INFINITI Q60

INFINITI Q60

Es geht langsam aufwärts mit der Nobelmarke von Nissan. Infiniti bekommt mehr und mehr ein Gesicht in Deutschland und wird nun schon fast in allen Metropol-Regionen angeboten. Stiefkind ist nicht mehr. Mit im Moment 11 Handelsbetrieben und 24 Servicestationen hat Infiniti endlich eine gute Basis. Die zudem weiter wachsen wird.

Außerdem hat die Markteinführung des Q30 Ende 2015 der Marke im Kompaktsegment einen Push gegeben. Mit dem neuen Q60, einem Coupé der Luxusklasse, will Infiniti neue Maßstäbe setzen. Bei ersten Testfahrten Mitte Januar im Frankfurter Raum, konnte ich mich von den Qualitäten dieses neuen Sport-Coupé überzeugen.

INFINITI Q60

INFINITI Q60

Exterieur und Interieur

Die ehemals barockwirkenden Formen der Automobile von Infiniti verschwinden mit den neuen Modellen immer mehr. Sportliche Eleganz paart sich mit Sicken und Kanten und formt ein zeitlos schickes Coupé. Schmale Scheinwerfer, die erhellenden Funktionen serienmäßig als LED, ziehen sich weit in die vorderen Kotflügel. Die Rücklichter strahlen ebenfalls per LED. Gleiches gilt auch für die markanten Tagfahrlichter vorne.

Vergessen wir mal ganz schnell die Rückbank des Infiniti Q60. Die ist zwar vorhanden und mit Sitzmulden durchaus komfortabel gestaltet. Dennoch sind Ein- und Ausstieg Akte der Verrenkung. Egal, dieses Infiniti Q60 ist ein wunderbar gestaltetes Coupé, auf dessen vorderem Gestühl sich wunderbar räkeln lässt.

Ein Blick auf die Armaturentafel zeigt – zumindest für die Kenner der Marke Infiniti – die nahe Verwandtschaft zur Limousine, die als Q50 bekannt ist. Mittig betont mit gleich zwei Touchscreens, der obere meist der Karte des Navigationssystems gewidmet. Der untere für nahezu sämtliche Einstellungen, die das Fahrzeug betreffen.

Drumherum ist eine Vielzahl von Schaltern gruppiert, die dem Bedienen der Klimaautomatik dienlich sind. Die wäre und ist aber auch über den unteren Touchscreen steuerbar. Doppel gemoppelt also und von sinnvoller Ergonomie so weit weg, wie wir vom Mond.

Ähnlich komplex und daher durchaus erst einmal während des Stillstandes des Infiniti Q60 auszuprobieren, die teils tiefgestaffelten Menus der massig vorhandenen Einstellmöglichkeiten. Sind sie einmal verinnerlicht oder sinnvolle Voreinstellungen nach individuellem Gusto getroffen, kann der Starterknopf gedrückt werden.

INFINITI Q60

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Fahrerlebnis

Dann erklingt entweder das Säuseln eines 2-Liter-Benziners, der mit 211 PS aufwartet oder das schon mehr an Grummeln erinnernde Geräusch des 405 PS starken V6-Twinturbo. Ist der Hubraumschwächere von der Basis her eine Entwicklungsarbeit von Daimler, ist der starke ein Eigengewächs aus Japan.

Vom Charakter könnten die beiden Triebwerke nicht unterschiedlicher sein, als das dies ihre Papierwerte eh schon ausdrücken. Zudem der Kleinere rein über die Hinterräder seine Kräfte auf die Straße bringen muss, der Stärkere sich aber auf die Traktionsvorteile des Allradantriebs verlassen kann. Geschaltet werden beide Versionen von einem Siebengang-Automaten.

Ich bin sie beide gefahren. Genauer gesagt am 19. Januar 2017 im Frankfurter Raum und hoch in den Taunus. Der auf seiner wohl berühmtesten Anhöhe, dem Feldberg, wie im Wintermärchen glitzerte und funkelte. Ähnlich wie die metallicrote Lackierung des neuen Infiniti Q60, einer Farbe, der auch Christbaumkugeln gut stehen würde.

Aber zurück vom Schwelgen ob der weiß-blauen Traumlandschaft und hin zu den Fahrerlebnissen. Erst kleiner, dann größer war mein Gedanke. Mit 211 PS an Bad Homburg vorbei in Richtung Saalburg. Davor ein Stück die Autobahn A5 in Richtung Kassel, die einigermaßen frei befahrbar war.

INFINITI Q60

INFINITI Q60

Der 2-Liter erfüllt seine gestellten Aufgaben gut, die angeflanschte Siebengang-Automatik harmoniert prächtig. Der neue Infiniti Q60 hängt gut am Gas und lässt, zumindest im Sportmodus, lockere Überholvorgänge zu. Er vermittelt ein entspanntes Fahren und verleitet zum lockeren Cruisen. Gerade richtig für Menschen, die von der Eleganz des neuen Infiniti Q60 hingerissen sind.

