Der Rüsselsheimer Frechdachs ist wieder da. Mit dem Opel Corsa GSE kommt endlich wieder ein kompakter Hot Hatch mit Blitz. Vollelektrisch, dafür aber mit 207 kW (281 PS), mechanischer Sperre und einem 5,5-Sekunden-Sprint von 0 auf 100 km/h. Kann er überzeugen?
Optisch gibt es mit dem regulären Opel Corsa bereits eine schicke Vorlage, die für den GSE nur noch auf sportliche Dynamik getrimmt werden musste. Dazu gehört ein tiefergelegtes Sportfahrwerk mit spezifisch abgestimmten Achsen, Stabilisatoren und Hydro-Stoßdämpfern.

Die verbreiterten Radhäuser setzen sich mit ihrer schwarzen Optik deutlich von der Karosserie ab und lassen auch die serienmäßigen 18-Zöller entsprechend kräftiger wirken. Aufgezogen sind Michelin Pilot Sport 4S im Format 215/40 R18. Die Felgen selbst sind eine Hommage an den ersten Corsa GSi und dahinter lugt eine ernst gemeinte Alcon-Performance-Bremsanlage mit Vierkolben-Sätteln und mächtigen 355-Millimeter-Scheiben hervor.
Schwarzes Dach und Heckspoiler sorgen für eine zusätzliche Portion Sportlichkeit. Auch Front- und Heckschürze wurden entsprechend dynamischer gestaltet. Insgesamt wirkt der GSE sportlich, ohne den Corsa unnötig zu verkleiden.
Im Innenraum fallen sofort die Karo-Stoffmuster der Performance-Sitze ins Auge. Auch hier zitiert Opel die eigene sportliche Vergangenheit. Die Seitenbereiche setzen auf Alcantara, ebenso findet sich das Material am Lenkrad und an den Türverkleidungen. Dazu gibt es auffällig gelbe Sicherheitsgurte, Alu-Sportpedale und GSE-spezifische Anzeigen. Ansonsten bleibt es beim bekannten Corsa-Layout samt zentralem 10-Zoll-Touchscreen.

281 PS treffen auf die Vorderachse
Wie fährt er sich nun? Erst einmal verdammt schnell von 0 auf 100 km/h. Die 5,5 Sekunden machen den Corsa GSE zum aktuell schnellsten Sprinter in der Opel?Familie. Historisch ist er allerdings nicht der Rekordhalter. Der legendäre Lotus Omega benötigte bereits 5,4 Sekunden, der Opel Speedster Turbo später sogar nur 4,9 Sekunden.
Auf der Autobahn hätten beide ohnehin leichtes Spiel, denn der Corsa GSE macht bereits bei 180 km/h Schluss. Das sind sogar 8 km/h weniger als beim ersten, gerade einmal 100 PS starken Corsa A GSi. Der schaffte bereits 1988 immerhin 188 km/h. Und auch der Mokka GSE darf trotz weitgehend identischer Antriebstechnik schneller fahren. Laut Opel machen dem Corsa ausgerechnet die kleineren 18-Zoll-Räder einen Strich durch die Vollgas-Rechnung. Bis dahin darf er sich aber ungeniert austoben. Und sind wir mal ehrlich: Tempo 180+ ist ohnehin ein überwiegend deutsches Thema.
Für den Antrieb stehen drei Fahrmodi bereit, die beim GSE nicht nur die Charakteristik, sondern tatsächlich auch die verfügbare Leistung verändern. Im Eco-Modus stehen 140 kW (190 PS), 300 Nm und maximal 150 km/h zur Verfügung. Normal erhöht auf 170 kW (231 PS), 345 Nm und 180 km/h. Erst Sport entfesselt die vollen 207 kW (281 PS) und ebenfalls 345 Nm.

