2017 Lexus GS-F | Fanaticar Magazin

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Im frühen Herbst waren wir zwei Wochen mit dem Lexus RC F unterwegs. Nun konnten wir sein Pendant mit vier Türen, den neuen GS F kurz testen. Auf dem ehemaligen Luftwaffen-Fliegerhorst in Mendig in der Vulkaneifel war genug Platz, um der einem Fighter nicht unähnlichen Limousine so richtig die Sporen zu geben. Unter der langen Haube schlägt das gleich Herz wie auch im Coupé, ein V8-Sauger mit 351 kW (477 PS).

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Form und Funktion

Klar ist das ein Lexus. Der GS F darf wie all seine Brüder im Geiste seiner mit dem Kürzel F versehenen Brüder das martialisch-sportliche herauskehren. F steht übrigens für den Fuji Speedway, der Haus- und Hof-Test- und Rennstrecke von Lexus und Toyota. Das Innenleben des GS F ist ebenfalls betont sportlich gehalten und kleidet sich in Leder, Alcantara sowie Carbon.

Die vorderen Passagiere nehmen in bequemen Schalensitzen Platz, die in den Kopfstützen mit dem allgegenwärtigen Buchstaben „F“ gekennzeichnet sind. Das digitale Kombiinstrument stellt einen großen Drehzahlmesser im Analog-Design mit
silberfarbenem Zierring dar, wobei das Aussehen und die angezeigten Informationen der mittleren Anzeige je nach gewähltem Fahrmodus wechseln.

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Fahrverhalten

Lexus kann manchmal richtig witzig sein. Der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h steht ein Wert von 240 km/h als maximale Dauergeschwindigkeit gegenüber. Aha. Wir haben diesen Sachverhalt nicht überprüfen können. Auch und unter anderem weil uns leider keine Highspeed-Rundstrecke wie beispielsweise die Pista di Nardò in Italien zur Verfügung stand. Gut nur, dass es auch auf deutschen Autobahnen selten möglich ist, auf Dauer mehr als 240 km/h fahren zu können.

Allein schon der geringe Tankinhalt des Lexus GS F führt permanente Höchstgeschwindigkeitsexzesse ad absurdum. Die knapp 2 Tonnen schwere Limousine genehmigt sich bei solchen Tempi gerne mal 20 Liter und mehr und mit 66 Litern ist dann eh nach wenig mehr als 200 km ein Zwangsstopp einzulegen.

Bis dahin ziehen die 477 PS den GS F durchaus zügig über die Asphaltpisten dieser Welt. Dennoch zieht er gegenüber seinen Mitbewerbern aus Deutschland, England und den USA in Sachen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit meist den Kürzeren. Da führt eines zum anderen. Knapp zwei Tonnen wollen eben in Schwung gebracht und auch bei Laune gehalten werden.

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Beim Fahrwerk hat Lexus in die Vollen gegriffen und die Vorderachse mit Doppelquerlenkern sowie eigen entwickelten Spiralfedern, Stabilisatoren und Buchsen ausgestattet. Die hintere Mehrlenker-Achse kommt mit geschmiedeten Fahrwerkslenkern aus Leichtmetall mit erhöhter Torsionssteifigkeit sowie optimierte Buchsen der Fahrwerkslenker.

Für die notwendige Bremsleistung sind Brembo Bremsen mit leichten, hoch steifen Monoblock-Festsätteln aus Leichtmetall mit sechs Kolben vorn und vier Kolben hinten verbaut. Der Bremsscheibendurchmesser beträgt vorn 380 Millimeter und 345 Millimeter an der Hinterachse und entschleunigt die schwere Limousine mit Bravour.
Mit vier zur Verfügung stehenden Fahrmodi kann der Lexus GS F von einem eher zahm wirkenden Automobil in einen keine Fehler verzeihenden Sportwagen verwandelt werden. Im Regelfall sind die Normal-Stellung oder sogar der Eco-Modus optimal.

Sport S und Sport S+ sind für die ambitionierten Lenker des GS F optimiert. Im erstgenannten nutzt die elektronische Schaltkontrolle auch die Informationen des G-Sensors, um den für den ermittelten Fahrzustand passenden Gang einzulegen. Beim harten Anbremsen einer Kurve schaltet das Getriebe automatisch zurück, hält den niedrigen Gang in der Kurve und wählt am Kurvenausgang die passende Übersetzung, damit der Fahrer kraftvoll und mit maximaler Rückmeldung herausbeschleunigen kann.

