Drei Displays im Fokus: Das Cockpit des neuen AMG GT 4-Türer setzt klar auf digitale Inszenierung.
Der Mercedes-AMG GT 4-Türer hat den Schwaben bislang weder besonderes Prestige noch überragende Verkaufszahlen beschert. Trotzdem scheint Mercedes-AMG nicht bereit zu sein, das Konzept aufzugeben. Nun präsentieren die Entwickler das Interieur der kommenden Generation und zeigen erneut eine Richtung, die am möglichen Käufer zumindest teilweise vorbeigehen könnte.
Denn die Cockpitzentrale fällt vor allem durch eines auf: Ablenkung. Gleich drei Bildschirme mit vergleichsweise breiten Rändern dominieren das Armaturenbrett und werfen zusammen mit einer umfangreichen Ambientebeleuchtung ihr Licht auf Fahrer und Beifahrer. Schon in Modellen wie der S-Klasse wirkt dieses Konzept mitunter überinszeniert. In einem performanceorientierten Fahrzeug wie dem AMG GT 4-Türer erscheint es jedoch noch fragwürdiger. Während andere Hersteller, darunter auch einige technologisch ambitionierte Marken aus China, wieder stärker auf physische Bedienelemente setzen, hält Mercedes weitgehend an der Touchscreen-Philosophie fest.

Immerhin gibt es in der Mittelkonsole drei physische Drehregler, sowie einige weitere kleine Drücker und Regler. Sie steuern Parameter wie das Ansprechverhalten der Elektromotoren, die Agilität des Fahrzeugs und die Traktionskontrolle. Für einen Rennfahrer oder einen ambitionierten Nordschleifenbesucher mag das interessant sein. Für den typischen Käufer eines viertürigen AMG-Gran-Turismo dürfte es dagegen eher als technisches Schaufenster dienen. Und die Ausflüge von Menschen, die Fahrzeuge wie den GT-Türer jemals auf dem Rennasphalt bewegen werden, dürften sich außerhalb von Testfahrten, Journalisten-Vorstellungen und einigen Fahrsicherheitstrainings praktisch gegen null bewegen.
Auch wenn wir Zitate normalerweise vermeiden, passt dieses hier fast zu gut zum Thema:„Beim neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé haben wir jedes Detail im Innenraum konsequent auf Performance ausgerichtet und mit höchster Präzision umgesetzt. Das Interieur zeigt schon im Stand, wozu der künftige GT 4-Türer fähig ist, und macht die Fahrdynamik des Fahrzeugs unmittelbar erlebbar. Es schafft maximale Kontrolle und ermöglicht ein typisches AMG Fahrerlebnis, das den Puls höherschlagen lässt.“ Michael Schiebe, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG und Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH.

Die zentrale Frage bleibt jedoch bestehen: Wie soll ein High-Performance-Fahrzeug maximale Kontrolle bieten, wenn der Innenraum gleichzeitig von Displays und Lichteffekten dominiert wird? Dazu kommt die ästhetische Seite. Alles, was berührbar ist, sammelt Fingerabdrücke. Und wenn diese Flächen zusätzlich aus glänzenden Materialien bestehen, ist der nächste Reinigungseinsatz praktisch garantiert.
Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die neue Generation des AMG GT 4-Türers im Markt behaupten wird. Eine stilistisch ruhigere und stärker fahrerorientierte Lösung, wie sie früher Modelle wie der CLS verkörperten, könnte langfristig näher an dem liegen, was viele Käufer von einem Gran Turismo erwarten. Und der wird am Ende entscheiden.









Fanaticar Magazin | Fotos: Mercedes-Benz



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