Foto: Dietmar Stanka

 

Ein Fahrbericht von Dietmar Stanka

Welch ein Frevel. In einen dem Fahrspaß und der Sportlichkeit verpflichteten Roadster einen Diesel einzubauen! Ja, geht’s noch? Klar und zwar mit so viel Fahrspaß und Sportlichkeit verbunden, dass sich mancher Benziner unter den Roadstern die Tränen aus den Augen wischen wird. Mercedes hat dem SLK im letzten Herbst einen weiteren Motor spendiert. Den 2,2-Liter-Diesel, der mit 150 kW (204 PS) die Leistungswerte des um 2.400 Euro teureren 250er SLK erreicht. Dabei aber mit einem Drehmoment von 500 Nm den Benziner (310 Nm) absolut in die Schranken weist.

Gefühlswelten

Was hat die Stuttgarter bloß bewogen, einen Dieselmotor in einen Roadster zu pflanzen? Nun, es sind die logischen Konsequenzen vieler Betrachtungen. Ein Roadster muss ja nicht zwingend nur zum wochenendlichen Cruisen benutzt werden. Er darf durchaus auch zum Langstreckenfahrzeug mutieren, das einem Handelsreisenden Spaß bereitet. Zudem ist der SLK 250 CDI der einzige Vertreter in seinem Segment und liegt preislich klug positioniert zwischen dem schwächeren 200er und dem gleichstarken 250er Benziner.

Leise Dieselgeräusche dringen nach dem Kaltstart ans Ohr. Egal ob das Dach geschlossen oder offen ist. Dieser typische Sound weicht nach wenigen Metern einem angenehm sonoren Klang. Vor allem im geschlossenen Zustand ist der SLK ein Muster für herausragende Arbeit an der Geräuschdämmung. Selbst bei laut Tacho erreichten 254 km/h benimmt sich der Roadster wie eine wesentlich teurere Limousine. Bei so viel Highspeed saugt der mit einem Durchschnittsverbrauch von 5 Litern auf 100 km bezifferte SLK gerne ein bisschen mehr durch die Piezodüsen. Im Schnitt kamen wir auf unseren Testfahrten auf etwas unter 7 Liter. Durchaus akzeptabel bei dem Mix aus Stadtverkehr, in dem sich die Start-Stopp-Automatik bewährt hat und flotter Fahrweise außerhalb geschlossener Ortschaften.

Foto: Dietmar Stanka

 

Im offenen Modus lassen sich mehrere Aggregatzustände erkennen. Fenster hoch, Windschott montiert, Geschwindigkeit bis etwas mehr als Landstraßentempo, absolute Ruhe. Fenster runter, Windschott weg und mehr Gas, Feuer frei, ergibt herrliches Haare zerzauseln. Angenehm bei kälteren Temperaturen ist im SLK der mittlerweile kopierte Airscarf, der für einen Aufpreis von knapp 500 Euro den Nacken- und Schulterbereich mit warmer Luft umflutet.

Einsteigen und sich wohlfühlen. Die zwei Sitzplätze des SLK sind auf Maß geschneidert. Slim fit nannten wir es im letzten Jahr, als der neue SLK in den Markt eingeführt wurde. Ablageflächen und Fächer erleichtern das Verstauen vieler Kleinigkeiten. Das Cockpit ist ergonomisch klar strukturiert, sämtliche Bedieneinheiten logisch angeordnet. Üblicherweise kosten nette Annehmlichkeiten wie Cupholder (59,50 Euro), Analoguhr (261,80 Euro) oder Regensensor (130,90 Euro) zum Teil viel Geld. Aber so einen SLK kauft man sich im Regelfall für eine längere Nutzungsdauer, da darf es dann gerne ein bisserl mehr sein.

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Erscheinung

Breit, satt, tief. Der SLK der dritten Generation hat an Dynamik gewonnen. Die sich aber nicht nur in der äußeren Erscheinung wiederfindet. Das Dieseltriebwerk ist harmonisch mit dem optional erhältlichen Automatikgetriebe 7G-TRONIC PLUS abgestimmt. Drei Modi (Eco, Sport und Manuell) sind nach Belieben einstellbar und über die Schaltpaddels am Lenkrad kann jederzeit in die Schaltvorgänge eingegriffen werden. 2.427,60 Euro kostet der Spaß, der aber jeden Cent wert ist. Denn in sechs Gängen manuell rühren, muss in einem Roadster dieser Güte nun wirklich nicht sein.

243 km/h angegebene Höchstgeschwindigkeit, wie oben erwähnt laut Tachoangabe geknackt. 6,7 Sekunden auf die magischen 100 km/h.  Der Elastizitätswert, wichtig bei Überholvorgängen im Geschwindigkeitsbereich von 80 – 120 km/h, in 4,3 Sekunden erreicht. Der Diesel-Roadster erfüllt damit sämtliche Erwartungen, die an ein Fahrzeug dieses Segments gestellt werden. Souverän in jeder Lebenslage sozusagen, egal ob beim Cruisen im 7. Gang oder auf heißer Kurvenhatz mit qualmenden Reifen. Und dies auch mit dem serienmäßigen Fahrwerk, das auf Wunsch entweder durch ein Sportfahrwerk oder das adaptiv arbeitende Fahrdynamik-System, gegen Aufpreis versteht sich, ersetzt werden kann.

Foto: Dietmar Stanka

 

Das Dach des SLK öffnet und schließt sich in rund 20 Sekunden und ist serienmäßig in Wagenfarbe lackiert. Alternativ steht ein Panorama-Variodach mit dunkel getöntem Glas zur Wahl. Die interessante Variante ist jedoch das Panorama-Variodach mit MAGIC SKY CONTROL. Dieses lässt sich auf Knopfdruck entweder hell oder dunkel schalten. Im ersten Modus ist es fast komplett durchsichtig, im zweiten blockt es die Sonne und verhindert das Aufheizen des Innenraums.

Fazit

Was eine Harmonie. Ein dynamisch gestylter Roadster mit einem mindestens genauso dynamischen Selbstzünder unter der Haube. Durch den Basispreis von 39.440,90 Euro kostet er nur rund 700 Euro mehr als der 200er SLK. Das ganze verpackt in einer Hülle, die Sportlichkeit nicht nur suggeriert. Bei vollem Einsatz des Drehmoments von 500 Nm quietschen die Reifen auch bei eingeschalteten ESP. Wird ESP entkoppelt, lassen sich auch herrliche Drifts realisieren, Sportlerherz was willst Du mehr? (ds)

Foto: Dietmar Stanka

 

 

Technische Daten: Mercedes-Benz SLK 250 CDI BlueEFFICIENC

Motor: 4-Zylinder-Diesel

Getriebe: 7G-TRONIC PLUS (optional im u.a. Preis enthalten)

Hubraum: 2.143 ccm

Leistung in kW/PS bei xy U/min: 150 kW (204 PS)/4.200

Max. Drehmoment: 500 Nm bei 1.600 – 1.800 Umdrehungen pro Minute

Länge/Breite/Höhe: 4.134/1.810/1.301 in mm

Radstand: 2.430 in mm

Leergewicht: 1.590 kg

Zul. Gesamtgewicht: 1.905 kg

Kofferrauminhalt: 225 – 335 l

Bereifung: 205/55 R16 vorne, 225/55 R16 hinten

Felgen: 7 x 16? Leichtmetall

Beschleunigung: 6,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 243 km/h

Tankinhalt: 60 l

Kraftstoffverbrauch kombinierter Verkehr: 5,0 l auf 100 km

Preis: 41.828,50 Euro inkl. MwSt.

 

Foto: Dietmar Stanka