Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin„Kennst Du den Golf R?“, fragt mich Andy Wallace vor dem Werksgelände von Bugatti in Molsheim im Elsass. „Klar kenn ich den“, antworte ich, „hatte ihn eben erst als Testwagen.“ „Na dann,“ schmunzelte der englische Rennfahrer, der 1988 auf einem Jaguar XJR-9 die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat, „nehme die Leistung mal 4 und schon bist Du bei den 1.200 PS unseres Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse.“ Andy Wallace ist für knapp zwei Stunden Fahrvergnügen mit dem im Moment teuersten und schnellsten Supersportwagen mein offizieller Begleiter. Schließlich kostet dieses Auto schlappe 1,69 Millionen Euro. Netto, wohlgemerkt.
Wir stehen vor einem in Jaune Soufré Gelb und Olive Noir lackierten Prachtstück aus der Manufaktur von Bugatti. Andy erklärt mir, dass sämtliche Materialien des Veyron nur vom allerbesten sind. Titan, Aluminium, Magnesium, Carbon. Klar, die gesamte Außenhülle ist aus dem Stoff, aus dem die leichten Träume sind. Gewicht spielt auch in dieser einmalig abgehobenen Leistungsklasse eine Rolle.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Knapp 2 Tonnen wiegt der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse. Kein Fliegengewicht unter den Supersportlern, aber der mit der genialsten Downforce. Platt auf den Boden gedrückt, geduckt kauernd und jede Bodenwelle auf den elsässischen Nebenstraßen mitten durch die Weinberge perfekt schluckend, als ob sie gar nicht vorhanden wäre.

Hineingeschlüpft in das Cockpit mit keinesfalls kuscheligen, dafür umso mehr Halt gebenden Sportsitzen, muss erst einmal der Schlüssel in das entsprechende Loch geführt werden. Gestartet wird nach dem Einschalten der Zündung mit dem Knopf auf der mit feinsten Leder bezogenen Mittelkonsole. Millisekunden später röchelt das gewaltige 16 Zylinder á einen halben Liter große Triebwerk hinter den Insassen los.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Den Schaltknauf nach rechts rücken und schon ist man im D-Modus des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes. Wer nun denkt, dass allein der leichte Druck auf das Gaspedal einen Raketenstart provoziert, hat sich getäuscht. Der Bugatti Veyron benimmt sich zahm und gesittet, lässt gemähliches Cruisen zu und ordnet sich den Gegebenheiten des täglichen Verkehrswahnsinns einfach unter.

Draußen aus Molsheim auf einer übersichtlichen Landstraße, fordert mich Andy auf, über die Schaltpaddels am Lenkrad den zweiten Gang einzulegen. Die Straße ist frei, gut einen Kilometer lang geradeaus, als der Bugatti katapultartig nach vorne stürmt. Vielleicht eineinhalb Wimpernschläge später überschreiten wir die 200-km/h-Grenze und genauso schnell, wie uns der Veyron beschleunigt hat, entschleunigt er auch wieder.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Unter den 20 bzw. 21 Zoll großen Felgen sind entsprechend große Keramikbremsen montiert, die den geschlossen bis zu 410 km/h schnellen Bugatti in Rekordzeit zum Stand bringen. Diese nahezu unvorstellbare Geschwindigkeit wird durch eine perfekte Aerodynamik und die bereits erwähnte Downforce ermöglicht. Hinten sorgen ein Heckspoiler für Abtrieb, ein doppelter Diffusor, in der Formel 1 mittlerweile nicht mehr regelkonform, weil zu wirksam sowie die gesamte Karosse für sensationelle Werte.

Rollt man mit dem Veyron regelkonform über Landstraßen, ist das Motorengeräusch präsent, aber nicht aufdringlich. Die herrlichsten Töne entlockt man dem 8-Liter-Block mit Gaswegnahme. Einem heiseren Blues-Sänger gleich, quittiert die Maschine das unterfordern und motiviert gleichzeitig zu weiteren Beschleunigungs- und wiederum Entschleunigungsorgien, allein um diesen einmaligen Singsang des leistungsstärksten Sportwagentriebwerks zu genießen.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Für den Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse wurde jedes Einzelteil speziell entwickelt. Faktisch fanden keinerlei Serienprodukte aus dem großen Volkswagen Konzern den Weg nach Molsheim. Auch wenn sich dies möglicherweise aus dem verbauten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ablesen ließe. Allerdings muss das DSG des Bugatti 1.500 Nm vertragen, was beispielsweise ein DSG aus einem Golf pulverisieren würde.

„Auch wenn manches, wie die Lüftungsgitter an den hinteren Kotflügeln aussehen, wie bei anderen Fahrzeugen, sind die des Bugatti aus Titan gefertigt“, erklärt Andy. Das gilt im Übrigen auch für die fast ein wenig nach Plastik aussehenden Umrandungen der wenigen Schalter im Cockpit. Dazu erzählte eine witzige Begegnung mit einem Interessenten, der nach der Probefahrt vom Bugatti tief beeindruckt war, aber die vermeintlichen Plastikteile monierte. Allerdings konnte ihn Andy davon überzeugen, dass diese ebenfalls aus purem Titan sind.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Leider ging die Ausfahrt in den elsässischen Weinbergen viel zu schnell zu Ende. Schließlich ist der Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse absolut langstreckentauglich und wir hätten ja auch mal einen kurzen Abstecher an die Coté d’Azur machen können. Aber wie hat Top Gear noch vor kurzem getitelt? „The last drive“, lautete die Überschrift über einen Fahrbericht mit dem Bugatti. Ich durfte dies toppen. Mit einem „Very last drive“, den ich jede Sekunde ausgekostet haben. (ds)
Technische Daten: Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse

Motor: 16-Zylinder-Benziner W16
Getriebe: 7-Gang-DSG (Doppelkupplungsgetriebe)
Hubraum: 7.993 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min: 882 kW (1.200 PS)/6.400
Max. Drehmoment: 1.500 Nm bei 3.000 – 5.000 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe: 4.462/1.998/1.190 in mm
Radstand: 2.710 in mm
Leergewicht: 1.990 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2.240 kg
Kofferrauminhalt: 100 l
Bereifung: 265-680 ZR 500A vorne, 365-710 ZR 540A hinten
Felgen: 10 x 20? vorne, 14 x 21? hinten Leichtmetall
Beschleunigung: 2,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 410 km/h
Tankinhalt: 100 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr: 23,1 l auf 100 km
Preis: 1,69 Mio. Euro exkl. MwSt.Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse - Fanaticar Magazin

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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