Aesthetik in Bewegung ? Lichtdesign und Lichttechnologien bei AudiEs begann Mitte Februar in Ingolstadt. Tief drunten in den Katakomben eines Objekts mitten in den Produktionsstätten bei Audi. Ein echter Darkroom, 120 m lang und gute 30 m breit. Im dritten Tiefgeschoss eines elfstöckigen Gebäudes angesiedelt und die Wirkungsstätte der Entwickler, wenn es bei Audi ums Thema Licht geht. Der Workshop für Motorjournalisten, der das momentan vorhandene genauer erläutern und das künftig machbare aufzeigen sollte.

In dem mattschwarz lackierten Tunnel, dem größten befahrbaren Lichtkanal Europas, testet Audi Systeme wie adaptives Fernlicht und kamerabasierte Lichtassistenzsysteme. Unser Blick hinter die Kulissen war in die Segmente Ästhetik, Dynamik, Interaktion und Technologie eingeteilt.Aesthetik in Bewegung ? Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Bereits in einigen Baureihen optional erhältlich sind die sogenannte Matrix LED-Scheinwerfer, die mit den einzeln ansteuerbaren Leuchtdioden die Fahrbahn lückenlos ausleuchten, ohne dabei den Gegenverkehr zu blenden. Dazu mehr in Teil 2 unserer Licht-Geschichte über die Marke mit den vier Ringen.

Ein nächster Schritt wird die Matrix Laser-Technologie sein, bei der ein Laser das Licht erzeugt. Intensive Erfahrungen mit dem im Moment einzig verfügbaren Fahrzeug, dem Audi R8 LMX, wird der Teil 3 dieser Trilogie ums Licht beschreiben.Aesthetik in Bewegung ? Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Audi will die Matrix Laser-Technologie aber nicht nur für die Spitzensportler R8 und die LMP1-Boliden R18 e-tron einsetzen. Die Einsatzgebiete sind bei weitem vielseitiger. Als Beispiel sei eine Baustelle oder Engstelle genannt, die durch zwei Lichtstreifen von etwa 15 m Länge markiert wird, denen der Fahrer wie auf Schienen gelenkt, folgen kann.

Weit weg, so scheint es im Moment noch, ist der Einsatz von organischen Leuchtdioden (Organic Light Emitting Diodes, OLED). Dieses Licht kann fließend Funktionen darstellen, die anderen Verkehrsteilnehmern eindeutig die Absichten des Fahrers in diesem Fahrzeug mitteilt. Beispielsweise fließt das Licht bei einem Bremsvorgang, zusätzlich zum Bremslicht am Heck, zügig nach vorne.Aesthetik in Bewegung ?  Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Weitere Interaktionen können Hinterherfahrende mittels eines Laser-Schlusslichts, das bei Starkregen oder Nebel die Gestalt eines Warndreiecks annimmt, warnen und entsprechend auf Abstand halten. Ein weiterer Sicherheitsaspekt, so Audi, ist das bereits erhältliche dynamische Blinklicht. Neben der Eleganz des sich von innen nach außen bewegenden LED-Blinkers, sollen Verkehrsteilnehmer die Situation bis zu einer Sekunde früher erkennen.

Das Interieur ist eine weitere Spielwiese der Licht-Entwickler und -Designer von Audi. Beim Innenlicht-Design nehmen die Audi-Experten Anleihen aus der Architektur. In vielen Museen dient das Licht der Inszenierung von Objekten oder Räumen. Ein Bild, eine Plastik oder eine Vase wirkt je nach Beleuchtung und Ausleuchtung ganz unterschiedlich. So kann entweder die Fläche, der Umriss oder auch die Textur des Interieurs besonders hervorgehoben werden.Aesthetik in Bewegung ? Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Ist die Option „Ambientebeleuchtung“ im neuen Q7 der Top-Version an Bord können die Lichtfarben fast nach Belieben eingestellt werden. Sowohl hier als auch bei den so genannten „Marker Lights“, extrem schmale Lichtleitern, die den Konturen an der Instrumententafel, in den Türen und an der Mitteltunnelkonsole folgen, stehen je 32 Farben zur Wahl.

Diese Marker Lights arbeiten zudem mit dem Assistenzsystem „Ausstiegswarnung“ zusammen. Wenn entweder Fahrer oder Beifahrer eine Tür öffnen wollen, obwohl sich von hinten ein Fahrrad oder Fahrzeug nähert, flammt der Lichtleiter als Warnung auf dem Armaturenbrett in Signalrot auf und pulsiert in kurzen Intervallen.Aesthetik in Bewegung ? Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Last but not least, ist auch das Thermomanagement ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung von neuen LED-Scheinwerfern. Da die Abwärme gezielt zur Belüftung der Scheibe verwendet wird, LED aber nicht so heiß werden, wie Xenon- oder Halogenbirnen, werden kleine Lüfter eingesetzt, um die erwärmte Luft entsprechend zu leiten.

Für das exakte Verständnis der Strömungs-verhältnisse dient ein Simulationsprogramm, das ursprünglich aus der Motoren-entwicklung stammt. Es zeigt die Luftströme dreidimensional; der Ingenieur sieht sie mit einer 3D-Brille auf einem entsprechenden Monitor.Aesthetik in Bewegung ?  Lichtdesign und Lichttechnologien bei Audi

Als Schlusswort von Teil sei Cesar Muntada Roura, Leiter Lichtdesign bei Audi zitiert: „Meine Vision für das Jahr 2030 ist ein Licht, das in Bewegung ist und ständig mit dem Kunden interagiert – von dem Moment an, in dem er auf das Auto zugeht. Es wird hochpräzise und funktional sein, und die Scheinwerfer, die es erzeugen, werden filigran und ästhetisch zugleich wirken“. (ds)

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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