2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinMercedes baut eine schnittige viertürige Limousine und nennt sie Coupé. Mercedes macht daraus einen schicken Kombi und nennt ihn Shooting Brake. Was also hält die Jungs aus Stuttgart davon ab, eine 4 cm höhere A-Klasse als SUV zu betiteln? Richtig! Nix! Dennoch hat der neue GLA durchaus eine Daseinsberechtigung, denn wer sich einmal auf den Straßen Russlands, Chinas oder aber auch in den Großstädten der USA fortbewegt hat, der weiß ein Plus an Höhe zu schätzen. Die Premiumhersteller haben mit dem SUV-Boom erkannt: Bodenfreiheit ist das neue Luxusgut.

Es ist erstaunlich, was Mercedes-Benz aus der biederen ersten Generation der A-Klasse gemacht hat. Vergessen sind die Tage des eher unschönen Vorgängers mit dem Sandwichboden. Die neue A-Klasse ist modern, stylish und dynamisch geraten. Darüber hinaus ist die Plattform, auf der sie gebaut wird, überaus flexibel und erlaubt verschiedenste Baureihen. Und so gesellt sich nach dem Limousinen- (sorry, Coupé-)Ableger CLA nun auch eine SUV-Variante dazu: der GLA.

2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinDabei hat sich der GLA nicht komplett von der regulären A-Klasse entfernt. Die neue Bodenfreiheit wird geschickt kaschiert durch den Einsatz von neuen Seitenschwellern und einer Dachreling. Die Rücklichter sind etwas in die Breite gezogen worden. Ansonsten bleibt alles beim alten. Die AMG-Variante ist relativ leicht durch verschiedene exklusive Elemente wie dem AMG-Twin-Blade-Kühler mit AMG-Schriftzug seitlich zwischen den Lamellen des Kühlergrills, dem AMG-Frontspoiler und dem Diffusor zwischen der AMG-Sport-Abgasanlage. In den Radhäusern verrichten serienmäßig 19-Zoll-Leichtmetallfelgen ihren Job. Optional können aber auch 20-Zoll-AMG-Leichtmetallräder im 10-Speichen-Design geordert werden.

Der Innenraum wirkt weiterhin aufgeräumt und überzeugt mit einer standesgemäß ordentlichen Haptik. Die Sitze sind komfortabel und bieten einen guten Seitenhalt. Einziger störender Faktor, wie auch schon bei den anderen Modellen, ist wie immer das frei schwebende Navigationsdisplay, welches nach wie vor den Eindruck vermittelt, als wäre es nachträglich eingebaut worden und dementsprechend Unruhe in das sonst so stimmige Design reinbringt. Nicht ganz so überzeugen konnte die Anlage, die zwar eine klare Akustik hervorbringt, allerdings bei basslastigen Titeln deutlich das Nachsehen hat.2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinZum Marktstart stehen vier Motorvarianten vom 136-PS-Diesel bis zum 211 PS starken Benziner zur Verfügung. Aber unser Augenmerk galt von Anfang an dem Topmodell mit den drei Lettern AMG auf dem Heckdeckel. Unter der Haube: ein Zweiliter-Vierzylinder, der dank Turboaufladung bis zu 360 PS/265 kW auf die Straße bringt und somit der stärkste Serienvierzylinder ist, den es derzeit in Serie zu erwerben gibt.

Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in nur 4,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei Tempo 250 km/h elektronisch eingebremst. Dank des serienmäßigen Allradsystems 4matic hat der GLA 45 AMG auch keinerlei Probleme mit dem maximalen Drehmoment von 450 Nm. Der Durchschnittsverbrauch wird dabei mit 7,5 Liter angegeben, in der Realität sind es dann um die 9 bis 11 Liter, was immer noch mehr als respektabel für ein Auto dieser Kategorie ist. Der Motor wird natürlich standesgemäß in Affalterbach handgefertigt, in diesem Fall danken wir Jerome für dieses tolle Erlebnis.2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinSchon vor einigen Monaten durfte ich den A 45 AMG über den Biester Berg scheuchen – kann der GLA fahrdynamisch da überhaupt mithalten? In den engen Gassen von Granada in Spanien werde ich als erstes mit der Wendigkeit des GLA konfrontiert. Dabei fiel die schlechte Übersicht nach vorne auf, auch der B-Säule hätte eine etwas schlankere Gestaltung zugunsten der Übersicht gut getan. Aber wie bei so vielen Autos ist das eine reine Gewöhnungssache. ?