Ganz anders der V6-Twinturbo, der auf der Basis des VQ-Antriebs von Infiniti entwickelt und vierzehn Mal in Folge in der Liste „Ward’s 10 Best Engines” aufgeführt wurde. Diese Version verströmt zwar die gleiche Eleganz und nur winzige Details wie die Typenschilder weisen ihn als den stärkeren Q60 aus. Böse, böse aber der Antritt und der vehemente Vortrieb.

Keine Unterbrechungen gestattend, stürmt dieser Infiniti Q60 innerhalb von 5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Oben ist leider bei 250 km/h Schluss. Selbstauferlegte Disziplin? Müsste nicht sein, da dieses Coupé auch weit über 200 km/h schnell gefahrene Autobahnkurven mit Bravour meistert.

Wer rasant beschleunigt, muss auch schnell bremsen. Ohne Messwerte bemüht zu haben, darf ich dennoch feststellen, dass der Q60 eine ordentliche Verzögerung bietet. Mehr von solchen Erfahrungen teile ich gerne im Lauf des Jahres nach ausführlicheren Testfahrten mit dem neuen Infiniti Q60 mit. Gleiches gilt für Verbrauchswerte, die bei Foto- und Filmaufnahmen sowie bei ersten Beschleunigungsorgien bei den ersten Ausfahrten keinerlei Relevanz hätten.

INFINITI Q60

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Varianten und Modelle

Premium, Premium Tech, Sport und Sport Tech nennt Infiniti die Ausstattungsvarianten des neuen Q60 Coupé. Wobei Premium und Premium Tech ausschließlich dem 2-Liter vorbehalten sind. 44.500 Euro respektive 51.000 Euro kostend, bilden diese beiden Varianten den Einstieg in die Welt der Infiniti Q60. Der preiswerteste V6 kostet als Sport 56.990 Euro, als SportTech 63.490 Euro.

Sinnvoll ist die Wahl eines Premium Tech oder Sport Tech, da dann bereits das 3.300 Euro teure Navigationssystem inklusive DAB-Radio sowie eine Bose-Soundanlage mit 13 Lautsprechern enthält. Zudem in diesen Versionen das Lichtpaket verbaut. Dieses bringt unter anderem das adaptive Kurvenlicht sowie einen Around View Monitor mit Bewegungserkennung und Einparkhilfe mit.

Beide Sport-Varianten warten serienmäßig zudem mit einer direkteren Lenkung sowie einer aktiven Fahrspurüberwachung auf. Das Ambiente-Paket kostet für den Premium 600 Euro, für alle anderen Versionen ist diese Zusammenstellung Serie. Darin enthalten sind elektrisch verstellbare und beheizte Außenspiegel, eine elektrisch verstellbare Lenksäule, Ambiente-Licht sowie die Memory-Funktion des Fahrersitzes.

Keinerlei Zurückhaltung übte Infiniti bei der Sicherheitsausstattung. Die Versionen ohne Tech im Namen kommen serienmäßig unter anderem mit automatischer Notbremsung, Auffahrwarnsystem und Spurhaltassistenten. Die mit Tech bezeichneten Varianten haben zu den Tote-Winkel-Assistenten sowie einen adaptiven Geschwindigkeitsregel-Assistenten an Bord.

INFINITI Q60

INFINITI Q60

Fazit
Mit dem Q60 ist Infiniti ein eleganter Dynamiker gelungen. Auf der Seite der Motoren prallen zwar zwei Welten aufeinander, die sich unter dem Strich jedoch perfekt ergänzen. Mit dem 2-Liter, der ebenfalls eine ordentliche Leistungsdichte aufweist, lassen sich wunderbare Ausfahrten genießen. Mit dem 3-Liter sollte man sich selbst zügeln können, damit das Punktekonto nicht überquillt. Warum aber die Mitte der Triebwerkspalette, der 3-Liter-V6 mit 300 PS, den Weg nicht nach Europa gefunden hat, darf ein Rätsel bleiben. Als künftige Option wäre dieser Motor wünschenswert. (ds)

INFINITI Q60

INFINITI Q60

Technische Daten: Infiniti Q60 3.0 Sport Tech

Motor: 6-Zylinder-Benziner
Getriebe: Siebengang-Automatikgetriebe
Hubraum: 2.997 ccm
Leistung in kW/PS bei xy U/min: 298 kW (405 PS)/6.400
Max. Drehmoment: 475 Nm von 1.600 – 5.200 Umdrehungen pro Minute
Länge/Breite/Höhe: 4.690/1.850/1.395  in mm
Radstand: 2.850 in mm
Leergewicht: 1.874 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2.265 kg
Kofferrauminhalt: 342 l
Bereifung: 255/40 R19
Felgen: 8 x 19 Leichtmetall
Beschleunigung: 5,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Tankinhalt: 80 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,1 Liter auf 100 km

Preis: 63.490 Euro inkl. MwSt.