Die 51 kWh netto fassende Batterie ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 374 Kilometern. Weniger sportlich fällt allerdings der anschließende Ladestopp aus. Mit maximal 100 kW DC gehört der Corsa GSE 2026 nicht gerade zu den Schnellladern. Von 20 auf 80 Prozent vergehen rund 30 Minuten. Immerhin sind bis zu 11 kW AC möglich. Wer angesichts des GSE-Schriftzugs auf moderne 800-Volt-Technik und Ladeleistungen jenseits der 200-kW-Marke gehofft hat, wird enttäuscht. Beim Laden bleibt der neue Top-Corsa technisch auf dem Niveau seiner deutlich schwächeren elektrischen Geschwister.
Die Gasannahme wird mit jeder Fahrstufe deutlich lebendiger, die Lenkung direkter. Letztere dürfte für meinen Geschmack allerdings gerne etwas schwergängiger sein. Gerade bei höherem Tempo verleitet die leichte Abstimmung zu unnötigen kleinen Korrekturen. Dafür krallen sich die Michelin Pilot Sport 4S geradezu verbissen in den Asphalt, während das mechanische Torsen-Sperrdifferenzial die 281 PS erstaunlich effektiv auf die Vorderachse bringt. Selbst unter Last hält der rund 1,55 Tonnen schwere GSE frontantriebstypisches Untersteuern erstaunlich lange im Zaum und bleibt dabei weitgehend neutral.
Opel verweist hier auf zahlreiche Feinabstimmungen, unter anderem auf der Nordschleife. Tatsächlich soll der Rüsselsheimer laut Opel sogar bis zu zwei Runden auf der Nordschleife ohne Leistungsverlust schaffen. Müssen wir erst einmal glauben, denn selbst deutlich potentere Elektroautos kommen bei dauerhafter Volllast irgendwann an ihre thermischen Grenzen. Überprüfen konnten wir diese Aussage im Rahmen der Fahrveranstaltung nicht. Immerhin wurde laut Opel auch das Temperaturmanagement der Batterie speziell an die höheren GSE-Anforderungen angepasst.

Lieber Landstraße als Rennstrecke
Trotzdem sollte man den Corsa GSE im Gegensatz zu Corsa D und E OPC nicht unbedingt als Tracktool verstehen. Vielmehr ist er ein verdammt schneller und wendiger Landstraßendynamiker. Als bekennendem Fan des Corsa OPC Nürburgring Edition fehlt mir ein wenig das Gift, das letzte Quäntchen Wagemut. Der GSE ist schnell, effektiv und erstaunlich kompetent, aber eben sehr kontrolliert.
Im Alltag gibt sich der Opel Corsa GSE entsprechend entspannt. Die Performance-Sitze taugen auch für längere Strecken und der elektrische Antrieb macht ihn außerhalb der Spaßrunde zum unkomplizierten Begleiter. Seine straffe Fahrwerksauslegung kann er allerdings nicht verstecken. Grober Asphalt gehört definitiv nicht zu seinen besten Freunden.
Mit dem Corsa GSE wird Opel ein ähnliches Problem haben wie Volkswagen mit dem kommenden ID. Polo GTI. Die Verbrenner-Vorgänger dieser kleinen Sportler wurden eben nicht nur auf kurvigen Landstraßen bewegt. Sie durften auch längere Autobahnetappen absolvieren und gelegentlich auf die Rennstrecke.
All das kann der Corsa GSE grundsätzlich ebenfalls. Nur eben mit Einschränkungen. Für das konsequente Tracktool fehlen ihm die letzte Ausdauer und Konsequenz, für die Langstrecke Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Reisetempo und für die Stadt ist er mit 281 PS eigentlich hoffnungslos übermotorisiert. Aber sind wir mal ehrlich: Genau darum geht es bei einem Hot Hatch auch nicht.

Das eigentliche Problem ist der Preis
Und damit kommen wir zum schwierigsten Punkt: dem Preis. Mindestens 39.990 Euro sind für einen Opel Corsa eine Ansage. Und ausgerechnet hier drängt sich der Vergleich mit seinem Vorgänger auf. Der nach wie vor grandiose Corsa E OPC startete seinerzeit bei 24.395 EUR. Natürlich liegen zwischen beiden Fahrzeugen mehr als zehn Jahre, eine komplett andere Antriebstechnologie und eine gehörige Portion Inflation. Trotzdem sprechen wir über rund 15.000 EUR Unterschied.
Dafür ist der neue GSE erheblich stärker und beschleunigt deutlich schneller. Gleichzeitig ist er aber schwerer, langsamer in der Spitze und muss mit den bekannten Einschränkungen eines kleinen Elektroautos auf der Langstrecke leben. Der alte OPC bot zudem bereits ein aufwendiges FSD-Fahrwerk und war vorrangig eines: ein kompromissloser kleiner Krawallmacher. Beim GSE ist von dieser Unvernunft ein Stück verloren gegangen.
Und für knapp 40.000 EUR verändert sich zwangsläufig auch das Konkurrenzumfeld. Plötzlich konkurriert der Corsa nicht mehr nur mit anderen Kleinwagen wie dem Cupra Raval VZ. Für ähnliches Geld bekommt man inzwischen deutlich größere Elektroautos, teilweise mit erheblich größeren Batterien und sogar moderner 800-Volt-Technologie. Das macht den Opel Corsa GSE nicht zu einem schlechten Auto. Ganz im Gegenteil. Er ist schnell, fährt hervorragend, verfügt über ernstzunehmende Fahrwerkstechnik und zeigt, dass ein elektrischer Kleinwagen Spaß machen kann.
Man möchte den GSE mögen. Er hat es verdient. Nur macht Opel es einem mit diesem Preis unnötig schwer.










Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures



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