Mit dem Cupra Raval bringen die Spanier erstmals einen vollelektrischen Kleinwagen auf den Markt. Wir durften schon ein paar Runden mit dem 226 PS starken Topmodell VZ drehen.
Zuerst stellt sich die Frage, ob der Raval überhaupt der erste Cupra-Kleinwagen ist. Denn eigentlich brachte Seat bereits 1996 den ersten Ibiza Cupra auf den Markt, der bis 2018 über mehrere Generationen gebaut wurde. Mit der Abspaltung von Cupra als eigenständige Marke blieb dem Ibiza allerdings das Cupra Logo verwehrt. Somit ist der Raval streng genommen der erste Kleinwagen, der offiziell das Cupra-Emblem auf der Haube tragen darf.
Wie schon der jüngst vorgestellte Volkswagen ID. Polo basiert der Raval auf dem MEB+ Baukasten. Dennoch wirkt er deutlich eigenständiger als erwartet. Vor allem optisch gelingt CUPRA eine klare Abgrenzung zum Volkswagen ID. Polo. Genau das dürfte für viele Käufer entscheidend werden. Denn während Volkswagen beim ID. Polo vermutlich stärker auf Alltag und Vernunft setzt, versucht Cupra aus derselben Technik einen kompakten elektrischen Hot Hatch zu entwickeln. Wobei da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist – Stichwort GTI.

Eigenständiger Auftritt statt Konzern-Zwilling
Schon auf den ersten Blick wirkt der Raval deutlich emotionaler als viele andere Fahrzeuge dieser Klasse. Die Front mit ihrer Sharknose-Optik, scharfen Linien und aggressiven Lichtsignatur erinnert eher an ein Concept-Car als an ein typisches Elektroauto für die Stadt. Besonders gelungen wirken die matten Lackierungen. Gerade Manganese Green Matt oder Century Bronze Matt passen hervorragend zum Charakter des Fahrzeugs. Die neue Plasma-Lackierung verändert je nach Licht ihre Wirkung zwischen Cyan, Blau und Rosatönen. Visuell ein Blickfang, doch bei Lackschäden bestimmt keine Freude für die Geldbörse.
Auch das Heck fällt auf. Der markante Diffusor, die durchgehende Rückleuchte und die beleuchteten Logos sorgen für einen deutlich sportlicheren Eindruck als bei vielen Konkurrenten. Die bündig eingelassenen Türgriffe sollen laut CUPRA die Aerodynamik verbessern und sorgen tatsächlich für eine saubere Seitenlinie. Im Alltag bleiben klassische Türgriffe allerdings oft die unkompliziertere Lösung. China macht es mittlerweile vor.
Mit 4,046 Metern Länge bleibt der Raval kompakt genug für die Stadt, wirkt aber deutlich erwachsener als frühere Kleinwagen. Eigentlich bewegt sich der Wagen bereits eher in Richtung kompakter Hot Hatch als klassischer Kleinwagen.

Wertiger Innenraum
Innen zeigt sich der Raval hochwertiger als viele direkte Wettbewerber. Besonders positiv fällt auf, dass das Cockpit-Display integriert statt frei stehend wirkt. Dadurch entsteht ein ruhigeres und harmonischeres Gesamtbild. Die Materialien gehen für diese Fahrzeugklasse absolut in Ordnung. Natürlich bleibt Kunststoff sichtbar, allerdings wurden wichtige Kontaktflächen gepolstert oder zumindest mit Stoff bezogen. Insgesamt entsteht ein wertiger Eindruck.
Besonders gelungen sind die Sportsitze im Raval VZ. Sie bieten starken Seitenhalt, bleiben gleichzeitig aber überraschend bequem. Gerade auf längeren Strecken dürfte das ein echter Vorteil sein. Auch das Platzangebot überrascht positiv. Vorn sitzt man angenehm großzügig. Hinten gibt es ordentlich Beinfreiheit, allerdings leidet die Kopffreiheit ab etwa 1,80 Meter sichtbar unter der tief im Unterboden verbauten Batterie und der sportlichen Dachlinie. Der Raval bleibt damit eher kompakter 2+2-Hot-Hatch als vollwertiges Familienauto. Dasselbe Problem betrifft übrigens auch den konservativeren ID. Polo.
Der Kofferraum fasst bis zu 441 Liter und liegt damit auf einem hohen Niveau für diese Klasse. Allerdings gibt es einen kleinen Haken. Wer die große Sennheiser-Soundanlage bestellt, bekommt einen eher ungünstig integrierten Subwoofer im Heck spendiert. Dadurch wirkt die Ladefläche unnötig zerklüftet. Hier hätte man nachhelfen können, indem man den Subwoofer zumindest in einer separaten Box untergebracht hätte, um zwar weiterhin weniger Volumen, dafür aber gerade und besser nutzbare Flächen anzubieten.

