Mit dem Leapmotor B03X greifen die Chinesen direkt im beliebten Segment der kompakten City-SUV an. Viel Platz, ordentliche Leistung und überraschend angenehme Materialien sollen dem VW ID. Cross das Leben schwer machen. Und eines wird schnell klar: Stellantis und Leapmotor meinen es verdammt ernst.
Optisch gibt sich der B03X eher praktisch als unnötig aufgeregt. Das Design wirkt mit Ausnahme der knuffigen Smiley-LED-Rücklichter am Heck recht beliebig, fällt im Straßenbild aber auch nicht unangenehm auf. Mit einer Länge von 4,27 Metern und einer Breite von 1,81 Metern bietet der B03X angenehm kompakte Außenmaße für die Stadt. Der Wendekreis von zehn Metern erleichtert das Rangieren zusätzlich.
Dank des Radstands von rund 2,61 Metern sitzt man auch im Fond als Erwachsener erstaunlich komfortabel. Dazu kommt eine großzügige Kopffreiheit. Von Platzangst ist man im kleinen Leapmotor also weit entfernt.

Echte Türgriffe und verblüffende Materialgüte
Im Gegensatz zum größeren Markenbruder C10 (Fahrbericht) darf sich der Kunde beim B03X erfreulicherweise wieder über vernünftig greifbare Türgriffe freuen. Die neuen chinesischen Sicherheitsregularien und die weltweite Kritik an unergonomischen Design-Gimmicks scheinen langsam Wirkung zu zeigen.
Anders sieht es leider im Cockpit aus, wo man weiterhin auf eine radikale Touchscreen-Politik setzt. Schade drum, auch wenn sich die Menüführung weitestgehend logisch gibt und das System blitzschnell arbeitet. Der zentrale Bildschirm misst 14,6 Zoll, das separate Instrumentendisplay 8,8 Zoll. Smartphone-Inhalte werden über kabelloses Apple CarPlay oder Android Auto eingebunden.
Bei der Materialauswahl toppt Leapmotor den VW ID. Cross auf den ersten Blick um ein Vielfaches. Überall, wo Fahrer und Beifahrer hinschauen, fühlen und greifen, wurde für softe Oberflächen gesorgt. Das gilt erfreulicherweise nicht nur für die vorderen Plätze, sondern zieht sich bis in die hinteren Türtafeln durch. Bei Volkswagen herrscht an solchen Stellen allzu häufig Hartplastik vom Feinsten.
Die Haptik der Kunstledersitze kommt echtem Leder erstaunlich nah. Warum der Beifahrer seinen Sitz allerdings nicht einmal manuell in der Höhe verstellen kann, erschließt sich uns nicht.
Typisch für den Marktstart fernöstlicher Modelle sind zudem die nervigen Warnpiepser, die europäische Vorgaben übererfüllen wollen, im Alltag aber schlicht nerven. Auch die NFC-Chipkarte zum Entriegeln, die man sinnfreierweise an den Außenspiegel halten muss, ersetzt im Alltag keinen echten Funkschlüssel.

Raum-Trumpf dank smarter Rücksitze
Beim Stauraum zeigt der B03X, dass kompakte Außenmaße kein Hindernis für praktische Lösungen sein müssen. Insgesamt stehen laut der vorliegenden Herstellerunterlage 510 Liter zur Verfügung. Darin enthalten ist ein 105 Liter großes Fach unter dem Kofferraumboden. Das ist wasserdicht und auswaschbar – nach einem Ausflug mit schmutzigen Schuhen durchaus eine sympathische Eigenschaft.
Ein echter Clou sind die nach oben klappbaren Rücksitze im Fond. Ihre hochstellbaren Sitzflächen schaffen zusätzlichen Stauraum in der Höhe, etwa für Pflanzen oder andere sperrige Gegenstände. Werden die Rücksitzlehnen umgeklappt, wächst das Ladevolumen laut Hersteller auf bis zu 1.605 Liter.
Sogar die Beifahrersitzlehne lässt sich flach umlegen, um lange Gegenstände wie ein Surfbrett einzuladen oder sich unterwegs langzumachen. Die maximal nutzbare Ladelänge beträgt laut Hersteller 2,53 Meter. Schade nur, dass man dem B03X keinen Frunk unter der Fronthaube gegönnt hat.

Auf der Straße angenehm unaufgeregt
Fahrwerksseitig präsentiert sich der B03X auf unserer Teststrecke ausgewogen und sauber abgestimmt. Die Lenkung wirkt zwar stellenweise etwas synthetisch und könnte mehr Rückmeldung liefern, aber für den urbanen Einsatz geht das Paket vollkommen in Ordnung.
Dass Konkurrenten wie ein VW ID. Polo oder ID. Cross dynamischer ums Eck gehen, dürfte der Zielgruppe recht egal sein. Autos dieser Klasse bewegen sich häufig im Metropolradius, punkten mit geringem Platzanspruch und müssen schlichtweg im Alltag funktionieren. Genau dafür bringt der B03X gute Voraussetzungen mit.

