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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Es gibt sie, die Alternativen zum Standard-Brei a la BMW 3er, Audi A4 oder Mercedes C-Klasse. Zweifelsohne alles grandiose Automobile, aber hier und da dürstet es einem nach mehr Mitbewerbern. Nachdem die Asiaten mit dem Infiniti G37s und Lexus IS schon vorgelegt haben, kommt nun die Wild West Variante aus den Staaten auf den europäischen Boden: der Cadillac ATS. Fanaticar durfte schon mal Platz nehmen und ein paar erste Runden mit der kompletten Neuentwicklung drehen.

Schon 2006 versuchte man sich in Europa mit dem BLS besser aufzustellen. Ein Schuss der nach hinten losging. Der in Schweden gefertigte Fronttriebler war weder Fisch noch Fleisch, im Grunde genommen ein verkleideter Saab 9-3. Und der war eigentlich nur eins – ziemlich uncool.

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Cadillac BLS – Fanaticar Magazin

Man hat daraus gelernt. Der neue ATS wird auf einer eigenen Plattform in den USA gebaut und wird in der Basis über die Hinterachse angetrieben. Alternativ darf der Kunde den ATS auch mit Allrad ordern, was ihn auch für die Schweizer und Österreicher interessant machen sollte.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Zuerst einmal sei angemerkt, dass sich das Design wohltuend abhebt. Hier wird nicht kopiert, hier wird neu interpretiert. Kantige Linien bestimmen die Karosserie des ATS. Er ist unverkennbar der kleine Bruder des CTS und wirkt sehr gefällig in seinem Auftritt. Besonders markant sind die nach oben gezogenen Front und Heckleuchten und das dritte Bremslicht im Bumerangdesign .

Der Innenruam : Chic im Vertu Design

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Der Innenraum empfängt Fahrer und Beifahrer mit einer hochwertigen Haptik. Leder, wohin das Auge blickt. Alles ist ordentlich verarbeitet und fühlt sich genauso gut an. Besonders das Cockpit im Vertu Design weiß zu gefallen. Besonders stolz ist man auf die Entertaiment Einheit für Cadillac User Experience, kurz CUE. Auf einem 8 Zoll Touchscreen Display möchte man den Bediengewohnheiten von Smart Tablets wie dem iPad möglichst nahe kommen. Das funktioniert soweit ganz gut, allerdings ist die Reaktionszeit des CUE deutlich länger als man von iPad und Co gewohnt ist.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Die Navigation ist sehr übersichtlich gestaltet und lässt sich sowohl im farbigen Head-Up-Display als auch in dem Fahrerdisplay unterhalb des Tachos einsehen. Das wiederum lässt sich in drei frei wählbare Zonen einteilen. So kann der Fahrer ganz individuell seine Lieblingseinstellung aussuchen. Einzig die Restreichweitenanzeige mit der Tanksäule will sich nicht ganz in das Design einfügen. Ein kleines Gimmick am Rande: Hinter der Mittelkonsole befindet sich noch ein kleines Geheimfach mit USB Anschluss. Darin lassen sich problemlos Handy und Geldbörse verstauen. Eine nette Idee. Bei der Musikbeschallung wird natürlich auch nicht gespart. Hier darf Bose sein Werk verrichten.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Unterhalb der Karosserie wurde sehr viel Aufwand betrieben, um mit dem ATS einen echten Bestseller auf den Asphalt zu bringen. Gewichtsreduzierung stand dabei ganz oben auf der Liste. Hochfeste Stähle und der Einsatz von Aluminium für die Motorhaube, den vorderen Hilfsrahmen, die vorderen Stützlager, beide Stoßfänger und Fahrwerkskomponenten als auch Magnesium legierte Motorträger tragen zum Leergewicht von 1.540 Kilogramm bei und machen den kleinen Cadillac zu einem der leichtesten seiner Klasse. Dieser intelligente Leichtbau soll vor allem zwei Dinge bewerkstelligen. Ein besseres Leistungsgewicht, um Kraftstoff einzusparen und ein besseres Handling, um den ATS auch mal sportlich bewegen zu dürfen.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Einzig bei der Motorenauswahl möchte Cadillac sich nicht zu weit herauslehnen. Statt des 3,6 Liter V6 der in den USA neben dem 2,5 Liter Sauger angeboten wird, darf hierzulande nur der hochzüchtete 2 Liter Turbo mit Vier Zylindern unter der Motorhaube werkeln. Das macht ihn zwar effizient im Verbrauch aber die Klangkulisse ist nicht unbedingt die, die man sich unter einem US-Car vorstellt. Auch Cadillac geht eben mit der Zeit. Leider vergaß man dabei das Soundengineering der Vierzylinder.

