Darf ich das? Darf ich mich tatsächlich noch über den Genuss eines mit fünf Liter Hubraum gesegneten Ford Mustang GT freuen? Oder werde ich künftig von Klimaschutz-Lemmingen mit gefährlichem Halbwissen attackiert werden? Derzeit ist Greta in aller Munde und JA, wir sollten unsere Umwelt besser behandeln. Es zeugt schon von einer gewissen Peinlichkeit, dass erst ein 16 jähriges Mädchen aus Schweden es schafft, sich Gehör bei der politischen Elite zu verschaffen. Ob man sie mag oder nicht, sie hält gerade allen den moralischen Kompass vor die Augen. Sich dem abzuwenden und dann geschmacklose Gruppen a la „Fridays for Hubraum“ zu gründen halte ich ebenso für den falschen Weg.

Dafür muss man aber keine SUV-Fahrer diffamieren oder Hersteller luxuriöser Automobile in den sozialen Medien mit Shitstorms belegen. Gerade die Automobilindustrie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte in Sachen Verbrauch gemacht. So streckte mir die erste Generation des Porsche Cayenne Turbo mit einem Verbrauch von bis zu 70 Litern mächtig den Mittelfinger raus- die aktuelle Generation kann problemlos auf 10-12 Litern gefahren werden. Derzeit steht ein Audi S7 Sportback in der Garage – der sich gerade mal 6 Liter gönnt. Ein Trip mit der Corvette C7 Stingray von Hamburg nach Berlin wird mit einem Verbrauch von gerade mal 7,5 Litern belohnt. Das sind nur ein paar Beispiele in über 15 Jahren des automobilen testens.

Warum also muss ich mich jetzt dafür schämen, dass ich einen nachhaltigen V8, der den gleichen Verbrauch aufbringt wie ein mittelmäßig motorisierter Vierzylinder-Hatchback, bevorzuge? Nachhaltig? Natürlich – so ein guter alter V8 Sauger ist im Grunde genommen unkaputtbar, wenn man ihn ordentlich behandelt. 300, 400 oder gar 500.000+ Kilometer sind absolut drin. Die Nachhaltigkeit von hochgepushten Drei- oder Vierzylinder-Turbomotoren in diesen Regionen ist hingegen eher mau, die von E-Automobilen muss sich erst noch bewähren denn besonders die Batterieproduktion ist immer noch ein Thema welches aus der gewollten Co2 Reduzierung eine Seifenblase macht. Soweit befassen sich die meisten Umweltaktivisten aber leider (noch) nicht.

Es ist zwar immer leicht den bösen Finger immer direkt auf die Autoindustrie zu lenken aber genau diese hat mit die größten Fortschritte gemacht was Nachhaltigkeit angeht. Und sie machen und werden immer noch Fehler machen was aber auch damit zu tun hat das solche Weltkonzerne nicht einfach von heute auf morgen alles perfekt machen können. Ob die E-Mobilität hier wirklich so viel besser machen wird sei mal dahin gesagt. Ich persönlich bin noch nicht soweit mir den Genuss am Blubber-V8 nehmen zu lassen solange in Ländern wie den USA jeder Apfel im Supermarkt in Plastik gewickelt wird. Noch…darf ich das!

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: This.Is.Thilo