Irgendwie leise, aber doch mit sehr viel Nachdruck etabliert sich derzeit eine neue Marke auf den deutschen Straßen: Leapmotor. Doch wie schafft es eine bis dahin unbekannte Marke, hier so schnell Anschluss zu finden? Dafür haben wir den Leapmotor C10 ProMax zu einem ersten Test in unsere Garage geholt.
Kommen wir also direkt zur ersten Frage: Wer oder was ist Leapmotor? Leapmotor wurde 2015 im chinesischen Hangzhou gegründet. Für den europäischen Auftritt hat sich die Marke einen mächtigen Partner gesucht: Stellantis. Über das von Stellantis geführte Joint Venture Leapmotor International kann der Hersteller auf bestehende Vertriebs- und Servicestrukturen zurückgreifen. Ein ziemlich brauchbarer Joker, wenn man auf einem neuen Markt erst einmal Vertrauen gewinnen muss.
Die Zusammenarbeit soll künftig auch bei Produktion und Komponenten enger werden. Stellantis und Leapmotor haben gemeinsame Fertigungspläne für Saragossa vorgestellt. Dabei geht es um den Leapmotor B10 und einen künftigen elektrischen Opel-SUV, der ebenfalls von Komponenten aus dem Umfeld des Joint Ventures profitieren soll. Wie viel Leapmotor-Technik später tatsächlich in welchen europäischen Modellen steckt, bleibt abzuwarten. Für unseren Test zählt ohnehin erst einmal, was der C10 ProMax heute abliefert.

Optik & Licht: Unaufgeregte Linien ohne Matrix-Highlights
Bei der Optik gibt sich der C10 Pro Max zurückhaltend. Ohne die schicke Farbkombination aus grünem Lack und grauen Felgen geht der Chinese schnell im Alltag unter. Kann man gut finden, kann man langweilig finden, aber es ist definitiv ein sicherer Weg, um nicht direkt anzuecken. Die Linienführung ist unaufgeregt und frei von wilden Experimenten.
Die leider versenkten Türgriffe fügen sich clean in die Seitenlinie ein, hinterlassen bei Regen durch ihre glatte Oberfläche allerdings einen spürbar rutschigen Eindruck. Die Griffe fahren nicht elektrisch aus, sondern müssen von Hand bedient werden. Gerade mit langen Fingernägeln oder kleinen Händen ist das unnötig fummelig. Ein klassischer Bügelgriff wäre uns hier lieber.
An der Front setzen schlanke LED-Scheinwerfer mit durchgehendem Lichtband optische Akzente. In dieser Klasse erwartet man bei einer „ProMax“-Topausstattung im Dunkeln jedoch etwas mehr Licht-Magie: Ein echtes Matrix-LED-Licht sucht man im Datenblatt oder wenigstens optional vergebens. Leapmotor verbaut zwar serienmäßig automatische Voll-LED-Scheinwerfer inklusive Fernlichtassistent, das feinfühlige, selektive Ausblenden von entgegenkommenden oder vorausfahrenden Fahrzeugen beherrscht das System jedoch nicht. Es bleibt beim schlichten An- und Ausschalten des Fernlichts.

Der Einstieg: Der digitale Schlüssel-Frust
Schon beim Einsteigen zeigt der C10 Pro Max, dass er manche Dinge anders machen will – leider nicht immer besser. Einen klassischen Funkschlüssel mit haptischen Tasten sucht man im Lieferumfang vergebens. Stattdessen vertraut der Hersteller auf eine NFC-Karte oder die Smartphone-App. Das sorgt im Alltag allerdings für Stirnrunzeln: Die NFC-Karte muss direkt an den Außenspiegel gehalten werden, um das Auto zu entriegeln. Warum ausgerechnet an den Spiegel und nicht wie bei anderen Herstellern an die B-Säule direkt neben dem Türgriff, bleibt ein Rätsel.
Setzt man stattdessen auf die App, forderte der Testwagen vor jedem Start umständlich eine PIN-Eingabe. Legt man wiederum die Karte ins Auto, muss sie zwingend auf der vorgesehenen Ablage platziert werden. Für unseren Geschmack sind das zu viele Handgriffe für etwas, das ein klassischer Funkschlüssel weitgehend nebenbei erledigt. Der Schlüssel-Frust hat in der Community bereits Blüten getrieben: Erste Besitzer machen sich bei Online-Anbietern schon selbst auf die Suche nach Nachrüst-Lösungen mit echten Tasten.

