2017 Cadillac CT6

2017 Cadillac CT6

Es ist noch nicht so lange her, da galten amerikanische Automobile zwar durchaus als bequem und langstreckentauglich – aber mit der allgemeinen Verarbeitungsqualität hantierten die Jungs eher nach dem Motto: „Passt scho!“ Die Zeiten haben sich allerdings gewandelt und Cadillac ist zu einem Premiumprodukt – auf Augenhöhe mit Mercedes-Benz, Audi und BMW – herangewachsen. Der neue CT6 soll 7er, S-Klasse und A8 das Fürchten lehren. Ob er das schafft? 

 
2017 Cadillac CT6

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Cadillac CT6 – Premium made in Detroit

Eines muss man Cadillac lassen. Sie haben es geschafft, ihrer Marke eine eigene, unverkennbare Signatur zu geben die selbst von weitem sofort als Elvis-Lieblingsmarke zu erkennen ist. Besonders gelungen ist dies bei der langen Front, die sich kraftvoll mit senkrecht angeordneten LED-Scheinwerfern in Szene setzt. Der Cadillac CT6 streckt sich über satte 5,18 Meter, wirkt aber aus keinem Blickwinkel unproportional gezeichnet.

Das liegt daran, dass Cadillac dem CT6 im Gegensatz zu den deutschen Herstellern direkt eine großzügig dimensionierte Karosserie spendiert hat. Der CT6 fungiert direkt als Long-Wheel-Base-Limousine. Dadurch entstehen keine Kompromisse in Design und Komfort. Besonders das Fond profitiert hier von dem 3,10 Meter langen Radstand. 

 
2017 Cadillac CT6

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Cadillac CT6 – Premium zum fairen Preis

Auf den ersten Blick wirkt der Cadillac CT6 durchaus souverän. Doch kann er sich auch im Innenraum bewähren? Er kann! Selten hat man ein amerikanisches Produkt so hochwertig, so detailliert, so modern erlebt. Man merkt den Drang von Cadillac, sich einen Achtungserfolg aus Europa holen zu wollen. 
 
Bemerkenswert ist dabei der Preis. Gerade mal 73.500 Euro wollen die Amerikaner für den CT6 in der Luxury-Variante überwiesen bekommen. Dafür erhält der Fahrer eine umfangreiche Serienausstattung, für die man bei der europäischen Konkurrenz bereits eine Armada an Kreuzen in der Aufpreisliste benötigen würde. 
 
2017 Cadillac CT6

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Die hält Cadillac bewusst klein. Neben der schon erwähnten Luxury-Basisausstattung lässt sich auch die von uns getestete Platinum-Variante für 95.500 Euro bestellen. Die beinhaltet unter anderem das unbedingt empfehlenswerte, aktive Fahrwerkssystem „Magnetic Ride“ mit unterschiedlichen Fahrmodi, eine aktive Hinterachslenkung, eine Nachtsichtkamera mit grandioser Fußgängererkennung, ein Bose Panaray Soundsystem mit 34 (!) Lautsprechern, 20-fach verstellbare Sportsitze vorne und 8-fach verstellbare Sitze hinten sowie ein Rücksitz-Entertainment-System mit zwei 9-Zoll-Bildschirmen. 

Wer noch eine besondere Farbe auswählt, zahlt nochmal 1.950 Euro drauf und das war‘s! Der Cadillac CT6 bleibt mit maximal 97.850 Euro immer noch unter der 100.000 Euro Grenze und protzt mit einer Ausstattung die bei den deutschen Herstellern locker nochmal einen Kleinwagen finanzieren könnte. 
 
2017 Cadillac CT6

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Cadillac CT6 – Wer ist dieser Diesel? 

