Mit dem BYD Atto 2 DM-i kommt ausgerechnet aus China ein Fahrzeug ins B-SUV-Segment, das etablierten europäischen Herstellern spürbar zusetzen dürfte. Wir konnten den kompakten Crossover näher betrachten und erste Eindrücke sammeln.

Der Atto 2 ist bereits als rein elektrische Variante erhältlich. Nun erweitert BYD das Angebot um zwei Plug-in-Hybridversionen, wobei insbesondere die größere Ausführung durch ihre Förderfähigkeit interessant positioniert ist. Damit kombiniert das Modell elektrifizierten Antrieb mit klassischer Reichweitenabsicherung und tritt mit einer klar preisorientierten Strategie an.

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2026 BYD Atto 2 DM-i | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures

Mit einer Länge von 4.330 Millimetern bleibt das Fahrzeug stadttauglich. Der Radstand von 2.620 Millimetern sorgt gleichzeitig dafür, dass auch vier Erwachsene ausreichend Platz für längere Strecken finden. Die Proportionen wirken funktional und auf Alltag ausgelegt. Beim Exterieurdesign orientiert sich die Gestaltung sichtbar an europäischen Sehgewohnheiten. Wilde Experimente bleiben aus, stattdessen setzt BYD auf eine sachliche Linienführung und einen integrierenden Auftritt.

Innen fällt eine für diese Klasse überdurchschnittliche Materialanmutung auf. Weiche Oberflächen dominieren das Armaturenbrett, auch tiefer liegende Bereiche sind ordentlich verarbeitet. Im Grunde genommen das, was man von europäischen Herstellern erwartet, die aber wiederum immer mehr das anbieten, was Unwissende von einem chinesischen Auto erwarten würden. Verdrehte Autowelt.

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Die Sitze bieten ausreichenden Komfort und sind mit veganem Leder bezogen. Der Fahrersitz lässt sich elektrisch verstellen, für den Beifahrersitz muss manuell nachgeholfen werden. Beiden fehlt die Lordosenstütze. Im Fond finden auch größere Personen ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Zudem lässt sich die Rückbank leicht nach hinten arretieren, für noch mehr Sitzkomfort. Der Gepäckraum fasst 425 bis 1.335 Liter und dürfte im Alltag mehr als ausreichend sein.

Physische Tasten für zentrale Funktionen erleichtern die Bedienung. Gleichzeitig sind viele Einstellungen in Touchscreen-Menüs ausgelagert, deren Struktur nicht immer intuitiv erscheint. Das digitale Fahrerdisplay bietet hohe Auflösung, leidet jedoch unter kleiner Darstellung wichtiger Informationen. Insgesamt wirkt das Infotainment solide, aber dennoch ausbaufähig. Die Navigation erfolgt regulär über Google Maps. Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord.

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Das zentrale Element bildet der DM-i-Hybridantrieb. Ein 1,5-Liter-Vierzylinder arbeitet mit einem Elektromotor zusammen und liefert 156 kW / 212 PS Systemleistung sowie 300 Nm Drehmoment. Der Elektromotor bewegt die Vorderachse, während der Verbrenner primär als Generator arbeitet. Ein ähnliches Prinzip bietet Nissan mit der E-Power Technologie an allerdings ohne Lademöglichkeit. Ebenfalls erhältlich ist eine kleinere 166-PS-Active-Variante, die wegen der geringeren Reichweite von 40 Kilometern allerdings nicht förderfähig ist.

Die Boost-Variante kommt rein elektrisch auf bis zu 90 Kilometer und darf deswegen auch ein E-Kennzeichen tragen. Wohl auch aus Kostengründen verzichtet BYD auf die Möglichkeit des DC-Ladens. An einer AC-Ladesäule dauert das Laden der 18,3-kWh-Batterie bei bis zu 6,6 kW rund drei Stunden. Insgesamt sind laut Hersteller rund 1000 Kilometer an Reichweite möglich. 

2026 BYD Atto 2 DM-i | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures

Im Fahrbetrieb entsteht ein sehr ruhiger Gesamteindruck. Die Leistungsentfaltung erfolgt gleichmäßig, Übergänge bleiben weitgehend unauffällig. Die Beschleunigung auf 100 km/h erfolgt in 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Trotz SUV-Optik ist kein Allrad verfügbar. Die maximal 300 Nm an Systemdrehmoment müssen somit einzig von der Vorderachse verarbeitet werden.

Das Fahrwerk zeigt sich sehr europäisch. Leicht straff im Stadtverkehr, aber ausreichend ruhig und ausgewogen auf der Autobahn. Einzig als dynamischer Kurvensportler kann und will der Atto 2 DM-i nicht herhalten. Zwar folgt das Lenkrad brav den Befehlen des Fahrers, aber für Kurvenkunst müssen andere herhalten. Kein Kritikpunkt, einfach nur Realität. Der Alltag ist seine Stärke.

2026 BYD Atto 2 DM-i | Fanaticar Magazin / MarioRoman Pictures

Was uns zum absoluten Kampfargument bringt: Regulär ist der Atto 2 DM-i ab 35.990 Euro erhältlich. BYD zeigt derzeit jedoch die blanken Zähne und bietet den Active ab 24.990 Euro und den Boost für 27.990 Euro an. Das allein ist schon attraktiv. Dank der staatlichen Förderung purzelt der Preis des Boost aber nochmals um 4.500 Euro, was ihn schlussendlich mit knapp 23.000 Euro sogar günstiger als die Basisvariante macht. Die Konkurrenz kann da derzeit nicht mithalten, und wenn, dann mit deutlich weniger Ausstattung. Wie schon erwähnt: verdrehte Welt.

Der BYD Atto 2 DM-i wäre auch ohne seinen Kampfpreis ein absolut überzeugender Gegner auf Volkswagenhöhe gewesen. Er ist das beste Beispiel dafür, wie rasant die Chinesen aufholen. Vor wenigen Jahren noch verlacht, mittlerweile gefürchtet. Dazu kommt, dass die Zeiten, in denen man an „eigene“ Marken festhält, überholt sind. Heutzutage zählt primär, wie viel Leistung man für möglichst wenig Geld erhält. Und genau damit punktet der BYD Atto 2 DM-i. Und das ist erst der Anfang.

Technische Daten: 2026 BYD Atto 2 DM-i Boost

Systemleistung: 212 PS / 156 kW
Systemdrehmoment: 300 Nm
0 auf 100 km/h: 7,5 Sekunden
Motor: 1,5 Liter R4 / Elektromotor
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Automatik
Tankinhalt: 45 Liter
Länge: 4.330 mm
Breite: 1.830 mm
Höhe: 1.675 mm
Radstand: 2.620 mm
Kofferraumvolumen: 425 / 1.335 Liter
Gewicht: 1.620 kg
Zul. Gesamtgewicht: 2.110 kg
Anhängelast: 750 kg
Grundpreis: 38.990 Euro
Preis nach Förderung: ab 22.990 Euro

Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures