2014 McLaren 650s Spider - Fanaticar MagazinWir kennen uns bereits, haben schon wild miteinander geschmust. Damals hießt du noch MP4 12c Spider, und auch wenn ich schon viele Exemplare deiner Gattung erleben durfte, war es mit dir als wäre es das erste Mal. Langsam haben wir uns einander angenähert, Doktor Sommer von Bravo lässt grüßen. Erst liebkoste ich das Gaspedal sanft, dann wurde kräftig gefummelt und probiert und am Ende war es der pure Sex mit dir. 625 Pferde im Rücken und ein solch sexy Body, wer kann da schon widerstehen?

Nun, nach nur knapp drei Jahren und fast 3.600 verkauften Exemplaren, bekommst du ein neues Gesicht, und zwar nicht irgendeines, sondern das deines großen Bruders P1. Es steht dir ungemein gut! Damit ich den Leuten nicht irgendwann an die Gurgel gehen muss, weil sie zum dreitrillionsten Mal nach deinem Namen fragen, hat man diesen nun auf deine Haube gebrannt. Jetzt soll es einer wagen, dich noch immer zu verwechseln! Um dich mal beim vollen Namen zu nennen: McLaren 650s.

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Erst wollte McLaren die Reaktionen der Kunden testen, wie denn das neue Gesicht ankommt, und den 12c eventuell als kleinen Bruder behalten. Die Kunden waren aber dermaßen begeistert und orderten den Neuen wie verrückt, sodass das Fallbeil für den 12c recht schnell gefallen war. Rest in Peace, meine Süße!

Ach ja, hinterm Rücken hat sich ne Menge getan. Man hat ein wenig hier optimiert und da feingetunt und heraus kam ein Zuwachs von 25 PS, was dann logischerweise auch den Namen erklärt. Doch noch mehr rocken die satten 80 Nm mehr an Drehmoment, die du jetzt ungeniert auf die Hinterachse prügelst. Selten habe ich bei einem Hersteller eine solch konsequente und schnelle Umsetzung der Fehlerausmerzung erlebt wie bei McLaren. Wie hat der Oberguru Clarkson damals noch über die ersten Gehversuche des 12c geflucht.2014 McLaren 650s Spider - Fanaticar Magazin

Man nahm sich schnell den Kritiken an und heraus kam ein Auto, das den Vergleich mit den großen und alteingesessenen nicht zu scheuen braucht. Die Überheblichkeit und Arroganz, wie so manch ein südeuropäischer Hersteller mit dem Kunden umgeht, ist kein Stilmittel von Ron Dennis Baby. So gewinnt man Kunden, so hält man Kunden.

Zurück zum Rückenblues. Denn was da aus dem Heck kommt, ist wahrhaft sexy. Zwei meiner liebsten Sänger im Duett: V8 und Turbo. Der 3,8 Liter V8 liegt vor der Hinterachse und gibt den Takt an. Rau und mit ordentlich Lungenvolumen gesegnet, musiziert er vor sich hin. Und dann noch dieses herrliche Pfeifen und Zischen der beiden Turbolader. Zu guter Letzt brabbelt, rotzt und knallt der auf Kniehöhe positionierte Doppelauspuff die Abgase nach Leibeslust heraus. Lieber Dr. Sommer, würde ich Ihnen jetzt schreiben, was ich dabei empfinde, würde die nächste Bravo wohl auf dem Index landen.2014 McLaren 650s Spider - Fanaticar Magazin2014 McLaren 650s Spider - Fanaticar Magazin

Ach ja, wir beide fahren natürlich oben ohne. Der Spider ist das Volumenmodell von McLaren. Satte 80 % der Kunden greifen zur Klappdach-Variante. Logisch, schaut er geschlossen doch wie der exakte Zwillingsbruder des Coupés aus und wiegt gerade mal einen milden Furz (1.370 kg) mehr als die geschlossene Variante mit 1.330 kg. Zudem kann man den Motorsound auch bei geschlossenem Dach genießen, denn das Heckfenster lässt sich separat runterfahren. Bei Bedarf öffnet und schließt das Verdeck bei bis zu 30 km/h.

