Und dann steht er einfach mal in deiner Garage. Ein McLaren. Nicht irgend ein McLaren, sondern ein 620R. Von dem gerade mal 225 Stück gebaut wurden. Der krönende Abschluss der Sport Series. Mit nur einem schmalen Grat an Straßenzulassung und einem Maximum an Rennperformance. Eins ist jetzt schon klar – solche wie ihn wird schon bald nicht mehr geben.

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Der 620R ist der Abschluss der Sport Series. Das wird natürlich mit der radikalsten Variante gefeiert die näher an der GT4 Rennvariante dran ist als alle andern. Mit dem Vorteil, die Rennvariante „nur“ 570 PS produziert – der R hingegen 620. Die notwendigen Komponenten für die Straßenzulassung dürften aber hier in etwa für Gleichheit sorgen, was das Leistungsgewicht angeht.

Form follows function! Das ein Leitsatz den sich McLaren schon immer zu Herzen genommen hat. Das wird besonders beim 620R ersichtlich, denn hier gibt es keine Effekhascherei. Der in drei Stufen verstellbare monströse Heckspoiler kommt auf bis zu 185 Kilo Abtrieb, die Dive Planes an der Vorderseite des Sportwagens kommen nochmals auf bis zu 40 Kilogramm Abtrieb. Insgesamt bringt es die Front auf 65 Kilogramm.

Im Gegensatz zur pompösen Spoilererweiterung des Exterieurs muss man sich im Innenraum auf Verzicht einstellen. Nacktes Carbon, Carbonschalen-Sportsitze mit Sechspunkt-Gurten, ein Feuerlöscher, Käfigelemente, Schlaufen statt Türgriffen und…. Carbon Carbon Carbon.

Das hier verbaute Infotainment-System mit 7-Zoll-Touchscreen wird aus Gewichtsgründen nur auf Wunsch kostenlos verbaut. Dämmmaterialien sind Mangelware, alles ist pur. Und meldet sich der Motor zum Start knackt und knarzt es an allen Seiten. Das Leergewicht wird hier gerade mal mit 1.368 Kilogramm angegeben. Lebendiger und näher kann man dem Lebensgefühl Rennwagen im Alltag wohl kaum kommen.

Hinter mir kommt ein mittig platziertes, 620 PS starkes V8 Triebwerk zum Einsatz. 3,8 Liter Hubraum und der Einsatz von zwei Turboladern pressen ein maximales Drehmoment von satten 620 Newtonmeter auf die Hinterachse. Zum Glück ist das Wetter uns wohl gesonnen dieser Tage, denn all diese Kraft geht auf Semi-Slicks die sich nach Wärme sehnen. Und so wird Tempo 100 km/h in lässigen 2,9 und Tempo 200 in noch lässigeren 8,1 Sekunden erreicht. Schluss mit dem von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kontrollierten Vorwärtsdrang ist erst bei 320 km/h.

Auf Temperatur gebracht kennt der 620 R keine Gnade mehr und die Liste derer die ihm gefährlich werden könnten ist mehr in einer extrem limitierten Elite zu finden. Der Motor ist fantastisch abgestimmt, entfacht seine Leistung bei Bedarf zwar wie ein Kanonengeschoss kann mit dem Gaspedal fast schon so präzise wie ein Sauger im Zaum gehalten werden. Mit fahrerischen Können ist der McLaren 620 R ein präzises Skalpell. Weniger ein Angstmacher sehr wohl aber ein extrem respekteinflössendes Gerät.

Wie sich die Performance auf dem Track auswirkt, welche Zeiten er zu meistern in Stande ist – das sollen andere testen. Rein subjektiv betrachtet gibt der 620 R einem das Gefühl, unfassbar schnell sein zu können, ohne dabei den Sensenmann fast schon ein High Five geben zu müssen. Alles in diesem Auto schreit nach Rennasphalt. Er ist laut, er ist nackt und entgegen der sonstigen Philosophie von McLaren ist der Alltagsnutzen dieses Automobils irgendwo im Jenseits.

Fazit: Der McLaren 620 R ist ein echtes Highlight. Leider limitiert, leider hochexklusiv und leider schon ausverkauft. In diesen doch eher strapazierenden Monaten hat mich dieses Performancemonster wenigstens für eine kurze Zeit alle Pandemie-Sorgen vergessen lassen.

Denn wer sich auf ihn einlässt, der sollte voll und ganz bei der Sache sein. Blöd nur, dass der McLaren 620R bereits ausverkauft ist. Günstig war er so oder so nicht. Mindestens 300.000 Euro wurden vom Konto abgebucht. Wer sich noch für das optionale R-Pack gegönnt hat, war nochmals mit rund 28.000 Euro dabei. Und so bleibt mir immerhin die Erinnerung, dass ich in Zeiten des fortschreitenden Elektrifizierungswahn noch einmal pures Track Gold genießen durfte. Danke McLaren.

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Credits

Fotos: MarioRoman Pictures
Text: Mario-Roman Lambrecht