mrl – Ist es tatsächlich so einfach? Ist der Porsche 911 der beste Sportwagen aller Zeiten? Irgendwie….. ja! Denn er ist das perfekte Beispiel von Evolution auf höchstem Niveau. Das hat uns auch der neue Carrera S in der Generation 992 wieder eindrucksvoll bewiesen. 

Heute sind sie wieder auf der Leinwand- die Bad Boys. Will Smith und Mike Lawrence lassen es auch im dritten Teil wieder mächtig krachen. Als dritter Bad Boy agiert der neue Porsche 911 Carrera 4S. Nach einem kleinen Ferrari 550 Aussetzer in Teil 2 die richtige Konsequenz. Was für ein Zufall das wir seinen rein heckgetriebenen Bruder gerade in der Garage stehen hatten. Bad Boy for Life!

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Generation 8 | Nie enden wollender Perfektionsdrang

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Die neueste Elfer Generation 992 hat eine der ruhigsten Wechsel aller bisher acht Generationen vollzogen. Es hat hier ein wenig die Symbolik eines George Lucas. Der war irgendwie auch immer unzufrieden mit seinen ersten Star Wars Teilen was zum einen dem Budget und zum anderen den damaligen nicht vorhandenen technischen Möglichkeiten zu verdanken war. 

Doch auch wenn alle Welt Star Wars liebte-sein Werk musste vollendet werden- und so wurde die ursprüngliche Star Wars Trilogie nochmals optisch aufgepeppt. Hätte er sein Baby nicht an Disney verkauft, würde er wohl immer noch dran herumfeilen. So ähnlich steht es wohl als Designer, wenn er den 911 anschaut. Eigentlich ist er ein Meisterwerk – aber irgendwie könnte man doch noch mal da … und auch da… 

Die Optik | Moderne Retro 

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Aber es hat sich dann doch so einiges getan. Der 992 hat insgesamt mehr Volumen bekommen. Vorn geht er 45 Millimeter weiter in die Breite, die nochmals durch die durchgehenden Lufteinlässe optisch mächtiger wirkt. Die Seitenlinie wurde so behutsam wie nur möglich angefasst. Auffällig ist hier nur der Wegfall der regulären Türgriffe. Stattdessen fahren diese nun elektrisch ein uns aus, wie man es schon von Modellen wie dem Range Rover Velar kennt. 

Auffälliger ist der Generationswechsel im Heck mit dem über die gesamte Breite ausgedehnten LED-Leuchtband. Dazu kommt noch eine Bremsleuchte im Luftgitter und die harmonisch zur Mitte hin positionierten Endrohre die den typischen Sechszylinder-Boxer Sound auf die Straße bringen.

Der Motor | Sechszylinder-Boxergenuss 

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Und damit kommen wir zum sprichwörtlichen Herz eines echten Porsche Sportwagens – dem Sechszylinder-Boxer. Auch wenn er jetzt regulär nur aufgeladen und mit weniger Hubraum daher kommt, der Charakter ist unverkennbar. Das ist es, was die Kunden wollen. Dieses einzigartige Röhren- es wäre schade, wenn es in ferner Zukunft verstummen würde. 

Im Carrera S sorgt der doppelt aufgeladene Dreiliter-Boxer-Sechszylinder für einen maximalen Drehmomentboost von 530 Nm bei einer Leistung von 450 PS (331 kw) . Dank des bei uns verbauten Sport Chrono Plus schießt der Zuffenhausener in gerade mal 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Schluss ist er bei 308 km/h. Ob das Downsizing für weniger Verbrauch (Hersteller: 8,9 Liter) im Gegensatz zu dem Vorgänger sorgt, lassen wir mal so offen. 

Es heißt ja schließlich nicht umsonst- Turbo läuft- Turbo säuft. Ein Sportwagen möchte nunmal spielen. Unser Endverbrauch lag am Ende bei glatten 11 Litern, was in etwa genau dem entspricht, was die letzten beiden Generationen auch mit den Saugern hinbekommen haben. 

Der Innenraum | Für die Langstrecke gerüstet 

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Doch was kann er, der neue Elfer? Besser sein! Besser sein als alle anderen. Ganz ehrlich, so freudig es ist, mit einem Ferrari, McLaren, Aston Martin oder Lamborghini zu fahren, beim Elfer ist es einfach immer ein Quäntchen besser. Das fängt beim komfortablen Einstieg an, setzt sich bei der überragenden Haptik fort und endet beim komfortablen Platzangebot, in dem man sich auch als Sitzriese immer wohlfühlt.

Schlussendlich ist die Logik der Multimedia-Einheiten einfach so gut durchdacht dass es dafür nochmal ein Extra-Lob gibt. Einzig was sich Porsche bei der Positionierung der äußeren Tachoeinheiten links und rechts gedacht hat will nicht einleuchten. Egal wer sich auf den Fahrersitz gesetzt hat, groß, klein, mittel – keiner war in der Lage alle Instrumente auf den Blick zu haben. Das sollte so eigentlich nicht sein. 

Das Fahrgefühl | Es ist halt ein Porsche

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Doch das ist vergessen, sobald der Motor im Heck sich zu Wort meldet. Dann zählt nur noch der Vortrieb und die Suche nach der nächsten Kurve. Wenn dann samstagmorgens der Weg zum Bäcker ansteht, könnte es unter Umständen dazu führen, dass hier ein kleiner, kurviger Umweg gefahren wird – hin als auch zurück. Und dann ist man auch noch – upps – versehentlich auf den Sport+ Modus gekommen, der den Elfer noch spitzer und agiler ums Eck fliegen lässt. 

Ungemütlich wird er dabei nie. Selbst mit abgeschaltetem (grandios arbeitenden) ESP / PSM zeigt sich der Elfer als gutmütiger, extrem gut ausbalancierter Sportler, der sich selbst bei hektischen Fahrmanövern nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Genau das macht einen guten modernen Sportwagen aus- wenn er so gut auf der Straße liegt dass die Elektronik möglichst faul ihr Dasein fristen kann. Neu in der Generation ist auch ein sogenannter Wet-Modus der die Traktion auch auf nassem Asphalt nochmals verbessert. Wer es noch sicherer haben will ordert sich die Allradvariante des Carrera S. 

Porsche 911 (992) Carrera S – MarioRoman Pictures

Und jetzt kommt der besondere Spagat bei dem Porsche so gut wie keiner was vormachen kann. Wenn die Kurvenhatz dann doch mal vorbei ist oder Omi es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich macht kann der Porsche 911 Carrera S auch ganz sanft. Bodenunebeneheiten werden dann dank des optionalen PASM- Dämpfungssystem im Normal Modus deutlich entspannter geschluckt. Zwar immer noch straff aber alltagstauglich. Und auch Einkäufe oder längere Urlaubstrips sind dank eines gesamten Kofferraumvolumens von fast 400 Litern kein Problem. 

Fazit | Der 911 bleibt auch künftig die Referenz

Der Porsche 911 ist die Definition von Perfektion. Macht ihn das langweiliger im Gegensatz zur Konkurrenz? Nein es macht ihn besser! Denn mit dem Elfer möchte und kann man entspannt von Hamburg bis nach Rom fahren und nimmt dabei die eine oder andere Rennstrecke oder Alpenpass genüsslich mit. Diesen Spagat beherrscht Porsche so gut wie kaum ein anderer. Und deswegen wird auch in Zukunft die Referenz 911 heißen.

Credits

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: @marioroman_pictures