Foto: Dietmar Stanka

Ein Fahrbericht von Dietmar Stanka

16.000 Optima verkauft Kia jeden Monat in den USA. Lächerlich erscheint dagegen die Zahl von 221 Stück, die bis dato den Weg zu einem deutschen Kunden gefunden haben. Dabei ist die D-Segment-Limousine des südkoreanischen Autoherstellers ein richtig schickes Auto. Und nun auch noch mit so etwas ähnlichen wie einem alternativen Antrieb zu bekommen. Okay, noch nicht gleich, aber ab Anfang 2013. Bestellen geht aber schon mal, vorausgesetzt unser Fahrbericht weckt genügend Sympathie für den Optima Hybrid.

Der Auftritt

Es scheint im Moment in zu sein, als Importeur den schwer umkämpften Markt der Mittelklasse-Limousinen zu fluten. Wie, schwer umkämpft? Limousinen sind in Deutschland doch schon längst von Kombis überholt und abgehängt worden und da wagen sich, wohl zum Trotz, fast alle Hersteller aus dem Ausland, auf dieses dünne Eis. Nun denn, Glück auf. Kia hat es zumindest verstanden, den Optima von seinem Chefdesigner Peter Schreyer ausgesprochen stylisch zu gestalten. Modern die Coupé-haft geschnittene Karosse. Präsent der „Tigernose“ genannte Kühlergrill und am Heck darf der Optima, der besseren Aerodynamik wegen, eine kleine Abrisskante tragen.

Foto: Dietmar Stanka

Innen ist der Optima ebenfalls gelungen. Angenehme Sitzpositionen, für die Fondpassagiere außergewöhnlich viel Fußraum und ein aufgeräumtes Cockpit zieren den Optima. Im Gesamtpaket ist der Optima für Kia schon so eine Art Vorzeigeobjekt. Ganz nach dem Motto, schaut mal her, was wir alles können.

Die Technik

Vollhybrid ist das Stichwort. Unsere geneigten Leser wissen was das bedeutet. Dieses Fahrzeug kann elektrisch fahren. Nach Angaben von Kia mit voller Batterie zwischen 1 und 2 Kilometern. Und angeblich auch bis zu 100 km/h schnell. Hat bei unserer ersten Ausfahrt im Rheingau bei Regen und Temperaturen um die 10 Grad beides nicht geklappt. Zur Ehrenrettung von Kia muss dazu gesagt werden, dass die Batterie beim Start der Testfahrt fast leer war.

Noch eine Angabe von Kia, die nicht erreicht wurde. Der Durchschnittsverbrauch des Optima Hybrid soll bei 5,4 Litern liegen. Nach gut 1,5 Stunden über Land und durch Städte und Gemeinden sowie ein paar Autobahnkilometern verriet uns der Bordcomputer einen Benzindurchfluss von 7,3 Litern. Und das bei durchaus bewusster Fahrweise mit nur einigen Beschleunigungsorgien, um die Systemleistung von insgesamt 140 kW (190 PS) und das satte Drehmoment von 385 Nm auszureizen.

Foto: Dietmar Stanka

Doch die Orgie war eher ein bescheidenes Abendmahl, was auch die von Kia angegebene Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,4 Sekunden deutlich unterstreicht. Die gesamte Leistung setzt sich aus einem 2-Liter-Benziner mit 110 kW (150 PS) und einem Elektromotor mit 30 kW (40 PS) zusammen. In der Spitze soll der Optima Hybrid 192 km/h erreichen, dann aber mit deutlich höherem Verbrauch, als bei unserer Testfahrt.

So ist der Optima Hybrid auch wegen des recht weichen Fahrwerks, das eher „Interstate proved“, als Nürburgring getestet ist, ein Automobil für den Cruiser mit einem Faible für schönes Design.

Die Ausstattung

Kia lässt, wie so oft, selbst bei der Grundausstattung Attract nicht viel aus, was Sinn und Zweck hat. Die obligatorischen Sicherheitsfeatures, wie zum Beispiel sechs Airbags, ABS, ESC und die sinnvolle Berganfahrhilfe sind ebenso an Bord, wie ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Sitzheizung für die vordere Bestuhlung und sogar Bluetooth sowie ein Multifunktionslenkrad. Das ganze im Paket für 29.990 Euro, sozusagen Kampfpreis, denn es ist noch lange nicht alles aufgezählt, was sonst noch im Kia Optima Hybrid steckt.

Foto: Dietmar Stanka

Da fragt man sich doch, ob man zwingend den 33.990 Euro teuren Edition 7 bzw. den 35.990 Euro kostenden Spirit erwerben muss. Gut, anstatt der 205er auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen sind 215er auf 17-Zöllern montiert. Zudem leuchten im Spirit Bi-Xenon-Scheinwerfer die Straßen aus und die Passagiere können sich auf Teilledersitzen rekeln. Vielleicht sprechen weitere zwei Gründe für die höhere Investition. In beiden gehobenen Modellen sind ein Soundsystem von Inifinity sowie ein Navigationssystem verbaut.

Fazit

Der Kia Optima Hybrid ist eine durchaus beachtenswerte Alternative im immer größer werdenden Angebot der Fahrzeuge dieses Segments. Ganz klar sprechen Ausstattung, Aussehen und gute Verarbeitung für den Südkoreaner. Außerdem arbeitet im Optima eine zusammen mit LG entwickelte Lithium-Polymer-Batterie (LiPo), die im Vergleich zu herkömmlichen Nickel-Metallhybrid-Batterien nicht nur leichter und kleiner ist, sondern auch eine geringere Selbstentladung aufweist. Dagegen sprechen dagegen der recht laute Motor und das für unsere Verhältnisse zu weich gespülte Fahrwerk. Vielleicht wäre es ja, zumindest was den Motor angeht, besser gewesen, auch in Europa den 2,4-Liter-Benziner aus den USA einzubauen. (ds)

 

Technische Daten: Kia Optima Hybrid Attract

 

Motor: 4-Zylinder-Benziner mit Vollhybrid

Getriebe: Sechsgang-Automatik

Hubraum: 1.999 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min: 140 kW (190 PS)/6.000

Inkl. Elektromotor: 30 kW (40 PS) bei 1.400 – 6.000

Max. Drehmoment: 385 Nm

Länge/Breite/Höhe: 4.483/1.830/1.455 in mm

Radstand: 2.795 in mm

Leergewicht: 1.662 kg

Zul. Gesamtgewicht: 2.050 kg

Kofferrauminhalt: 381 l

Bereifung: 205/65 R 16

Felgen: 6,5 x 16? Leichtmetall

Beschleunigung: 9,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h

Tankinhalt: 65 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,4 Liter auf 100 km

Preis: 29.990 Euro inkl. MwSt.