Eins ist klar. Wenn dein Comic Held der Jugend auf einmal auf der großen Kinoleinwand mit einem Audi e-tron GT vorgefahren kommt, dann weckt das – zumindest in mir – Begehrlichkeiten. Und zwar die Art von Begehrlichkeit sich einmal ein wenig wie Tony Stark alias Iron Man zu fühlen. Audi hatte Erbarmen und ließ ihn mich fahren – gerade mal zwei Wochen nach der offiziellen Weltpremiere.

Anzeige:

Das Design des Audi e-tron GT quattro | Meisterwerk

Da steht er nun: 4,99 lang, 1,96 Meter breit und gerade mal 1,41 Meter hoch, mindestens 99.800 Euro teuer. Eine Linienführung wie von einem anderen Stern. Mit einer so gelungenen Zeichnung, dass dieses Auto dank der früh abfallenden Linie tatsächlich das Prädikat Coupe verdient, auch wenn da vier Türen vorhanden sind. In den Radkästen schlummern auf Wunsch bis zu 21-Zoll große Walzen die für eine perfekte Aerodynamik abgestimmt sind und dahinter gibt es ordentlich Bremskraft um die knapp 2,3 Tonnen Lebendgewicht im Zaum zu halten.

Genauso verführerisch präsentieren sich Front und Heck die mit der für Audi schon fast obligatorischen LED-Lichtverspieltheit verbaut wurde. In der Front gibt es auf Wunsch Matrix-Laser Licht und das Tagfahrlicht wurde so gestaltet, dass dich zwei künstliche Augen anstarren. Da der Kühlergrill hier wegfällt, wurde konnten die Designer auch hier ihre Qualitäten spielen lassen. Gegen den Audi e-tron GT schaut ein Tesla Models S in der Front wie ein hilfloses Opfer aus.

Böser schaut nur noch der Porsche Taycan, der sich zwar die gleich Bauplattform teilt aber dennoch Wert darauf legt ein komplett anderes Auto zu sein. Laut Audi ist am Exterieur gerade mal die Windschutzscheibe baugleich mit dem Zuffenhausener Flitzer. Das Heck bildet dank breiter Backen und einem über die gesamte Länge gezogene Leuchtband einen gelungenen Abschluss. Aber auch hier gilt – „Form follows Function“. Und deswegen gibt es einen Cw Wert von gerade mal 0,24 gleich mal serienmäßig mit obendrauf.

Das Interieur des Audi e-tron GT | Erstaunlich untouchy

Während andere Hersteller, allen voran Mercedes-Benz gerade dem Tesla Riesen-Touchy- Touchy-Trend hinterherhecheln geht Audi hier tatsächlich einen Schritt zurück und präsentiert im Innenraum den perfekten Mix aus Lounge-Charakter und neuster Technik. Dabei ist das Touch-Display in der Mittelkonsole perfekt in die Konsole integriert worden und darunter gibt es tatsächlich Knöpfe für die Bedienung der Klimaanlage.

Man mag es kaum glauben, dass gerade die technik-verliebten diesen wunderbaren Schritt zurückgegangen sind. Denn sind wir mal ehrlich: Am Handy herumfummeln dürfen wir nicht während der Fahrt aber ein Touchscreen ohne fehlende Haptik bedienen ist erlaubt. Irgendwie eine Logik der man nicht ganz folgen kann. Auch hinter dem Lenkrad ist ein hochauflösendes Display platziert worden welches verschiedene Ansichten bietet. Besonderes Highlight in unserem Testwagen ist das lederfreie Innenleben. Statt Leder kommt hier Kunstleder, Alcantara und recycelter Stoff zum Einsatz.

Und ganz ehrlich – die Stoffsitze waren ohne jeglichen Öko-Gedanken meine Favoriten. Dazu kommt noch stimmiges dunkles Holz, dass so gar nicht nach Opa ausschaut. Trotz der abfallenden Dachlinie bietet auch der Fond erstaunlich viel Kopffreiheit auch, wenn der Einstieg dann nicht ganz so der bequemste ist. Die Kofferraumluke ist klein, schluckt aber genüsslich bis zu 405 Liter.

Beeindruckende Fahrleistungen im Audi e-tron GT quattro

Was uns nun langsam zu dem bringt, was unter der Haube steckt. Erstmal – gähnende Leere- genauer gesagt mehr Kofferraumvolumen. Denn die Power steckt im Unterboden. Ein mächtiges Batteriepackage mit einer Batteriekapazität von 85,2 kWh (netto) entfesselt 476 Pferde (350 kW) und ein geballtes maximales Drehmoment von bis zu 630 Nm die sich hemmungslos auf alle vier Räder verteilen und den Ingolstädter in gerade mal 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h schießen lassen.

