Der Born ist das erste rein elektrische Automobil der noch jungen Seat Performance-Tochter Cupra und direkt ein Volltreffer. Wir durften mit ihm schon eine kleine Runde durch Barcelona drehen.

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Volkswagen scheint eine kleine sadomasische Ader zu haben. Warum sonst lässt man sich immer so von seinen Kindern vorführen? Links sitzt Skoda und holt das Maximum an Reisekomfort raus, rechts sitzt Seat / Cupra und zeigt wie Dynamik und Design funktioniert. Und kaum ist man elektrifiziert unterwegs, geht das Spiel weiter. Kurz – der Cupra Born macht den VW ID.3 eigentlich überflüssig.

2022 Cupra Born Testdrive | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Cupra Born | Außen wie innen hui

Schon der erste Blick auf den Born macht klar, dass hier mehr Rasse ins Blechkleid gezaubert wurde. Gegenüber seinem deutschen Bruder ist er etwas länger und flacher geraten und wirkt in Kombination mit seiner angriffslustigen Front schon im Stand dynamisch. Damit auch jeder endlich mal kapiert, was dieses „Transformer-Logo mitTeufelshörnern“ eigentlich bedeutet gibt es jetzt direkt in der Front den Cupra Schriftzug. Links und rechts gibt es schicke LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht. In den Radkästen schlummern auf Wunsch bis zu 20 Zoll große Walzen und das Heck gibt einen gelungenen Abschluss mit Dachspoiler und durchgehender LED-Rückleuchte. Yammi.

Im Innenraum dann der nächste Aha-Effekt. Hier stimmt die Haptik. Alles ist sauber verarbeitet und fühlt sich an den richtigen Stellen einfach gut an. Etwas dass dem ID.3 nicht so gelingen sollte. Das Lenkrad könnte persönlich noch ein wenig kleiner ausfallen, ist aber extrem griffig und erlaubt eine gute Durchsicht auf das schmale Cockpit-LED-Display.

Für das Infotainment zuständig zeichnet sich in der Mittelkonsole ein 12-Zoll-Touchscreen-Display mit ausreichender Auflösung. Apple Car Play wirkt hier aber aufgrund dessen sehr überdimensional. Da hätte man gerne in das Audi/Porsche-Regal greifen können – zumindest optional. Dank Online-Vernetzung ist der CUPRA Born auch problemlos via App erreichbar. Kommt gut, wenn man den Ladestand wissen will, die Klimaanlage schon vorzeitig starten möchte oder einfach wieder mal verpeilt hat, wo man geparkt hat. 

2022 Cupra Born Testdrive | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Cupra Born | Touch, Touch…. Pfui

Wo wir doch gleich zu den Ärgernissen im Cupra Born kommen. Touch. Touchen ist ja schön und gut, aber man kann es auch übertreiben. Mit dem Touchscreen und der Bedienung kommt man noch ganz gut klar aber warum mussten auch Lautstärkeregler und Lenkradtasten dran glauben? VW hat schon so viel Schelte für die das Touchlenkrad bekommen, warum nicht wie Skoda dagegen protestieren und weiterhin auf haptische Knöpfe setzen?

Und als wäre das alles nicht genug hat man noch die hinteren Knöpfe für die Scheiben eliminiert. Stattdessen muss man einen Touch-Punkt finden, der dann mit den verbliebenen zwei Fensterheberknöpfen auch das Öffnen der hinteren Scheiben ermöglicht. Zu viele Schritte, zu viel Ablenkung. Liebe VW-Crew. Was meint ihr wohl warum Apple nach wie vor haptische Lautstärkeknöpfe am iPhone hat? Hm? Hmmm???

Sei es drum. Die Sitze sind extrem gemütlich und bieten guten Seitenhalt. In der Basis wurden hier in Kooperation mit Seaqual nachhaltige Stoff gewählt, die aus Meeres-Plastikmüll gewonnen werden. Für das gute Gewissen wurde also auch gesorgt. Allgemein verzichtet man auf echtes Leder- auch in den höheren Optionen.

In der Aufpreisliste empfehlenswert sind die Wärmepumpe für eine Reichweitenoptimierung (999,00 Euro), das Tech M Paket (550,00 Euro) für einen schlüsselfreien Zugang und das Pilot L Pack (1.800,00 Euro) in der alle wichtigen Sicherheitsassistenten wie Lane Assist, Fernlichtassistent oder ACC inkludiert sind.