Lässt man dich mal kurz irgendwo stehen, bildet sich gleich eine Menschentraube um dich. Erste „Ohs“ und „Ahs“ folgen, wenn man zurückkommt und die Schmetterlingstüren öffnet. Ein Blick in den Innenraum … „Oh, ahhh!“ – „Wie schnell isser denn? 330 km/h! Wat kost er denn?“ Mit 255.000 ist man beim Spider dabei, mein kleines Schmuckstück liegt allerdings schon bei 315.000. „Das ist ja ein Haus!!!“ Tja, was soll man machen? Wer hat, der kann! „Aber der verbraucht doch bestimmt.“Mal abgesehen davon, dass es die anvisierte Käuferschicht wohl nicht hart treffen wird, wenn der Tank bei Vollgas mal in unter 200 km das Zeitliche segnet – bei normaler flotter Fahrt liegt der Verbrauch zwischen 11 und 13 Liter. „Neee!!!“ Doch!!! Last but not least: „Und wie isser so in der Beschleunigung?“ Zu dem Zeitpunkt sitze ich schon meist in dem vom Carbon-Monocoque umfassten Innenraum und antworte: „8,6 Sekunden“ … irritierte Blicke … „von 0 auf 200 km/h!!!“ Dieser Augenblick, bis dieser Wert realisiert wurde, reicht dann immer zum Verschwinden.

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Überhaupt erlebt man sehr viel Positives mit dem McLaren. Das muss dieses gewisse britische Etwas sein, das er ausstrahlt. Werde ich bei Marken wie Ferrari oder Lamborghini in Deutschland noch konsequent angepöbelt, passiert mir das bei Aston Martin oder McLaren nie. Strange Welt.

Es geht von Hamburg nach Frankfurt. Vollgas ist angesagt, und wenn der 650s Auslauf will, dann hat jeder Platz zu machen. Aus den Boxen der kräftigen Soundanlage wummert gerade der Frankfurter Prollrapper Kollegah: „Yeah, geh beiseite du Schlampe, es ist der Big Boss …!“ Harte Worte, aber so schnell, wie die linke Spur frei wird, fallen mir keine besseren Worte ein, um dieses Phänomen zu beschreiben. Es ist so, als ob sich alle Linksspurblocker auf einmal vor ihrem Alpha verneigen, alle vier Pneus zum Himmel gestreckt. Und geht dann mal der Sprit zu Neige, wird man vom Kassierer nur mit einem freundlichen „Guten Flug“ verabschiedet, was wohl nicht zuletzt den Schmetterlingstüren geschuldet ist.

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Zwischenstopp: Minden in Westfalen, meine alte Heimat. Hier treffen sich Wiehen- und Wesergebirge. Ein befreiender Augenblick, denn Niedersachsen und Hamburg sind nur leidlich dafür gemacht, den Freilauftrieb eines Sportwagens gerecht zu werden. Hier gibt es Kurven und Steigungen, hier kann das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe noch richtig arbeiten. Dabei glänzt der Britenbomber mit einer Lenkung, die so scharf anmutet wie ein Skalpell, und einer Balance, die wirklich top abgestimmt ist. Das Gaspedal reagiert sehr präzise auf jeden noch so kleinen Befehl und die Bremsen sorgen im richtigen Augenblick dafür, dass der Schädel kurz vorm Kontakt mit der Windschutzscheibe steht.

Ich kann es nicht oft genug erwähnen: Ein derart gut ausbalancierter Supersportler ist mir selten vor bzw. unter die Füße gekommen. Und wo wir schon beim Fummeln sind: Über die Mittelkonsole können verschiedene Programmierungen in Sachen Motorsteuerung und Fahrwerk vorgenommen werden. Von Normal über Sport bis Track hat der Fahrer dabei die Wahl. Das neu abstimmte ESP erlaubt deutlich mehr Freilauf bis hin zu schönen Power-Slides. Im Vorgänger störte mich eben diese noch zu sehr, weshalb ich mich schnell aller Sicherheitssysteme entledigte (komplizierte Tastenkombi, darüber könnte man fast noch einen eigenen Bericht schreiben). Die speziell angefertigten Semi-Slicks sorgen dabei für einen enormen Grip, der seinesgleichen sucht, bis die ersten Regentropfen fallen …