Es geht auf und ab, der Motor wird nicht geschont. Das Panoramadach ist geöffnet, und ich werde von einem herrlichen Turbopfeifen begrüßt. Sehr schade, dass Mercedes dieses Geräusch weitestgehend versucht hat zu eliminieren, es passt zu der Charakteristik des AMG. So bekommt man dieses herrliche Pfeifen nur unter Volllast zu hören. Dennoch haben die Sound-Ingenieure des GLA 45 AMG ordentliche Arbeit geleistet – was da hinten aus den zwei eckigen, in den Stoßfänger integrierten Endrohre-Blenden rausgeschossen wird, ist ein echter Genuss: Brabbeln, Spratzeln, Rotzen und Ballern, ist der Sportmodus erst einmal aktiviert, gibt’s ordentlich was auf die Ohren. Wie schon beim A 45 AMG stehen drei Modi für das ESP zur Verfügung. „ESP on“ steht bei dynamischer Fahrweise nur bedingt für Fahrspaß, ist aber gut programmiert und sorgt für sanfte Regelungen.2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinInteressant wird es erst im „SPORT Handling Mode“. Hier reagiert der GLA 45 AMG deutlich entspannter auf Lastwechselreaktionen. Lenkbewegungen werden sehr präzise umgesetzt, sogar leichte Power-Slides waren in diesem Modus möglich. Dabei ist der GLA 45 AMG sehr verliebt in die dank des Allradantriebs 4matic und des Kurvendynamik-Assistenten großzügig gefächerte Ideallinie. Wer sie einhält, bekommt ein herrlich neutral abgestimmtes Fahrzeug präsentiert. Bewegt man sich außerhalb dieses Bereiches, melden sich prompt die Vorderreifen untersteuernd zu Wort. Das ESP lässt sich auch komplett abschalten, jedoch hatte ich zu keiner Zeit das Bedürfnis, diese Option zu nutzen, da der ESP-Sport-Modus erstaunlich viel Platz für den persönlichen Spieltrieb ließ.

Dabei leistet das AMG Speedshift 7-Gang-Sportgetriebe ganze Arbeit. Das Doppelkupplungsgetriebe ist im Großen und Ganzen gut abgestimmt, allerdings hätte mich eine etwas längere Abstimmung in den Gängen 2 und 3 in den kurvigen Gefilden von Andalusien gefreut. Drei Modi stehen zur Verfügung. Im Alltag fährt man mit dem Modus „C“ (Controlled Efficiency) sehr gut. Hier stehen alle Zeichen auf Effizienz, unter anderem sorgt ein Start-Stopp-System für weniger Verbrauch. „S“ steht für Sport und ermöglicht Zeitschalten, die auf dem Niveau des Supersportwagens SLS AMG GT liegen. Das Ansprechverhalten des Motors ist deutlich giftiger, die Drehzahlen gehen deutlich höher.2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinDer GLA 45 AMG merkt, ob gerade eine Kurvenfahrt unternommen wird, und schaltet erst wieder, wenn er auf der Geraden ist, um unangenehme Lastwechselreaktionen zu vermeiden. Im manuellen Modus „M“ kann jeder Gang bis in den Begrenzer ausgefahren werden, der Fahrer hat die volle Kontrolle über den kleinen Flitzer. Etwas ärgerlich: Das sogenannte „Kurzzeit M Programm“ ist nicht im C-Modus verfügbar. Sehr zu empfehlen ist das reguläre AMG-Sportfahrwerk, welches eine gute Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit bietet. Wer es doch lieber härter mag, ordert das optionale AMG-Performance-Fahrwerk.

