2016 Cadillac CT6 | Fanaticar MagazinCadillac und Europa, das ist ein schweres Unterfangen. Denn wer sich mit der etablierten Konkurrenz wie BMW, Audi und Mercedes anlegen möchte, der muss schon einen handfesten Plan im Gepäck haben. Cadillac hat einen und dafür 12 Milliarden Dollar auf den Tisch geworfen. Bis zum Ende der Dekade sollen acht komplett neu entwickelte Modelle vorgestellt werden, der Cadillac CT6 bildet den Anfang.

Dass man die Amerikaner nicht unterschätzen sollte, haben die Europäer schon lange verstanden. Die brutalen Rundenzeiten von Cadillac CTS-V und ATS-V auf der Nordschleife waren die ersten Anzeichen, dass Cadillac sich vom chilligen Elvis-Mode mit Heckflosse verabschieden möchte. Mit dem CT6 möchte man die Konkurrenz vom Format E-Klasse, 5er und A6 angreifen aber bewegt sich mit einer Länge von 5,18 Metern und einem Radstand von 3,00 Metern eigentlich auf dem Level der Super-Sedans.

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2016 Cadillac CT6

Das macht sich besonders im Fond bemerkbar, wo man selbst als großgewachsener Mann noch ein Lagerfeuer entfachen könnte. Dazu kommt ein grandioses Entertainment-System, welches perfekt in die Rücksitze integriert wurde und über eine Fernbedienung in der Armlehne bedient wird.

Noch mehr technische Spielereien gibt es in der ersten Reihe zu bestaunen. Das 10,2 Zoll große Display wurde harmonisch ins Design eingefügt und wirkt nicht wie ein Fremdkörper, wie es derzeit bei der deutschen Konkurrenz zum Trend wird. Die Auflösung von 1280×720 ist ausreichend und angenehm fürs Auge. Bedient wird das Display direkt über den Touchscreen oder über ein Touchpad in der Mittelkonsole. Auch die Tachoelemente sind komplett digital und lassen sich auf drei Zonen individuell anpassen.

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Der Innenraum bewegt sich ohne Wenn und Aber auf Oberklasseniveau

Die Spracheingabe funktionierte in den ersten Tests tadellos. Selbst schnell gesprochene Sonderziele rund um Berlin wurden sofort beim ersten Mal erkannt. Nicht fehlen darf natürlich der interne 4G Wlan-Hotspot. Warum man dem Rear-Entertainment-System dann keine Internetfunktion verpasst hat, ist irgendwie unverständlich. Auch eine TV-Funktion fehlt. Wenn schon protzen, dann bitte richtig.

Ansonsten präsentiert sich der CT6, wie es sich für eine Premium-Limousine gehört. Feinste Materialien schmeicheln den Sinnen. Leder soweit das Auge reicht und eine Verarbeitung, die viele den Amerikanern wohl nie zugetraut hätten. Die extra auf den CT6 abgestimmte Bose Panaray High-End Anlage sorgt für mächtiges Ohrenschlackern.

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Besonders stolz ist man Cadillac auf die Rückspiegelkamera, die dank einer Linse im Heck eine barrierefreie Sicht nach hinten gewährt. Ein sehr cooles Gimmick, welches aber eine höhere Auflösung verdient hätte. In der Nacht fährt es sich besser mit dem regulären Spiegel, da gerade in der Stadt zu viele Reflektion den Blick nach hinten fast unbrauchbar machen.

Dafür empfängt einen der CT6 mit schnieke beleuchteten Türgriffen und überzeugt durch ein Night Vision System mit grandioser Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung. In unserem Fall erkannte das System glücklicherweise einen suizidgefährdeten Fahrradfahrer ohne Licht in dunkler Montur, lange bevor wir ihn visuell auf dem Schirm hatten.

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Unter der Haube der schönen Limousine sorgt ein komplett neu entwickelter Dreiliter-Sechszylinder mit Bi-Turbo Aufladung für mächtig Dampf auf den Pneus. 417 PS (307 kW) bringen ein sattes Drehmoment von maximal 555 Nm, was die 1,8 Tonnen schwere Limousine in gerade mal 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h schnellen lässt. Maximal sind 240 km/h drin. Der Motor spricht gut an, braucht aber beim Kickdown eine kurze Gedenksekunden, bevor er in Gang kommt. Danach gibt es kein Entrinnen mehr.

Den Grip handelt ein grandioses Allradsystem, für die Sortierung der Gänge zeichnet sich ein 8-Gang-Automatikgetriebe verantwortlich. Dazu kommt das souveräne Magnetic-Ride Fahrwerk, das erstaunlich gut auf die europäischen Begebenheiten abgestimmt und mit einer Hinterachslenkung ausgestattet ist. Dadurch entsteht bei niedrigen Geschwindigkeiten ein kleinerer Wendekreis und bei flotten Fahrten deutlich dynamischeres Kurvenverhalten.