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Es sind immer diese Highlight-Momente, die einem schnell wieder bewusst machen, dass man mit einem ganz besonderen Auto unterwegs ist. Das Funkeln in den Augen der Kinder, wenn man vor der Eisdiele anhält, die gehässige Grimasse der Eisverkäuferin, wenn man sich gerade wie zu Kindertagen eine Kugel Stracciatella bestellt hat und dann meckert, dass die 80-Cent-Kugel früher mal 50 Pfennig gekostet hat (musste mal sein :-)), oder einfach nur die Nachbarn, die das Traumauto aus Spaß in Leasingraten umrechnen, um dann kurz darauf in Tränen auszubrechen. Die Faszination Auto, sie kommt immer und überall wieder zum Vorschein.

Der Trip von Minden nach Frankfurt stellte sich als sehr tricky heraus. Statt über Köln ging es über die Kassler Berge – klar, man möchte so ein Babe auch bei Vollgas mal richtig fliegen lassen. Doch Pustekuchen, was folgte war Regen. So richtig! Und Aquaplaning macht keinen Spaß, wenn man 650 Pferde auf der Hinterachse hat. Doch genau hier kommt die nächste Stärke des McLaren zum Vorschein: Er ist ein wirklich komfortabler Alltagsrenner, der auch mit extremen Widrigkeiten spielend zurechtkommt. Sogar Winterreifen sind für den 650s verfügbar.

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Eine Lanze brechen möchte ich aber an dieser Stelle für das Polizistenduo, das die drei netten Mädels im MINI aus Bückeburg aus dem Verkehr zog, weil sie unbedingt den Sound des McLaren wahrnehmen wollten. Bei so einem Auto ist es doch legitim, ein wenig näher aufzufahren, um diesen wahrscheinlich einzigartigen Augenblick verinnerlichen zu können. Also lasst das Fahrverbot mal bitte stecken, ich bekomme sonst noch ein schlechtes Gewissen. Und: Liebe Jungs, die ihr mich von allen Seiten gefilmt und fotografiert habt, schickt mir mal was zu 😉

Fazit: 1.241,5 km an purem Fahrspaß. Ein abschließender Durchschnittsverbrauch von 16,7 Liter und eine Menge an neuen Erfahrungen. Der neue McLaren 650s bewegt sich auf demselben souveränen Niveau wie schon der 12c. Er spielt problemlos in einer Liga mit Porsche Turbo S und Ferrari 458 italia und braucht sich sowohl in Sachen Dynamik als auch Fahrkomfort nicht zu verstecken. Der 650s ist eine echte Fahrmaschine, die sich zu Recht einen festen Stammplatz in der Oberliga erkämpft hat. Kritik? Ehrlich, das Einzige, was mich wirklich genervt hat, ist der viel zu kleine Tank. Und dann dieses sexy Heck … dieser Blick … dieser … Leute, ich mach dann mal Schluss für heute.


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Credits

 Text Mario-Roman Lambrecht
 Fotos marioroman pictures

Technische Daten McLaren 650s Spider

 Motor  V8 Bi-Turbo
Hubraum  3.700 ccm
 Leistung  650 PS bei 7.250 U/min
maximales Drehmoment  678 Nm bei 6.000 U/min
 Länge  4.512 mm
 Breite inkl. Spiegel  2.093
 Höhe  1.203
 Leergewicht (trocken)  1.370 kg
 Radstand  2.670 mm
 Antrieb  Hinterräder
 Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
 Reifen vorne  Pirelli P Zero Corsa 235 / 35 R19
 Reifen hinten  Pirelli P Zero Corsa 305 / 30 R20
 0 auf 100 km/h  3,0 Sekunden
 0 auf 200 km/h  8,6 Sekunden
 0 auf 300 km/h  26,5 Sekunden
 Höchstgeschwindigkeit  329 km/h
 Durchschnittsverbrauch  11,7 l/100 km
 Co2 Emissionen  275 g/km
 Preis  ab 255.000,00 Euro

Impressionen McLaren 650s Spider

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