2014-seat-ibiza-cupra-35-back-820x416 in Fahrbericht Seat Ibiza Cupra: Genug AutoWieviel Auto braucht der Großstadtmensch, der nicht unbedingt ein Massenmodell fahren möchte und gerne mal schnell unterwegs ist? Diese Frage hat mich in den letzten Tagen intensiv beschäftigt. Vor allem, als der Seat Ibiza Cupra zu Testzwecken vor der Tür stand.

Auch ich bin ein Liebhaber von großen Blechmassen mit schnittigen Konturen a la BMW 6er, in denen man einfach souverän unterwegs und zu jedem Anlass passend gekleidet ist. Doch eine Stadt wie Hamburg bringt im Alltag neben aller Freude am fahrbaren Untersatz ein enges Problem mit: Den Platz.

Und damit ist nicht das Interior des Fahrzeuges gemeint, sondern die Freifläche zum Fahren, kurzen Parken und langen Abstellen des eigenen Gefährtes. Morgens auf dem Weg ins Büro: Stau. Ein paar Besorgungen bei den Hotspots der Stadt erledigen: Keine Parkplätze. Abends auf dem Weg nach Hause: Stockender Verkehr. Parkplatz suchende Autofahrer drehen abends in den zentralen, beliebten Stadtteilen zahlreiche Runden wie beim Dauer-WarmUp in Le Mans, um ein kleines Stückchen zum Abstellen zu ergattern.

In Ballungszentren wie Hamburg verändert sich nachweislich die automobile Mobilität. Die Absatzahlen von kleinen Fahrzeugen sind vernünftig, größere Modell werden von Privatpersonen als Neuwagen weniger nachgefragt als früher. Carsharing-Dienste wie Car2Go oder DriveNow boomen. Das Auto entwickelt sich in vielen Familien und jungen Lebensgemeinschaften zum reinen Nutzobjekt, Fahrspaß und Emotionen bleiben dort auf der Strecke.2014-seat-ibiza-cupra-28-front-820x383 in Fahrbericht Seat Ibiza Cupra: Genug Auto

Wir, aus der 1970er- und 1980er-Jahre-Generation oder älter, für uns war der Führerschein das Maß aller Dinge. Wer mit 18 Jahren keinen Lappen hatte, der war ganz einfach raus. Heutzutage verlagern sich bei der jüngeren Generation die Interessen. Es gibt wichtigeres, als unbedingt einen Führerschein zu erwerben und das Automobil als Statussymbol zu besitzen. Zum Beispiel die Welt mit Reisen zu entdecken – oder in die eigene Ausbildung zu investieren. Endet das Auto etwa irgendwann als schnöder Fortbewegungsgegenstand zum reinen Benutzen, so wie ein Smartphone, das wir zum telefonieren und surfen verwenden und dann in die Ecke legen?

Vielleicht gibt es Möglichkeiten, den Stadt-Nachwuchs mit Fahrzeugkonzepten zu begeistern, die den Platzansprüchen einer Großstadt genügen, die aber trotzdem Emotionen zum Thema Fortbewegung vermitteln. Und deswegen brachte mich der Seat Ibiza Cupra zum Nachdenken. Brauche ich eigentlich mehr Auto? Wie macht sich ein Kleinwagen mit 180 PS (132 KW) und sportlichem SetUp im Alltag und reicht der Fahrspaß für die erweiterten Bedürfnisse eines begeisterten Autofahrers aus?

Optisch setzt sich der Ibiza Cupra schon einmal von der Masse ab. Man muss kein Seat-Freund sein, um die bissige Optik zu liken. Die 17″ -Leichtmetallräder “Barcino” fallen ebenso wie Lufteinlässe und das verchromte, trapezförmige Endrohr schmeichelnd ins Auge. Das verspricht Fahrdynamik, die der Kleinwagen im Test auch halten kann.