Immerhin lässt der aufgeladene Vierzylinder satte 276 PS (203 kW) auf die Straße. In der Liga spielen nicht mehr viele mit. Lediglich 5,9 Sekunden (6 Handschaltung) vergehen, bis die Tachonadel die 100 kassiert hat – bei 240 wird der elektronische Begrenzer aktiviert. Bei Bedarf packen die Brembobremsen kräftig zu.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Cadillac hat es verstanden zwei komplett verschiedene Charaktere aufzustellen. Als reiner Hecktriebler, übrigens serienmäßig mit einem mechanischen Sperrdifferential ausgerüstet, flitzt der ATS wild um Kurven. Selbst bei komplett abgeschalteten ESP bleibt das Fahrwerk dabei, dank der ausgewogenen 50/50 Balance, immer ausgewogen und leicht zu kontrollieren. Schnelle Lastwechsel werden mit einem Schuss Hecklastigkeit beantwortet, die extrem leicht wieder einzufangen sind. Das manuelle Sechsganggetriebe leistet dabei einen guten Job- es fehlt aber noch ein wenig Feinschliff um sich mit dem des BMW 3er messen zu können. Ansonsten bewegt sich der ATS fahrdynamisch ganz auf Augenhöhe mit dem Bayern.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Ein ganz anderen Charakter bekommt der ATS mit dem optionalen Allradantrieb und dem Automatikgetriebe. Auch hier werden die Kurven schnell genommen. Dabei lassen sich die Gänge sogar manuell über die Schaltwippen aus Magnesium bis in den Begrenzer fahren. Da das Allradsystem allerdings nach Traktion fordert, werden Fahrdynamiker hier eingebremst. Da wo der Hecktriebler noch fröhlich um die Kurve schlidderte, versucht das intelligente Allradsystem möglichst sicher herum zu kommen, wenn es sein muss auch über die Vorderräder. Nein, wer den Cadillac ATS mit Automatik und Allrad bestellt, der ist eher den Schwaben angetan. Denn hier harmoniert einfach alles, die Automatik, der Motor, der Vortrieb. So schaut ein entspanntes Vorankommen aus. Wirklich erstaunlich was Cadillac hier geschafft hat.

Nicht vergessen sollten wir dabei das Sahnestück des ATS: das optionale Magnetic Ride Fahrwerk. Mittlerweile in seiner dritten Generation angelangt darf es sich damit brüsten, das derzeit schnellste reagierende adaptive Dämpfersystem der Welt zu sein. Und wer es in der Praxis ausprobiert, wird schnell merken wie gut das System funktioniert. Während der ATS im Tour Modus noch entspannt auf der Autobahn entlang cruist, genügt ein Druck auf den Sport Modus und in Sekundenbruchteilen strafft und spannt sich alles im Radbereich. So wird das Kurvenräubern zur echten Wonne. Dabei ist auch die Lenkung sehr direkt und feinfühlig geblieben und verliert sich nicht in den Tiefen der Servoleichtigkeit.

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2013 Cadillac ATS – Fanaticar Magazin

Fazit: Die Zeit war leider viel zu kurz um den ATS auf Herz und Nieren zu testen, doch der erste Eindruck ist schon mal mehr als positiv. Mit einer sauberen Verarbeitung und einem Verbrauch der sich vor der europäischen Konkurrenz nicht zu fürchten braucht, bringt Cadillac eine echte Alternative auf den Markt. Noch interessanter dürfte der Cadi aber erst werden, wenn in Deutschland auch der angekündigte Diesel erscheint. Dann sollte der Cadillac ATS wirklich eine Chance haben, sich einen kleinen Anteil in dem hart umkämpften Markt des C-Segments zu erobern. Gestartet wird übrigens bei 37.500 Euro. Für die Top Variante sind dann 50.970 Euro fällig. Bei so einem Preis kommt man schon ins Grübeln…

Text: Mario-Roman Lambrecht
Fotos:  marioroman pictures

Auch andere Kollegen waren begeistert vom neuen Cadi:

Mein-Auto-Blog: Angestet – Der Cadillac ATS
Auto-Geil.de : Angefahren: 2012 Cadillac ATS 2.0L AWD Premium AT
- Welt: Cadillac ATS – Ernsthafte Kampfansage an BMW 3er
rad-ab.com: Angetestet 2013 Cadillac ATS
- Auto-Bild: So fährt sich der Cadillac ATS