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Im SPORT S+ Modus werden die Gänge höher ausgedreht, das Zurückschalten erfolgt früher und bei höheren Drehzahlen als im S-Modus. Außerdem ist die elektrische Servolenkung noch direkter abgestimmt und der neue SPORT-Modus des VDIM Systems (Vehicle Dynamic Integrated Management) aktiviert.

VDIM bündelt sämtliche Fahrdynamik-Einrichtungen und stellt damit ein weites Einsatzfeld des GS F zur Verfügung. Beispielsweise den Expert Modus, der ausschließlich von ausgewiesenen Kennern der Materie gewählt werden sollte. Denn dann ist Torque Vectoring nicht aktiv und die die restliche Elektronik wirkt lediglich einer Drehung des Fahrzeugs um die eigene Achse entgegen.

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Ausstattung

Für knapp 100.000 Euro wird der Lexus GS F in Deutschland verkauft. Fragt sich nur wie oft? Auch wenn die Ausstattung ganz und gar nicht zu wünschen übrig lässt, ist das Segment von Hochgeschwindigkeits-Limousinen bereits gut besetzt. Und zudem eine echte Nische.

Aber zurück zum beachtlichen Gesamt-Package des Lexus GS F. Die bereits erwähnten Fahrmodi werden unter anderem von einer Klimaautomatik ergänzt, die automatisch nur die Bereiche versorgt, in denen sich Passagiere befinden. Mit dem adaptiven Fernlicht-System AHS werden automatisch Teile der Fernlicht-Kegel gesteuert, um eine Blendung voraus fahrender oder entgegenkommender Fahrzeuge zu vermeiden.

Im Lexus Safety System + sind unter anderem das Pre-Crash Safety System, das
andere Fahrzeuge und Fußgänger vor dem Fahrzeug erkennt und den Fahrer vor Hindernissen warnt, sowie der Spurhalteassistent, die adaptive Geschwindigkeitsregelung und die Verkehrszeichenerkennung enthalten. Optional kann zudem ein Headup-Display geordert werden.

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Fazit

Bollern ist nicht. Der V8 des Lexus GS F ist zwar hörbar, hält sich aber auf vornehme Weise zurück. Für Lexus bleibt nur zu hoffen, dass sich die potentiellen Käufer solch sportlicher Limousinen nicht auch zurückhalten. Schließlich hat Cadillac erst kürzlich den CTS-V für den nahezu gleichen Kaufpreis präsentiert. Ebenfalls mit einem V8 der allerdings 649 PS leistet und den Boliden problemlos auf eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h katapultiert. (ds)

Technische Daten: Lexus GS F

Motor: V8-Benziner
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Hubraum: 4.969 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min: 351 kW (477 PS)/7.100
Max. Drehmoment: 530 Nm bei 4.800 – 5.600 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe: 4.915/1.845/1.440 in mm
Radstand: 2.850 in mm
Leergewicht: 1.940 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2.320 kg
Kofferrauminhalt: 520 l
Bereifung: 255/35 R19 vorne, 275/35 R19 hinten
Felgen: 8 x 19? Leichtmetall
Beschleunigung: 4,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h (abgeregelt)
Tankinhalt: 66 l
Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr: 11,2 l auf 100 km
Preis: 99.750 Euro inkl. MwSt.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wandte sich bereits als 15-jähriger dem Journalismus zu. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz.

2000 entdeckte Dietmar Stanka den Journalismus wieder und berichtete bis Anfang 2005 für GSC Research als Wirtschaftsjournalist über Hauptversammlungen und Pressekonferenzen aus dem Raum München.

Zeitgleich verwandelte er seine Hobbys Automobil und Reisen in einen erfüllenden Beruf um. Dietmar Stanka schreibt als freier Journalist Fahrberichte, Themen rund ums Automobil und Reisegeschichten aus aller Welt für verschiedene Medien. Unter anderem für die F.A.Z., den Donaukurier, die PNP, EURO sowie exklusiv für neuwagen.de und weitere Internetportale mit automobilen Hintergrund.

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