Kia Soul EV - Fanaticar MagazinDer Kia Soul wird gemocht oder nicht. Seine kastige Form polarisiert und begeistert Nordamerikaner und Japaner. Die oftmals biederen Deutschen sind dagegen eher vom Kia Venga angetan, der auf der gleichen Plattform für weniger Geld mehr Platz bietet und eher den konformen Geschmack vieler Menschen trifft. Das mag sich vielleicht mit dem nagelneuen Kia Soul EV ändern, einem rein batteriebetriebenen Elektrofahrzeug, das mit einer Reichweite von über 200 km protzt. Und dabei mit einem Preis von 30.790 Euro im Vergleich mit anderen Anbietern recht günstig wirkt.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Form und Funktion

Die Grundform des Kia Soul ist auch in der zweiten Generation beibehalten worden. Der Soul war 2008 das erste Serienmodell von Kias Chefdesigner Peter Schreyer, der vorher im Volkswagen Konzern für manch interessantes Fahrzeug verantwortlich zeichnete. Das würfelförmige Design des Soul ist witzig und gleichzeitig praktisch. Mal schnell die Heckklappe geöffnet und ruckzuck sind auch größere Teile verstaut. Die Batterie ist platzsparend im Unterboden verstaut, sodass immerhin ein Gepäckraum von 281 l übrig bleibt. Soll die neue Waschmaschine beim Elektromarkt abgeholt werden, wird durch das Umklappen der Sitze das Ladevolumen bis Fensterunterkante auf 891 l erweitert.

Ebenso problemlos funktioniert der Ein- und Ausstieg. Die höhere Sitzposition sorgt ebenso für eine gute Rundumsicht, wie auch die geraden Fensterflächen. Einzig die Aussicht nach schräg hinten wird durch die reichlich fette C-Säule ein wenig beeinträchtigt. Die Passagiere im Fond müssen sich im Soul EV im Vergleich zum konventionell angetriebenen Pendant zwar mit 8 cm weniger Beinfreiheit begnügen, jedoch mildern die veränderten Sitzpolster diese kaum merkbare Einschränkung.

Auch Kia verwendet im Innenraum, ähnlich wie BMW im i3 und i8, Kunststoffe, die nicht auf Erdöl, sondern auf Biomasse basieren, die durch Fotosynthese entstehen. Allerdings werden nur etwa 10 Prozent des Interieurs, wie Tür- und Säulenverkleidungen, Sitzbezüge und Bodenbeläge aus diesen umweltfreundlichen Materialien gefertigt.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Fahrverhalten

Unsere ersten Testfahrten absolvierten wir Ende September im Norden von München. Die passende Umgebung für ein rein batteriebetriebenes Fahrzeug. Will Kia doch vor allem die Pendler in Ballungsgebieten ansprechen, die die rein theoretische Reichweite von 212 km mit einer Fahrt nicht einmal ansatzweise erreichen.

Ein 3,5 großes Display mit organischen Leuchtdioden (OLED) informiert den Fahrzeuglenker über die wesentlichen Betriebszustände seines Kia Soul EV. Bei besonders effizienter Fahrweise ergrünt ein stilisierter Baum bis hin zu voller Blüte.

Obwohl wir uns bei unserer Ausfahrt keine Mühe gegeben haben, besonders sparsam zu fahren, erreichten wir das vollkommene Ergrünen sämtlicher Blätter. Das Ergebnis war ein Stromverbrauch von 16 kWh auf 100 km, der 1,3 kWh höher lag, als von Kia angegeben. Das unser Baum in den Himmel wuchs, lag wohl an den moderaten Temperaturen, die den Betrieb der Klimaautomatik nicht notwendig machte.