Ein Sportfahrwerk direkt vom Hersteller legt den kleinen Spanier perfekt, für manchen Geschmack vielleicht etwas zu hart, auf die Straße. In Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) holt der zweistufig aufgeladene 1.4 TSI (Kompressor und Turbo) bei Bedarf ein Brett an Beschleunigung und Agilität raus. Die Lenkung ist dabei besonders positiv aufgefallen. Für Zwecke, die unterhalb von Fahrübungen auf dem Nürburgring liegen, arbeitet diese in jeder Situation direkt ansprechend und nahezu perfekt.2014-seat-ibiza-cupra-40-side-front-820x424 in Fahrbericht Seat Ibiza Cupra: Genug Auto

Was den Seat Ibiza Cupra aus meiner Sicht für einen Kleinwagen spannend macht: Du kannst im Stadtverkehr sparsam, entspannt und unauffällig dahin schleichen, das DSG verrichtet wie eine Bank seine Arbeit. Drückst Du das rechte Alupedal durch, entpuppt sich dieser Ibiza als Sportler und rennt – begleitet von einem tiefen Brummen – schlagartig los. So beschleunigt er auf Wunsch in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Auf der Autobahn sind sogar 228 km/h als Spitzengeschwindigkeit drin.

Getriebe, Lenkung, Bremsen und Reifen harmonieren miteinander. An den Fahrleistungen und der Umsetzung gibt es für diesen Preis (ab 23.760,- €) nichts zu meckern. Als Fahrer hat man jederzeit ein sicheres Gefühl, sobald die Kräfte sich entfalten. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kleinwagen ist der Ibiza Cupra mit diesem Paket fast ein kleiner Supersportwagen.

Sportsitze im Cupra-Design sorgen für den richtigen Halt und bieten einen Hauch von einzigartiger Exklusivität. Das Dreispeichenlederlenkrad und die Schaltwippen beleben den Fahrspaß. Sportliche Elemente wie Aluminium Pedale, dunkel getönte hintere Seitenscheiben und die getönte Heckscheibe geben dem Fahrer die Bestätigung, in einem Kraftpaket unterwegs zu sein. Das Navigations- und Entertainmentsystem mit Spracherkennung, der Bordcomputer, Bluetooth sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht sind zudem nützliche Helfer im Alltag.

Die Erfahrungen: Ich habe das Gefühl, in der Großstadt flinker und sympathischer als mit dem oben genannten 6er unterwegs zu sein. Schnelle Spurwechsel und das Nutzen von Lücken fallen mir leichter, als in einem Fahrzeug mit größeren Abmessungen. Schnell einen Parkplatz finden? Ich kann mich sogar halb schräg in kleine Parklücken stellen. Kurz anhalten in zweiter Reihe? Die sonst meist genervt schauenden Autofahrer gucken im Vorbeischleichen neugierig den Cupra an.2014-seat-ibiza-cupra-48-Wiederhergestellt-820x499 in Fahrbericht Seat Ibiza Cupra: Genug Auto

Die Antworten: Brauche ich eigentlich mehr Auto? Ehrlich? Nein. Wie macht sich ein Kleinwagen mit 180 PS und sportlichem SetUp im Alltag und reicht der Fahrspaß für die erweiterten Bedürfnisse eines begeisterten Autofahrers aus? Mir ist nichts Negatives am Seat Ibiza Cupra aufgefallen, was – Hand aufs Herz – reell betrachtet daran liegt, dass es das Topmodell Cupra ist. Ich habe weder Image, Größe oder Leistung noch etwas anderes vermisst.

Stadtfahrten waren entspannt und ich hatte auf dem engen Raum in Hamburg nicht diesen Platzdruck wie mit einem größeren Auto, was sogar eine Zeitersparnis bei der Parkplatzsuche und teilweise auch im fließenden Verkehr bedeutete. Die kurzen Landstraßen- und Autobahnstrecken entpuppten sich als ein reines Vergnügen. Der Wohlfühlfaktor, die Entfaltung der Kraft und die Fahreigenschaften überraschten durchweg positiv.

Kleinwagen mit schickem Design und einer pfiffigen Ausstattung gehört die Zukunft in unseren Großstädten. Genügend Power sollte im Paket enthalten sein, um alte und neue Autoliebhaber sowie ihr Haben-Will-Zentrum in Gehirn zu erreichen. Es muss ja nicht gleich ein Cupra sein. Ich persönlich – der aus den 1970ern kommt und aus tiefstem Herzen Autos mag, die rauchen, fauchen, qualmen und scheppern – kann die automobile Zukunft eh nicht ändern…

Text: Jan-Christopher Sierks
Fotos: marioroman pictures