Interieur & Bedienung: Hochwertige Kunststoffe, aber versteckte Funktionen
Ist die Hürde des Einsteigens genommen, empfängt einen im Pro Max ein wirklich geräumiger Innenraum. Die Materialauswahl ist für diese Preisklasse erstaunlich gut gelungen. Zwar dominiert Kunststoff, dieser ist aber hervorragend verarbeitet und fühlt sich durchweg wertig an. Die Sitze bieten einen passablen Komfort, auch wenn ausgerechnet der Beifahrersitz unverständlicherweise nicht in der Höhe verstellt werden kann. Ein riesiges, verdunkelbares, Panoramadach sorgt für ein luftiges Raumgefühl, und im Fond geht es extrem großzügig zu, inklusive neigungsverstellbarer Rücksitzlehnen.
Bei der Bedienung hat es Leapmotor mit dem Minimalismus allerdings etwas übertrieben. Physische Tasten sind rar, viele alltägliche Funktionen wandern auf den Touchscreen. Besonders ärgerlich im Alltag: Der Button zum Verriegeln der Türen ist unscheinbar und winzig auf dem Bildschirm im Menü untergebracht. Auf Apple CarPlay und Android Auto mussten wir im Testwagen noch verzichten. Wie uns offiziell bestätigt wurde, sollen beide Funktionen per Update nachgeliefert werden. Clever gelöst ist hingegen die Ambientebeleuchtung: Sie dient gleichzeitig als Warnsystem beim Aussteigen und blinkt auf, wenn sich Hindernisse im toten Winkel befinden oder die Parksensoren anschlagen.
Beim Gepäck fällt der C10 ProMax weniger verschwenderisch aus als beim Platz für die Passagiere. Hinter der Rückbank stehen laut Hersteller 435 Liter zur Verfügung, mit umgeklappten Rücksitzlehnen werden daraus bis zu 1.410 Liter. Für einen 4,74 Meter langen SUV ist das ordentlich, aber kein Raumwunder. Praktisch ist der zusätzliche Frunk unter der Fronthaube: Seine 32 Liter bieten einen separaten Platz fürs Ladekabel. So muss man dafür nicht erst unter dem Urlaubsgepäck wühlen.
Technik im Check: Was liefert der C10 Pro Max ab?
Technisch stellt der Leapmotor C10 Pro Max ein spürbar potenteres Paket auf die Beine als die Basisversion. Unter der Karosserie arbeitet ein Elektromotor an der Hinterachse, der kraftvolle 220 kW beziehungsweise 299 PS sowie 360 Nm Drehmoment bereitstellt. Damit gelingt der Sprint von null auf Tempo 100 in flotten 6,6 Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit bei abgeregelten 190 km/h liegt. Die Energie bezieht der Pro Max aus einem großen 81,9?kWh-Akku. Die Reichweite gibt der Hersteller nach WLTP mit bis zu 510 Kilometern an.
Der C10 Pro Max kommt mit 299 PS auf der Hinterachse und sorgt mit einem Drehmoment von 360 Nm für einen 0?auf-100?km/h-Sprint in 6,6 Sekunden. Maximal sind bis zu 190 km/h drin und die Reichweite liegt dank der größeren Batterie bei bis zu 510 Kilometern nach WLTP. Wer es nicht so eilig hat, findet in der Basis mit 218 PS seinen Freund.Der ist mit 7,5 Sekunden auf 100 km/h nicht ganz so fix, kommt aber mit einer Batterieladung immer noch bis zu 420 Kilometer weit. Und wer es lieber richtig flott macht, setzt auf die Top-Variante C10 ProMax AWD mit 598 PS und 720 Nm Drehmoment, die mit einem 4,0-Sekunden-Sprint manch einem Porsche oder gar Ferrari die Schamröte ins Gesicht steigen lässt. Die WLTP-Reichweite beträgt hier bis zu 437 Kilometer.
Wer sich noch nicht rein elektrisch auf die Straße traut, für den hält Leapmotor noch ein Ass im Ärmel bereit: den C10 REEV mit Range Extender. Hier treibt ein 215 PS starker Elektromotor die Hinterachse an, während ein 1,5-Liter-Benziner rein als bordeigener Generator arbeitet. Die rein elektrische Reichweite der kleineren Batterie reicht laut WLTP für rund 145 Kilometer im Alltag, mit vollem Benzintank wächst die Gesamtreichweite allerdings auf bis zu 970 Kilometer an. Natürlich ebenfalls laut weit auslegbarem WLTP. Damit deckt Leapmotor vom Reichweiten-König bis zum Allrad-Monstruum fast jedes Bedürfnis ab.