Stichwort SUV: Ist der GLA denn überhaupt fähig, sich außerhalb des befestigten Asphalts fortzubewegen, oder ist er ein Blender? Die Antwort erfuhr ich im wahrsten Sinn des Wortes nicht beim extra für den GLA abgesteckten Offroad-Parcours, der uns zur Verfügung gestellt wurde, sondern beim Shooting. Risikofreudig wie ich nun mal bin, fand ich eine Stelle an einem Fluss, die gerade zu prädestiniert für den GLA schien. Dazu musste ich aber erst einmal einige kleine Hindernisse überwinden, bis ich endlich angekommen bin. Wohl darauf bedacht, dass die AMG-Variante nicht mit so viel Bodenfreiheit gesegnet ist wie die Standardvariante, kämpfte ich mich bis zu meinem Ziel vor. Und dann passierte es: Regen! Hagel! Sturm!2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinDas Shooting fiel quasi ins Wasser, der Fluss neben mir plätscherte nicht mehr, er war wie von Sinnen. Obgleich ich mein Gefährt schon am Abschleppseil einer G-Klasse habe herausfahren sehen, versuchte ich den GLA aus eigener Kraft aus dem Flussbett zu bekommen. Der erste Versuch scheiterte kläglich, da die Elektronik aufgrund der nassen Steine und des losen Gerölls darunter gnadenlos herunterregelte. Erst durch das teilweise Deaktivieren fing das 4matic-System spürbar an, sich nach oben zu wühlen.

Ich konnte es nicht fassen, aber der GLA hatte es dank des intelligenten Allradsystems wirklich geschafft, sich einen Weg heraus zu bahnen. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich schon andere „SUV’s“ am Start hatte, die schon bei kleineren Herausforderungen gnadenlos die Segel gestrichen haben. Schlussendlich bleibt zu sagen: Der GLA ist durchaus in der Lage, sich auf softem Gelände gefahrlos fortzubewegen. Ein Geländewagen wird er dadurch aber nicht, mal abgesehen davon, dass wohl höchstens 0,1 Prozent der Käufer auf dieselbe schwachsinnige Idee kommen würden wie ich und den GLA eher auf urbanem Terrain bewegen werden.2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG - Fanaticar MagazinDie Hersteller haben gelernt. Mit der A-Klasse möchte man zwar bevorzugt junge Käufer für sich gewinnen, aber was sie gerne für sich behalten ist, dass die neueste Generation der kompakten SUV geradezu prädestiniert für die Golden Agers unter uns ist. Die Einstiegs-Position ist nämlich deutlich bequemer, und viele Rentner haben noch keinen Bock, sich mit Fahrzeugen wie dem Golf Plus (neuerdings Sportsvan) zu beschäftigen. Sowohl vor als auch nach dem kleinen Trip mit dem GLA wurde ich von einigen Freunden diesbezüglich ausgefragt, der Bedarf ist also da – sowohl für Jung als auch Alt.

Fazit: Lohnt sich der GLA? Und wie! Ich persönlich halte ihn von allen bis dato angebotenen Varianten der A-Klasse für die vernünftigste Lösung. Der Einstieg ist komfortabel, die Übersicht ist mit Ausnahme der breiten B-Säule recht kommod geraten und dank der Bodenfreiheit überwindet der GLA auch den schlechtesten Asphalt ohne großartige Mühen. Die von uns getestete AMG-Variante überzeugte durch und durch, einzig der deftige Preis wird die Top-Variante hierzulande zu einem Exoten verkommen lassen. Aber wer kann, der sollte sich diesen Spaß nicht entgehen lassen.

Leistungsdaten 2014 Mercedes-Benz GLA 45 AMG 

Motor

R4 / Turbo

Hubraum

1.991 ccm

Leistung in kw / PS

265 kW/ 360 PS

0 auf 100 km/h

4,8 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h (elektronisch abgeriegelt)

maximales Drehmoment

450 Nm

Gewicht

1.558 kg

Antriebsart

Allrad (4matic)

Kraftübertragung

AMG SPEEDSHIFT MCT 7-Gang Sportgetriebe

Länge / Breite / Höhe

4.445 mm / 1.804 mm / 1.479 mm

Kofferraumvolumen

421 l

Durchschnittsverbrauch (NEFZ)

7,5 l / 100 km

Tankinhalt

56 l

Co2 Emissionen

175g/km (Euro 6)

Preis

ab 49.980,00 inkl. MwSt.

mehr Infos

http://www.mercedes.de

Credits

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures

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