2022 Cupra Born Testdrive | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Cupra Born | Bis zu 231 PS auf die Hinterräder

Freudigerweise ist mit dem Boom des Elektroantriebs auch die Umstellung von Front auf Hinterradantrieb gekommen. Dadurch kann das bei E-Autos quasi sofort anstehende Drehmoment optimal in Vortrieb umgesetzt werden. In unserem Fall gab es bis zu 310 Nm auf die Antriebsachse die den 204 PS / 150 kW starken Spanier in 7,3 Sekunden nach vorne sprinten lassen. In der Basis gibt es 150 PS, maximal sind 231 PS drin.

Abhängig vom Akku sind zwischen 340 und 540 Kilometer an Reichweite möglich. Auch ist die Ladegeschwindigkeit abhängig von der Größe. Die kleinste Variante nuckelt den Strom mit maximal 110 kW, die 58 kWh -Variante bringt es auf 120 kW und mit 77 kW darf im Idealfall sogar mit 170 kW geladen werden. Also insgesamt durchaus reisetauglich, auch wenn man sich erst mit der Vmax von 160 km/h anfreunden muss.

2022 Cupra Born | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Cupra Born | Kurvenfreundlich

Das Problem an E-Fahrzeugen? Sie sind bockschwer. Auch der Born hat über 1,7 Tonnen mit sich rumzuschleppen. Aber: Die Batterien liegen im Fahrzeug-Boden, erzeugen einen niedrigen Schwerpunkt. Nächster Vorteil. Das Drehmoment zerrt den Born auf Wunsch dermaßen giftig nach vorne, dass sämtlicher Hüftspeck schnell vergessen ist. Und dank Hinterradantrieb, direkter Lenkung und einem absolut souveränen Fahrwerk gibt er sich auch jenseits der Geraden keine Blöße. Im Gegenteil. Im B Modus wird fleißig Bremsenergie rekuperiert. Schade nur, dass man hier auch auf das grandiose One-Pedal-Driving verzichtet hat. Aber man kann ja nicht alles haben.

Man kann sagen, er kann so souverän und brav wie der ID.3 aber in der Querdynamik treibt der Born seinem Bruder die Schamröte ins Gesicht. Wenn E-Autos mit dermaßen viel Gewicht im Gepäck schon so viel Freude machen, wie wird es dann erst in ein paar Jahren sein, wenn die Entwicklung nochmal einen ganz anderen Stand hat? Ich persönlich freu mich schon darauf. 

2022 Cupra Born Testdrive | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Fazit Cupra Born | Bestseller-Potential

Langsam muss es Volkswagen doch peinlich werden, dass die Tochterfirmen Skoda und Seat / Cupra immer wieder zeigen, wie man es besser macht. Der CUPRA Born hat absolut das Zeug zum Bestseller, da besteht kein Zweifel. Derzeit ist nur die 150 kW Variante im Konfigurator verfügbar. Preislich geht es derzeit los ab 37.220,00 Euro. Die Einstiegsvariante dürfte nochmal ein paar Euro einsparen.

Credits

Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures

2022 Cupra Born Testdrive | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures
Technische Daten 2022 Cupra Born (204 PS / 150 kW)
MotorElektro
BatterieLithium-Ionen (58 kWh)
AntriebHinterrad
Leistung204 PS (150 kW)
maximales Drehmoment310 Nm
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h7,3 Sekunden
Länge4.322 mm
Breite2.070 mm
Höhe1.540 mm
Leergewicht1.736 kg
Kofferraumvolumen385 Liter
Kofferraumvolumen maximal1.267 Liter
Maximale Ladeleistung120 kW
Ladezeit 0 auf 80 % (11 kW Dreiphasen-Wechselstrom)6h 15min
Ladezeit 0 auf 80 % (35 kW Gleichstrom)35 Minuten
Verbrauch kombiniert17,6-15,2 kWh/100 km
CO2 Emissionen0 g/km
EnergieeffizienzklasseA+++
Reichweite (WLTP)424 Kilometer
Verbrauch (WLTP)16,8-15.5 kWh/100 km
Preisab 37.220,00 Euro
Mehr Infos zum Cupra BornHerstellerseite
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