Moderne Lichtinszenierung mit Charakter
Die Ambientebeleuchtung des Cupra Raval gehört zu den Highlights des Innenraums. Dynamische Lichtprojektionen auf den Türen und die gesamte Lichtinszenierung wirken harmonisch und modern. Hier wurde das Licht von Anfang an bedacht und entsprechend angepasst. Besonders im Dunkeln entsteht dadurch eine angenehme Atmosphäre im Innenraum. Zusammen mit dem optionalen Sennheiser-Soundsystem entwickelt der Raval eine überraschend starke Eigenständigkeit. Das Soundsystem selbst liefert einen kräftigen und sauberen Klang und gehört definitiv zu den besseren Lösungen dieser Klasse.

Android statt Abstürze
Das neue Android-basierte Infotainmentsystem machte während der Testfahrt einen stabilen Eindruck. Abstürze oder größere Aussetzer traten nicht auf. Die Bedienung reagiert flott, Menüs wirken logisch aufgebaut und Wireless Apple CarPlay sowie Android Auto funktionierten problemlos. Positiv fällt zudem auf, dass Cupra die USB-C-Anschlüsse sinnvoll platziert hat. Kabel können ordentlich durch die Mittelkonsole geführt werden und verschwinden nicht chaotisch im Innenraum.
Trotzdem bleibt ein Kritikpunkt bestehen. Physische Tasten fehlen weiterhin an vielen Stellen. Gerade während der Fahrt sorgt die Bedienung über den Touchscreen unnötig oft für Ablenkung. Das wirkt umso seltsamer, weil Volkswagen beim ID. Polo mittlerweile teilweise wieder stärker auf klassische Knöpfe setzt. Der Raval verbessert die Bedienung sichtbar, löst das Grundproblem moderner Touch-Überladung aber nicht vollständig. Immerhin sind Fensterheber und Lenkrad frei von Touch-Lösungen.
Natürlich darf auch der moderne Smartphone-Schlüssel nicht fehlen. Der Raval lässt sich je nach Ausstattung per App entriegeln und starten. Praktisch, solange Akku und Software mitspielen.

Überraschend leichtfüßig für ein Elektroauto
Der vielleicht größte Unterschied zum ID. Polo zeigt sich beim Fahren. Der Raval fährt sich nicht wie ein typisches Elektroauto dieser Klasse. Das liegt auch daran, dass CUPRA das Gewicht vergleichsweise niedrig halten konnte. Für ein modernes Elektrofahrzeug wirkt der Wagen erstaunlich leichtfüßig und agil. Genau das merkt man sofort in schnellen Richtungswechseln und engen Kurven. Viele Elektroautos fühlen sich durch ihr hohes Gewicht trotz guter Leistungswerte oft künstlich schwer an. Der Raval wirkt dagegen deutlich lebendiger.
Besonders die VZ-Version des Cupra Raval mit 226 PS (166 kW) überrascht. Die Fahrmodi verändern den Charakter des Autos deutlich. Im Eco-Modus reagiert das Fahrzeug bewusst sanfter und defensiver abgestimmt, bleibt im Alltag aber absolut ausreichend motorisiert. Der Cupra-Modus dagegen verändert den Charakter deutlich. Die Gaspedalannahme wird spürbar direkter und aggressiver abgestimmt. Genau diese große Spreizung macht den Raval spannend. Viele Elektroautos fühlen sich unabhängig vom Fahrmodus nahezu identisch an. Der CUPRA verändert tatsächlich seinen Charakter per Knopfdruck am Lenkrad.