Antrieb und Ladeleistung: Schon die Basis macht Dampf
Technisch startet die Modellreihe mit dem 177 PS starken B03X Pro Life, der in 8,6 Sekunden von null auf Tempo 100 sprintet und 200 Nm Drehmoment auf die Vorderachse wuchtet. Seine 39,8 kWh große LFP-Batterie ermöglicht eine überschaubare Reichweite von bis zu 292 Kilometern nach WLTP.
Die Spitzenvariante B03X Pro Max Design bringt es auf 197 PS, benötigt trotz des Leistungsplus aber ebenfalls 8,6 Sekunden für den Sprint. Der größere Akku bringt knapp 100 Kilogramm Zusatzgewicht mit, die den Leistungsvorteil beim Standardsprint wieder aufzehren. Dafür steigt die Batteriekapazität auf 53 kWh und die WLTP-Reichweite auf bis zu 382 Kilometer. Bei beiden Modellvarianten wird die Höchstgeschwindigkeit bei 160 km/h elektronisch begrenzt.
Beim Thema Ladeleistung setzt Leapmotor ebenfalls ein Ausrufezeichen. Während der ID. Cross mit großem Akku maximal 105 kW erreicht, zieht der B03X in der Basis bis zu 100 kW und als Pro Max Design bis zu 133 kW.
Der Ladestopp von 10 auf 80 Prozent gelingt in rund einer halben Stunde.Wie lange der Stopp tatsächlich dauert, hängt außerdem von Ladekurve, Batterietemperatur und Bedingungen an der Säule ab. Wechselstrom lädt der B03X dreiphasig mit maximal 11 kW.

Fazit: Viel Auto fürs Geld
Der Leapmotor B03X hat gute Chancen, sich im kompakten SUV-Segment ordentlich Gehör zu verschaffen. Er bietet viel Platz, clevere Sitzlösungen und gibt sich im Innenraum wertiger als manch etablierter Mitbewerber. Dazu kommt bereits in der Basis eine Motorisierung, mit der man sich keineswegs verstecken muss.
Los geht es in Deutschland bei 24.900 Euro. Dem steht beim VW ID. Cross ein angekündigter Einstiegspreis von 27.995 Euro gegenüber – bei deutlich schwächerer Basismotorisierung. Vergleicht man die jeweiligen Topversionen, wächst die Preisdifferenz auf rund 10.000 Euro. Dass der stärkste ID. Cross mit 211 PS etwas mehr Leistung bietet, dürfte diesen Abstand für viele Käufer kaum aufwiegen.
Zwar punktet VW mit seinem dichten Händlernetz und attraktiven Leasingangeboten. Leapmotor kontert jedoch mit vier Jahren Fahrzeuggarantie bis maximal 100.000 Kilometer. Eine entsprechende Garantieverlängerung lässt sich Volkswagen zusätzlich bezahlen.
Die Touchscreen-Fixierung, die Warnpiepser und der Schlüssel-Frust bleiben Kritikpunkte. Am grundsätzlichen Eindruck ändern sie wenig: Der B03X liefert Wolfsburg reichlich Anlass, sehr genau hinzuschauen.






Technische Daten: Leapmotor B03X
| Parameter | B03X Pro Life | B03X Pro Max Design |
|---|---|---|
| Antrieb | Elektromotor, Frontantrieb | Elektromotor, Frontantrieb |
| Leistung | 130 kW / 177 PS | 145 kW / 197 PS |
| Maximales Drehmoment | 200 Nm | 200 Nm |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 8,6 Sekunden | 8,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h |
| Batterietyp | LFP | LFP |
| Batteriekapazität | 39,8 kWh | 53,0 kWh |
| Reichweite nach WLTP | Bis zu 292 km | Bis zu 382 km |
| Maximale DC-Ladeleistung | 100 kW | 133 kW |
| Maximale AC-Ladeleistung | 11 kW | 11 kW |
| DC-Ladezeit 30–80 % laut Hersteller | Ca. 16 Minuten | Ca. 16 Minuten |
| Länge / Breite / Höhe | 4.270 / 1.810 / 1.635 mm | 4.270 / 1.810 / 1.635 mm |
| Radstand | 2.605 mm | 2.605 mm |
| Fahrzeuggarantie Deutschland | 4 Jahre / maximal 100.000 km | 4 Jahre / maximal 100.000 km |
Fotos & Text: MarioRoman Pictures



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