Im Boost Mode sind sogar 4,1 Sekunden drin. Der Topspeed liegt bei 245 km/h dann wird aber fleißig an der Batterie genuckelt so dass der GT-Charakter in weite Ferne zieht. Alternativ gibt es auch noch die 598 PS (440 kW) starke RS (ab 138.200 Euro) Variante die die 100 km/h Marke in gerade Mal 3,3 Sekunden hinter sich lässt. Das maximale Drehmoment liegt hier bei 830 Nm – der Topspeed wird mit 250 km/h angegeben.

Ich für meinen Teil habe es nicht eilig gehabt. Ich wollte dieses Auto als echten Gran Turismo erleben. Risikofreudig wie ich bin habe ich mich einfach mal darauf eingelassen, dass die maximale Reichweite hier mit bis zu 487 Kilometern angegeben wird. Also warum nicht mal ins knapp 150 Kilometer entfernte Sankt Peter-Ording. Also jenem Ort wo solche Begriffe wie Elektroautos oder gar Schnellader geradezu verpönt sind. Mir bleibt nur darauf zu vertrauen, dass die Jungs hier gute Arbeit geleistet haben.

Also ab in den Efficency Modus. Dieser sorgt dafür, dass alle Systeme extrem effektiv und somit sparsam arbeiten. Dazu senkt sich die Karosserie nochmal ab was dem Auto eine noch spaßigere Silhouette gibt. Die Höchstgeschwindigkeit ist hier auf 140 km/h begrenzt welche durch einen beherzten Kickdown durchbrochen werden kann. Perfekt! Genau mein Elektrotestmuster. Nicht schleichen nicht rasen – einfach plus minus Richtgeschwindigkeit.

Und tatsächlich schafft es der Audi e-tron GT quattro spielend Sankt Peter-Ording zu erreichen und dabei noch deutlich über die Hälfte an Power intus zu haben. Also Knipps Knipps und fix zurück nach Hamburg. Ich bin etwas mutiger. Spiele mit den verschiedenen Fahrmodi rum, genieße die erstaunliche Kurvendynamik, die das Gewicht irgendwo links liegen lässt. Erstaunlich ist übrigens, dass Audi die Kennlinie im Gegensatz zur Konkurrenz etwas Verbrenner-Like gestaltet hat. Soll heißen das Auto explodiert nicht sofort, sondern baut künstlich Drehmoment auf. Durchaus ein pfiffiger Ansatz um alten Hasen Elektromobilität etwas schmackhafter zu machen.

Auf der Autobahn angekommen werde ich richtig bekloppt und lasse Gaspedal und Fußboden in inniger Amore verweilen. Und hier entlädt sich die volle Dynamik. Die Vmax ist rasend schnell erreicht nur leider sinkt auch die Reichweite innerhalb von Minuten auf einen kritischen Level. Also Fuß vom Gas, ab in den Efficency Mode und etwas gechillter in die Hansestadt. Etwas was mich anfangs an E-Autos nervte mich aber mittlerweile irgendwie auch deutlich entschleunigt hat. Hetzen auf der Autobahn ist eh out.

Einen GT – und das will dieses Auto ja nun mal auch sein – überzeugt primär dadurch, dass er unfassbar viel Leistungsreserven hat aber, dass er am liebsten kommod behandelt werden will. Genau das verkörpert der Audi e-tron GT perfekt. Und tatsächlich, trotz meines kurzen Übermuts schafft es der Audi e-tron GT wieder problemlos bis nach Hamburg. Eine 300 Kilometer Tour und immer noch ausreichend Saft auf dem Akku. Ohne Vollgas sind ihm 400 zuzutrauen. Alles darüber – muss man mal im Alltag sehen. Hat man übrigens das Vergnügen auf eine Ionity-E-Tanke zu treffen lädt die schicke Limousine mit bis zu 270 kW in gerade mal 22 Minuten auf 80 Prozent auf.

Fazit: Einmal so cool wie Tony Stark sein – Check!

Es hat ein wenig Anlauf gebraucht aber Audi mit dem e-tron GT ein wirklich heißen Eisen im Feuer um sich mit dem Tesla Model S anlegen zu können. Elon Musk dürfte langsam nervös werden, schließlich greift Iron Man höchstpersönlich an.

Credits

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos: marioroman pictures

Das sagen die Kollegen