Frontantrieb? Überraschend souverän
Eigentlich müsste ein elektrischer Fronttriebler mit 290 Nm Drehmoment durchgehend an der Vorderachse kämpfen. Tut der Raval erstaunlicherweise kaum. Das elektronisch geregelte mechanische Sperrdifferenzial arbeitet hervorragend und sorgt dafür, dass der Wagen selbst auf trockenen Straßen in Spanien erstaunlich sauber aus Kurven heraus beschleunigt. Dazu kommt die präzise Lenkung im sportlichsten Fahrmodus. Sie wirkt direkt und vermittelt gute Rückmeldungen. Der Sprint auf 100 km/h ist in 6,8 Sekunden erledigt. Maximal sind 175 km/h drin. Zumindest 200 km/h wären beim VZ fein gewesen.
Die Bremse überzeugt ebenfalls. Das Pedalgefühl wirkt sauber abgestimmt und greift zuverlässig. Zusammen mit der Rekuperation ergibt sich ein insgesamt stimmiger Eindruck. Genau hier zeigt sich vermutlich der größte Unterschied zum Volkswagen-Bruder. Der Cupra Raval versucht, nicht nur elektrisch zu fahren. Er versucht tatsächlich, Fahrspaß zu vermitteln, was in zumindest in meinem Fall durchaus gelungen ist. Wie gern hätten wir das einmal auf der Rennstrecke ausgetestet.

Straff abgestimmt, aber alltagstauglich
Das adaptive DCC-Fahrwerk bleibt den stärkeren Varianten vorbehalten. Besonders die VZ-Version profitiert zusätzlich von der breiteren Spur, 235er-Reifen, einer strafferen Dämpferabstimmung sowie dem elektronisch-mechanisch geregelten Sperrdifferenzial und ESC-Off-Modus. Trotzdem bleibt der Raval überraschend alltagstauglich.
In der Stadt wirkt das Fahrwerk stellenweise etwas straffer, aber nie unangenehm hart. Genau diese Balance zwischen Komfort und Dynamik gelingt CUPRA erstaunlich gut. Auch der Geräuschkomfort bewegt sich auf einem ordentlichen Niveau für diese Klasse. Wind- und Abrollgeräusche bleiben gut kontrollierbar.
Künstlicher Sound und One-Pedal-Drive
Natürlich besitzt auch der Cupra Raval einen künstlichen Fahrsound. Überraschenderweise gehört er zu den besseren Lösungen dieser Art. Der Sound wirkt zumindest kurzzeitig passend abgestimmt und unterstützt den sportlichen Charakter sinnvoll, ohne übertrieben künstlich zu wirken. Allerdings lässt er sich nur über den Individual-Modus deaktivieren.
Die Rekuperation arbeitet angenehm und gut dosierbar. Auch One-Pedal-Drive funktioniert im Alltag überzeugend, muss jedoch nach jedem Neustart erneut aktiviert werden. Das wirkt im Alltag unnötig umständlich.

Verbrauch und Reichweite im Alltag
Im normalen Alltag rund um Barcelona bewegte sich der Verbrauch des Cupra Raval VZ meist zwischen 12 und 14 kWh pro 100 Kilometer. Das ist für ein Fahrzeug mit dieser Leistungsklasse absolut ordentlich. Wer den Raval allerdings permanent sportlich bewegt, kann den Verbrauch problemlos über die 20-kWh-Marke treiben.
Nach rund 160 gefahrenen Kilometern verblieben noch etwa 30 Prozent Akkustand sowie rund 120 Kilometer Restreichweite im Display. Wer weniger aggressiv unterwegs ist, dürfte mit der großen 52-kWh-Batterie realistisch auf etwa 300 bis 350 Kilometer kommen.
Die Ladeleistung liegt bei maximal 105 kW DC. Laut CUPRA dauert der Bereich von 10 auf 80 Prozent rund 24 Minuten. Das ist solide, aber mittlerweile kein Klassenmaßstab mehr. Gerade chinesische und koreanische Wettbewerber wirken hier technisch teilweise deutlich moderner.