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Die bequemen Ledersitze sind geradezu prädestiniert für Langestreckentrips

Im dreitägigem Test in Berlin schwankte der Verbrauch je nach Fahrweise zwischen 15 und 8 Litern. Im Alltag dürfte sich der Verbrauch bei 10 bis 11 Litern einpendeln. Start-Stopp-Funktion und Zylinderabschaltung tragen zum Spritsparen bei. Preislich beginnt der CT6 hierzulande in der Luxury-Variante bei 73.500 Euro. Die Platinum-Variante ist vollausgestattet und sorgt für ein Minus von 94.500 Euro auf dem Konto.

Fazit: Cadillac ist endlich in Europa angekommen. Mit dieser Verarbeitung und der gelungenen Abstimmung des Fahrwerks kann man sich auch hierzulande durchaus behaupten. Vorbei das Plastik und Schaukel-Image, auch die Amerikaner haben sich weiterentwickelt und greifen mit Vollgas an. Dabei ist der CT6 V noch gar nicht aufgestellt. Und wenn der CT6 tatsächlich nur ein Angriff auf die Premium-Business-Liga ist, sollten sich S-Klasse und Co. demnächst auf etwas gefasst machen.

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Credits

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures
Mehr Infos zur Marke Cadillac gibt es hier

Persönliche Meinung MRL

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Wird das nun was mit Cadillac in Europa? Wenn es nach mir ginge würde ich mich über mehr Mitbewerber auf dem europäischen Markt freuen, besonders, weil Cadillac eine Kultmarke ist, die ihren eigenen Weg geht, anstatt angestrengt der Konkurrenz hinterzurennen. Wenn es allerdings bei dem Sechszylinder als einzige Motorisierung bleibt, wird Cadillac es schwer haben, sich zu behaupten. Ein ordentlicher Sechszylinder-Diesel würde dem CT6 hierzulande gut tun.

Zur Not könnte man aber auch bei Opel auf den mehr als potenten Vierzylinder-Turbo-Diesel zurückgreifen. Warum sich Cadillac so vehement gegen Diesel-Modelle verwehrt, ist nicht verständlich. Porsche hat es gut getan, Maserati hat es gut getan, Cadillac wird sich daran auch nicht verschlucken.

Auch wenn die Zeichen der Zukunft auf Hybrid gestellt sind, in Europa wird man noch lange am Nagler unter der Haube festhalten. Sind nur die leistungsstarken Modelle im Angebot, dürften selbst Lexus und Infinti leise kichern. Und diese Hersteller sind auch nicht unbedingt großartig aufgestellt in Europa. Ich freue mich natürlich auch über jeden weiteren, potenten V aus dem Hause Cadillac, aber schlussendlich müssen ja auch die Zahlen stimmen. Doch wenn wir schon von Unvernunft reden… Bitte bringt endlich wieder ein ordentliches Cabriolet auf dem Markt. So richtig unvernünftig groß, wie zu alten Zeiten. Elvis Enkel würden es lieben. 😉

Persönliche Meinung JCS

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Cadillac und Premium auf hohem Niveau: Das funktioniert nicht nur in den USA. Der deutsche Markt ist durch die ansässigen Hersteller ja geradezu verwöhnt. Wer sich im Straßenbild mit einer anderen Marke vom herkömmlichen Besserverdiener-Einheitsbrei absetzen möchte, ist beim CT6 gut ausgehoben.

Image? Top. Fahrgefühl? Top. Optik? Top. Da riskieren selbst die Fahrer der deutschen Konkurrenten lange, prüfende Blicke, wie wir beim Test feststellten. Was ich am CT6 mag, ist, dass das Fahrzeug außen auf Betrachter wie edel-modernes Understatement wirkt und gleichzeitig den besonderen Geschmack des Besitzers zeigt.

Das Automobil hat die besten Voraussetzungen dafür, neue Käufer für die Marke Cadillac zu begeistern. Und die können sich über ein sehr exklusives Fahrzeug freuen. Touchdown.

Have a look

 

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Mario-Roman Lambrecht

Journalist, Fotograf bei MarioRoman Pictures
Mario-Roman Lambrecht wurde 1980 in Niedersachsen geboren und wuchs in Nordrhein- Westfalen auf. Seit 2000 lebt er in der Hansestadt Hamburg, wo er fortan seinem Beruf als freier Fotograf und Autojournalist nachgeht.