800-Volt-Technik & Ladeleistung: Premium-Versprechen zum Schnäppchenpreis?
Erst ab der ProMax-Version spendiert Leapmotor dem C10 die 800-Volt-Architektur samt größerem Akku, während die Basismodelle noch mit klassischer 400-Volt-Technik vorliebnehmen müssen. Das weckt Erwartungen. Mit maximal 180 kW an der DC-Schnellladesäule liefert der ProMax allerdings keine außergewöhnlich hohe Spitzenleistung für ein 800-Volt-Auto. An einer geeigneten AC-Ladestation sind bis zu 11 kW möglich.
Beim Ladetempo greift das deutsche Marketing lieber zum günstigeren Zahlenausschnitt: Rund 22 Minuten von 30 auf 80 Prozent klingen flott, umfassen aber eben nur 50 Prozentpunkte. Auf der finnischen Leapmotor-Seite geht es transparenter zu. Dort stehen für den C10 mit großem Akku 29 Minuten für das übliche Ladefenster von 10 auf 80 Prozent. Damit liegt er auf dem Papier ungefähr gleichauf mit einem Volkswagen ID.4 Pro, für den VW 28 Minuten nennt. Der kommt mit 400 Volt aus. Doppelte Spannung macht eben in diesem Fall noch keinen halben Ladestopp.
Auch beim C10 lohnt sich der Blick hinter die große Volt-Zahl: Im Rettungsdatenblatt für das Modelljahr 2026 nennt Leapmotor eine Batteriespannung von 682,6 Volt. Eine ähnliche Situation gibt es bei BYD. Beim als 800-Volt-Modell beworbenen Sealion 7 stehen je nach Batterie 537,6 oder 550,4 Volt Nennspannung im Datenblatt. Architekturbezeichnung und Batteriespannung sind eben zwei verschiedene Angaben. Ein Beleg für besonders kurze Ladepausen ist die 800?Volt-Nennung in diesem Fall jedenfalls nicht.
Bei dem Tempo, das die chinesischen Hersteller derzeit vorlegen, würde es uns allerdings wundern, wenn Leapmotor beim nächsten Überarbeitungszyklus nicht auch an der Ladegeschwindigkeit nachlegt. Die 800-Volt-Basis ist schließlich schon da. Wie viel sich aus Batterie, Kühlung und Ladesteuerung noch herausholen lässt, ohne den Preisvorteil zu verspielen, müssen die Entwickler zeigen.