Assistenzsysteme auf hohem Niveau
Auch bei den Assistenzsystemen wirkt der Cupra Raval erstaunlich erwachsen. Matrix-LED-Scheinwerfer, Travel Assist, 360-Grad-Kamera, Remote Park Assist, Müdigkeitserkennung sowie zahlreiche Sicherheits- und Komfortsysteme bringen Technologien ins Segment, die man bislang eher aus höheren Fahrzeugklassen kennt.
Varianten und Preise des CUPRA Raval
Zum Marktstart bietet Cupra den Raval in mehreren Varianten an. Das Basismodell startet unter dem einfachen Namen Raval und soll ab September 2026 verfügbar sein. Hier kommt eine 37-kWh-Batterie der nächsten Generation zum Einsatz. Die Leistung liegt bei 116 PS (85 kW). Der Einstiegspreis beginnt bei 25.950 Euro. Zum Vergleich: Der Seat Ibiza startet ab 20.890 Euro. Zusätzlich wird noch eine weitere Einstiegsvariante mit 135 PS (99 kW) folgen, die ebenfalls auf die kleinere 37-kWh-Batterie setzt.
Darüber positioniert Cupra den Raval Dynamic. Hier arbeitet bereits die größere 52-kWh-Batterie mit einer Leistung von 211 PS (155 kW). Die Reichweite liegt laut WLTP bei bis zu 444 Kilometern. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Sportschalensitze, Sportfahrwerk sowie Einparkhilfe vorn und hinten inklusive Rückfahrkamera. Der Einstiegspreis liegt bei 34.250 Euro.

Der Dynamic Plus erweitert die Ausstattung zusätzlich um Systeme wie Travel Assist, Top-View-Kamera sowie das Smart Ambient Light inklusive Lichtprojektion in den Türen. Die Leistung bleibt bei 211 PS (155 kW), die Reichweite sinkt minimal auf bis zu 439 Kilometer. Preislich startet diese Variante ab 38.605 Euro.
Das Topmodell hört auf den Namen Cupra Raval VZ Extreme und leistet 226 PS (166 kW). Die Reichweite liegt bei bis zu 381 Kilometern. Zusätzlich erhält der VZ unter anderem adaptive DCC-Dämpfer, CUP-Supersport-Schalensitze sowie die umfangreiche Ambientebeleuchtung mit Lichtprojektionen. Preislich startet der stärkste Raval bei 43.525 Euro.

Und genau hier dürfte eines der größten Probleme europäischer Hersteller sichtbar werden. Denn diese Preisregionen sind längst kein reines Kleinwagensegment mehr. Ein Tesla Model 3 Long Range bewegt sich mittlerweile in ähnlichen Regionen. Gerade chinesische Hersteller kombinieren dabei oft größere Batterien, höhere Ladeleistungen und mehr Platz mit teilweise aggressiver kalkulierten Preisen.
Andererseits punktet gerade der Volkswagen-Konzern traditionell mit sehr attraktiven Leasingraten. Und genau das dürfte bei Elektroautos aktuell ohnehin oft die sinnvollere Lösung sein. Die technische Entwicklung schreitet derzeit so schnell voran, dass Kaufpreise und möglicher Wertverlust bei vielen Elektrofahrzeugen zunehmend schwer kalkulierbar werden.

Fazit: Mehr Charakter als viele Konkurrenten
Der Cupra Raval gehört zu den interessantesten Elektroautos seiner Klasse. Nicht, weil er alles besser macht als die Konkurrenz. Sondern weil er versucht, wieder Charakter in ein Segment zu bringen, das oft nur noch aus möglichst rationalen Elektroautos besteht. Rebellisch? Eher weniger. Vorbildlich? Definitiv!
Besonders Fahrwerk, Lenkung und das elektronische Sperrdifferenzial sorgen dafür, dass sich der Wagen überraschend lebendig anfühlt. Gleichzeitig bleibt er ausreichend alltagstauglich. Perfekt ist er allerdings nicht. Die Ladeleistung bleibt nur Mittelmaß, die Touch-Bedienung nervt weiterhin und manche digitalen Lösungen dürften langfristig Geschmackssache bleiben. Trotzdem gelingt CUPRA hier etwas, das vielen modernen Elektroautos fehlt: Persönlichkeit in einem Elektroauto zu vermitteln. Olé.










Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures



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