerade verflüchtig, erste Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut. Man mag es noch gar nicht richtig glauben, der späte Frühling ist erwacht. Es ist das perfekte Wetter für ein Gefährt wie den Aston Martin DB9 Volante. Ein Knopfdruck in der Mittelkonsole und das Dach faltet sich innerhalb kürzester Zeit flott im Heck zusammen – bei Bedarf sogar bis 50 km/h. Der Glasschlüssel, der sich zuvor in meinen Handballen eingekuschelt hat, verschwindet nun in der Mittelkonsole und agiert als Startknopf. Schon der Anlasser vermittelt das Gefühl, er allein könne einen Kleinwagen fortbewegen. Zwölf Zylinder erwachen unter einer endlos langen Motorhaube zum Leben. Sechs Liter Hubraum sorgen für die standesgemäße Umsetzung des maximalen Drehmoments von 620 Newtonmetern. In den Radkästen lauert eine riesige Carbon-Keramikbremsanlage – auf das Schlimmste gefasst. Sie quietscht gerne mal, aber wenn sie zupackt, dann mit viel Herz. Emotionaler gestaltet sich der Vortrieb.

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Aston Martin DB9 Volante – Fanaticar Magazin

Das Volant fest im Griff, die Reifen warmgefahren, wandert der Finger in Richtung der Sporttaste. 517 Pferde bewegen die edle Skulptur in nur 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Zwar gibt es Sportler in dieser Klasse, die diese Marke schneller durchbrechen können – aber dafür geht ihnen danach meist schnell die Luft aus. Der Aston dagegen schiebt vehement voran. Bis Tempo 260 hält der Schub gnadenlos an, danach kämpft sich der Brite tapfer in Richtung der 300 km/h. Im Gegensatz zum Vorgänger wurde der CO2 Ausstoß des Motors um 12g pro Kilometer gesenkt. Nützt nix – der Verbrauch treibt Normalsterblichen wie mir immer noch das Pipi mit voller Kraft in die Augen. Trotz intensivster Bemühungen war ein Durchschnittsverbrauch von unter 18 Litern nicht zu realisieren. Den Käufern dieses Schmuckstücks wird dies aber wohl eher gen Null tangieren. Fürwahr – in meinen Augen – ein glücklicher Mensch!

Besonders die Querdynamik des neuen DB9 Volante wusste zu überzeugen. Erstaunlich, wie sehr sich der DB9 von seinen Vorgängern in Sachen Grip unterscheidet. Dank der VH-Architektur wurde die Steifigkeit des Volante um satte 30% erhöht. Da stimmt es etwas traurig, dass die belederten Sportsitze im Schulterbereich so wenig Seitenhalt bieten. Ach ja, eine Pseudorückbank für Menschen ohne Beine gibt es auch noch. Übersetzt heißt das: Neben dem Kofferraum bietet der DB9 noch weitere Ablageflächen für das Reisegepäck.

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Aston Martin DB9 Volante – Fanaticar Magazin

Dazu passend gibt es per Knopfdruck die Extrahärte auf das Fahrwerk, um sich den engsten Windungen zu stellen. Mit angeschalteter Elektronik kommt aber schnell Gemecker auf. Dem lässt sich zum Glück entgegenwirken. Der Track Modus lässt dem DB9 deutlich mehr Leine und sollte den Ansprüchen sportlich ambitionierter Aston Fahrer vollkommen genügen.

Für die exzessive Entfaltung des Zwölfzylinders auf der Hinterachse lässt sich das DSC komplett ausschalten. Dann ist aber eine geübte Hand gefragt. Zwar ist das Fahrwerk recht harmonisch bis leicht untersteuernd ausgelegt, aber ein kleiner Druck zu viel auf dem Gaspedal und das Heck meldet sich eindrucksvoll zu Wort. Der Grad zwischen elegantem Power Slide und rasantem Überholmanöver des Hecks ist dabei sehr schmal ausgelegt. Ein gewisser Thrill spielt hier mit.