Das Fahrwerk des Kia Soul EV ist auf Komfort angelegt. Das entspricht voll und ganz dem Charakter dieses Elektroautomobils. Die wesentlichen Einsatzgebiete sind im Regelfall urbane und suburbane Gebiete, in denen die Chancen sportlich durch die Gegend zu düsen eingeschränkt sind. Da in unseren Breiten noch wenig E-Fahrzeuge durch die Gegend summen, hat sich Kia für den Soul ein interessantes Gimmick einfallen lassen. Setzt sich der Soul in Bewegung oder wird er rückwärts gefahren, ertönt ein künstliches Motorengeräusch, das Fußgänger aufmerksam machen soll. Ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h schaltet sich dieses Signal ab.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Wie alle batteriebetriebenen Automobile ist auch der Kia Soul EV ein flotter Ampelstarter. Nach oben hin wird der Vortrieb allerdings bei 145 km/h gestoppt. Schließlich soll eine möglichst große Reichweite erzielt werden. Die von Kia angegebenen 212 km dürfen aber ruhig angezweifelt werden. Sollten es aber tatsächlich 160 bis 180 km sein, ist beispielsweise eine Fahrt von München nach Salzburg oder auch nach Nürnberg durchaus machbar.

Ist die Batterie einmal leergesaugt, muss man an einer Haushaltssteckdose 10 – 14 Stunden Geduld aufbringen, bis der volle Ladezustand erreicht ist. Deutlich schneller, in etwa 4 -5 Stunden funktioniert eine Wiederbeladung mit dem serienmäßigen 6,6-kWh-Wechselstromkabel und einem entsprechend leistungsfähigen 230-V-Anschluss. An 50-kW-Schnellladestationen mit 400 Volt Gleichstrom wird innerhalb von 33 Minuten 80 Prozent der Batterie geladen. An den in Deutschland raren 100-kW-Stationen funktioniert das in nur 25 Minuten. Ausprobieren kann man dies beispielsweise an der Kia-Zentrale in Frankfurt.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Ausstattung

„Fully loaded“ würde man den Kia Soul EV in den USA bezeichnen. Einzig das Komfort-Paket für 990 Euro, das Sitzbezüge in Teilleder, Sitzventilation vorne, Sitzheizung hinten für die äußeren Sitze, Parksensoren vorne und hinten, zwei 12-Volt-Steckdosen in der Zentralkonsole und eine weitere im Gepäckraum sowie die Ambientebeleuchtung in den vorderen Türen beinhaltet, ist noch zu ordern.

Im Kia Soul EV ist serienmäßig unter anderem die Infotainment-Einheit mit einem 8 Zoll großen berührungssensitiven Bildschirm verbaut, dessen Kartennavigation Informationen über Ladestationen sowie die mögliche Restreichweite beinhaltet. Eine Besonderheit bietet die Zweizonen-Klimaautomatik, die auch ausschließlich für die Fahrerseite einstellbar ist. Das verbraucht weniger Energie und erhöht dadurch die mögliche Reichweite.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Fazit

Möglicherweise steigt die Popularität des Kia Soul durch die Variante als rein elektrisches Fahrzeug. Alles zusammenaddiert, ist der Soul EV nur rund 5.000 Euro teurer, als sein 136 PS starker, konventionell mit Benzin betriebener Bruder. Damit ist der Kia Soul EV im noch überschaubaren Mitbewerberumfeld ein ernst zunehmendes und absolut attraktives Angebot. Möglicherweise auch ein weiterer Mosaikstein für die in kleinen Schritten wachsende Elektromobilität in Deutschland. (ds)

Technische Daten: Kia Soul EV

Motor: E-Motor Wechselstrom
Getriebe: Stufenlose Automatik
Batterieleistung: 360 V/75 Ah
Leistungsabgabe: 90 kW
Leistung in kW/PS bei xy U/min: 81,4 kW (110 PS)/2.730 – 8.000
Max. Drehmoment: 285 Nm von 0 – 2.730 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe: 4.140/1.800/1.593 in mm
Radstand: 2.570 in mm
Leergewicht: 1.565 kg
Zul. Gesamtgewicht: 1.960 kg
Kofferrauminhalt: 281 – 891 l
Bereifung: 205/60 R 16
Felgen: 6,5 x 16? Leichtmetall
Beschleunigung: 11,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Max. Reichweite: 212 km
Stromverbrauch gewichtet, kombiniert: 14,7 kWH auf 100 km
Preis: 30.790 Euro inkl. MwSt.Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin Kia Soul EV - Fanaticar Magazin

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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