Schon bei der deutschen Präsentation des CT6 in Berlin hielt der Hersteller sich bezüglich einer Diesel-Variante bedeckt. Wenn man sich die aktuellen Diskussionen anschaut, wird dieser wohl auch niemals nie in diesem Auto zum Einsatz kommen. Für Europa ist nur der  417 PS (306 kW) starke Dreiliter-V6-Twinturbo erhältlich, der das Luxusschiff dank serienmäßigem Allrad in gerade mal 5,7 Sekunden von auf 100 km/h beschleunigt. Erst bei 240 km/h ist Schluss mit dem Beschleunigungswahn. 
 
Wer nun denkt, dass der potente Motor ein ordentlicher Säufer ist, der irrt! Auf unserem knapp zweiwöchigen Test absolvierten wir 1.500 Kilometer durch Deutschland – und kamen am Ende auf einen Verbrauch von gerade mal 9,8 Litern. Vollgastouren und Großstadtverkehr inklusive. Das sind Werte, die erstmal getoppt werden müssen. 
 
2017 Cadillac CT6

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Wie haben die Amis das hinbekommen? Nun ja, der Motor wurde komplett neu entwickelt und die Karosseriestruktur basiert auf einem besonders gewichtsoptimierten Materialmix. Dazu besteht die komplette „Außenhaut“ aus Aluminum, weshalb der CT6 auf ein Gewicht von unter zwei Tonnen kommt. Somit arbeitet der Motor mit einer Literleistung von 139 PS (102 kW) pro Liter in einem optimalen Gewicht-Leistungsverhältnis. Start-Stopp-Funktion und Zylinderabschaltung tragen zum Spritsparen bei. 

Positiver Nebeneffekt: Der CT6 fährt sich für ein Auto mit diesen Dimensionen äußerst dynamisch, ganz besonders, wenn das Magnetic Ride-Fahrwerk und die Hinterachslenkung mit an Bord sind. In dieser Hinsicht braucht sich der Cadillac vor dem 7er BMW oder dem Jaguar XJ nicht zu verstecken. 
 
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Cadillac CT6 – Ein Blick in den Innenraum 

Er sieht gut aus, er fährt sich gut. Doch wie fühlt er sich an? Bei der Materialauswahl verständigte man sich auf einen Mix aus viel Leder, Hölzern und Karbon. Die mit Premium-Opus-Leder überzogenen Komfortsitze sind vielfach verstellbar und bieten einen guten Halt. Insgesamt bemüht sich der CT6 sehr intensiv um ein Oberklasseflair, was in den meisten Fällen auch gelungen ist. 
 
Und trotzdem hat man das Gefühl, dass der CT6 – wenn auch nur einen Hauch – weit weg ist von der absoluten Elite. Denn bei der Materialwahl der Lenkradbedientasten leistet sich Cadillac einen kleinen Aussetzer, ebenso wie bei den berührungsintensiven Lautstärkereglern unter dem 10,2 Zoll HD-Display, die gerne ein wenig zicken. Es sind nur Kleinigkeiten, die einem auffallen. Aber genau das macht die Oberklasse aus – sie muss perfekt sein. Und der CT6 ist es zu 95 Prozent. Wer sich daran nicht stört, bekommt ein Auto der absoluten Spitzenklasse zum Low-Budget-Preis geliefert. 
 
Übrigens: Cadillac ist noch lange nicht fertig mit seiner Auffrischung als Premiummarke. Bis zum Ende der Dekade möchte man acht komplett neu entwickelte Modelle auf den Markt bringen. Dafür hat die Konzernmutter General Motors nicht weniger als zwölf Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Und wie schon erwähnt. Es fehlt nur noch ein Hauch! 
 
Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures
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Mario-Roman Lambrecht

Journalist, Fotograf bei MarioRoman Pictures
Mario-Roman Lambrecht wurde 1980 in Niedersachsen geboren und wuchs in Nordrhein- Westfalen auf. Seit 2000 lebt er in der Hansestadt Hamburg, wo er fortan seinem Beruf als freier Fotograf und Autojournalist nachgeht.

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