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Aston Martin DB9 Volante – Fanaticar Magazin

Doch er kann auch anders. Und das macht ihn erst richtig interessant. Kaum ein anderer Zwölfzylinder beherrscht es, so perfekt zwei verschiedene Charaktere zum Ausdruck zu bringen. Zum einen der reinrassige Sportler, der das Herz zum Frohlocken bringt; zum anderen der entspannte Stadtcruiser, der so seidenruhig vor sich her summt, dass man schon fast den Eindruck hat, der Motor würde gerade eine Betriebspause machen. Wir halten fest: ‚Sport-Modus‘ für das Kind in uns, ‚Normal‘ für die Ladies auf dem Beifahrersitz. Das Besondere an einem Aston ist die Zeitlosigkeit.

Ein schönes Auto kreieren kann man immer wieder mal, aber eine Skulptur für die Ewigkeit zu zeichnen, gelingt nur den wenigsten Designern. Und auch am DB9 wird das wieder zelebriert. Der Aston Martin ist bildschön, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Maskulin und doch zurückhaltend. Kein Wunder, dass dieses Auto wie kein anderes mit dem Überagenten James Bond in Verbindung gebracht wird. Es ist eben der Inbegriff des perfekten Gentleman.

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Aston Martin DB9 Volante Interieur – Fanaticar Magazin

Auch der Innenraum ist ein wahres Schmeichel-Festival der Sinne. Er schmeichelt dem Sehsinn, weil hier mit soviel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Ganze Kuhherden mussten für diesen Innenraum wohl ihr Leben lassen. Selbst die Trittleisten wurden zum Teil beledert. Dafür verantwortlich ist die exklusive Marke “Bride of Weir”. Auch interessant: Geschwindigkeits- und Drehzahltacho laufen nicht parallel zueinander, sondern entgegengesetzt. Unschön: Das Display in der Mittelkonsole bietet nicht genug Kontrast, um beim strahlenden Sonnenschein vernünftig abgelesen zu werden.

Er schmeichelt dem Tastsinn, denn hier fasst sich alles fantastisch an. Gut, über die unschönen Lüftungsdüsen aus Kunststoff sehen wir mal hinweg, aber Knöpfe aus Echtglas sind der Knaller. Besonderes Gimmick: Der versteckte Lamy Kugelschreiber. Er schmeichelt dem Gehörsinn. Man kann sich nicht entscheiden: Sport Taste drücken, V12-Brabbeln hören oder Lautstärkeregler hochfahren und die mehr als grandiose Beschallung der Bang & Olofsen Anlage über sich ergehen lassen. Die leistet nämlich 1.000 Watt und bietet einen Sound, der einen einfach nur noch wild in die Luft schnalzen lässt. Ob offen oder geschlossen, diese Symphonie für die Ohren ist auf einem ganz anderen Akustik-Level. In dieser Liga spielt meiner persönlichen Meinung nach nur noch Rolls-Royce mit. Alle anderen dürfen sich hinten anstellen.

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Aston Martin DB9 Volante – Fanaticar Magazin

Bei Fahrzeugen wie dem DB9 Volante ist die Wahl der Foto Location eigentlich ziemlich easy. Im Grunde genommen könnte man den Briten auch mitten in die Herbertstraße stellen, zwei freiberufliche Mädels samt goldbepackten Cheffe draufpacken und die Umgebung noch mit ein paar gelben Mülltonnen garnieren. Der Aston würde immer noch Contenance bewahren und dabei verflucht gut ausschauen. Das ist das schöne an dieser Marke – sie ist frei von jeglichen Klischees.

Oder um mal meine Nachbarin zu zitieren: “Selbst unter Einsatz zweier IQ befreiter Insassen, das Radio mit niveauloser Musik bis zum Anschlag aufgedreht und den sinnlosen Gasstößen inmitten stinkender Kuhdörfer, wird man von den Bewohnern immer noch nett begrüßt – mit diesem Auto wird alles verziehen!”

Welche Eindrücke und Impressionen der Aston Martin DB9 Volante im norddeutschen Raum vermittelt hat, erfahrt Ihr im zweiten Teil.

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman picturesSpezifikationen-db91 in Fahrbericht 2013 Aston Martin DB9 Volante - Stil kann man doch kaufen!