Fahrdynamik & Komfort: Wo der C10 Nachbesserung benötigt
Fahrdynamisch zeigt der C10 Pro Max ein zwiespältiges Gesicht. Auf der Landstraße und der Autobahn liegt der SUV souverän, ruhig und gelassen. Fährt man jedoch durch die Stadt, gibt sich das Fahrwerk überraschend hart und reicht kurze Stöße recht trocken an die Insassen weiter.Echten Feinschliff vermisst man auch bei der Abstimmung von Lenkung und Pedalen.
Die Lenkung wirkt synthetisch, reagiert nicht sehr sensibel auf erste Einschläge und zwingt den Fahrer auf der Straße immer wieder zu leichten Nachkorrekturen. Auch das Gaspedal hinterlässt Fragen: Im Standard-Modus reagiert der Wagen im Alltag eher träge. Schaltet man in den Sport-Modus, schlägt das Pendel direkt ins Gegenteil um. Dann setzt der Antrieb schon kleine Pedalbewegungen fast zu vehement um. Eine für uns überzeugende Zwischenstufe haben wir nicht gefunden.
An fehlender Leistung liegt das nicht. Die 299 PS sind da, nur ihre Dosierung dürfte harmonischer ausfallen. Das Pedal hängt dann fast schon zu aggressiv am Gas, ohne dass man eine feinfühlige Zwischenstufe findet. Beim Rangieren ist wiederum das Bremspedal deutlich zu scharf abgestimmt. Gefühlt muss man das Pedal nur anhauchen und der Wagen kommt zum Stehen.

Preise & Marktposition: Was kostet der Spaß?
Preislich setzt Leapmotor genau da an, wo es der europäischen Konkurrenz wehtut. Die für diesen Vergleich herangezogene deutsche Preisliste nennt 37.600 Euro für den C10 Pro in der Ausstattung Life. Damit macht man im Umfeld von VW ID.4 und Tesla Model Y preislich ordentlich Druck.
Für den von uns getesteten C10 ProMax mit Heckantrieb in der Ausstattung Design stehen 41.900 Euro in der Liste. In Anbetracht der 299 PS, der größeren Batterie und der umfangreichen Serienausstattung ist das eine harte Kampfansage für Europa. Wer die 598 PS starke AWD-Topversion ins Visier nimmt, startet laut derselben Preisliste bei 44.900 Euro. Viel Leistung fürs Geld bietet sie damit allemal.

Fazit: Gute Basis mit Luft nach oben
Unterm Strich ist der Leapmotor C10 ProMax ein gutes Auto mit einem attraktiven Verhältnis aus Preis, Platz und Ausstattung. Das Platzangebot ist hervorragend, die Verarbeitung stimmt und das Gesamtpaket ist enorm konkurrenzfähig. Dennoch merkt man an einigen Stellen, dass der Hersteller bei der Feinabstimmung nachbessern muss.
Die Kalibrierung von Lenkung, Brems- und Gaspedal benötigt mehr Feingefühl, beim Rangieren dürfte die Bremse sanfter reagieren. Matrix-Fernlicht fehlt, das 800-Volt-System macht den C10 noch nicht zum Ladechampion und das umständliche Schlüssel-Konzept schreit nach einer einfacheren Lösung.
Der C10 ProMax bringt vieles mit, was ein gutes Familienauto braucht. Jetzt müsste Leapmotor nur noch die alltäglichen Kleinigkeiten mit derselben Sorgfalt angehen wie Platzangebot und Verarbeitung. Denn 299 PS beeindrucken auf dem Papier. Eine unkomplizierte Bedienung überzeugt jeden Morgen.
















Technische Daten
| Parameter | Wert / Details |
| Modell | Leapmotor C10 Pro Max |
| Antrieb | Elektromotor, Heckantrieb |
| Bordnetz | 800 Volt (erst ab Pro Max) |
| Systemleistung | 220 kW / 299 PS |
| Max. Drehmoment | 360 Nm |
| Beschleunigung (0–100 km/h) | 6,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h |
| Batteriekapazität | 81,9 kWh |
| Ladeleistung (DC / AC) | max. 180 kW / 11 kW |
| Ladedauer DC (10–80%) | ca. 30–32 Minuten (Herstellerangabe 30–80%: 22 Min.) |
| Reichweite (WLTP) | bis zu 510 km |
| Preis (Testwagen) | 41.900 Euro |
| CO2-Emissionen | 0 g/km |
Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures



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