Elektromobilität bleibt umstritten. Das zeigt auch eine aktuelle Studie von Bridgestone aus Großbritannien. Während die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland zuletzt wieder deutlich angezogen haben, herrscht auf der Insel weiterhin große Skepsis. Besonders Sorgen um Batterie, Reichweite und Ladekosten bremsen die Kaufbereitschaft.
Bereits 26 Prozent der befragten Autofahrer gaben an, sich grundsätzlich kein Elektroauto anschaffen zu wollen. Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr. 2025 lag dieser Wert noch bei 17 Prozent. Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 2.000 Autofahrern im Vereinigten Königreich und verdeutlichen, dass sich die Akzeptanz der Elektromobilität nicht überall in Europa gleichermaßen entwickelt.
Als größte Sorge nannten 55 Prozent der Befragten die Lebensdauer sowie mögliche Austauschkosten der Batterie. Ebenfalls hoch auf der Liste stehen die laufenden Ladekosten. Jeder zweite Teilnehmer sieht diese als problematisch an. Auch in Deutschland entwickelt sich das zunehmend zu einem Thema. Anbieter wie Ionity haben ihre Preise zuletzt erneut angehoben, wodurch das öffentliche Schnellladen für Vielfahrer spürbar teurer geworden ist.
Hinzu kommen klassische Reichweitenängste: Rund 44 Prozent befürchten Einschränkungen bei der Alltagstauglichkeit, während ebenso viele den vergleichsweise hohen Anschaffungspreis eines Elektroautos kritisieren. Auch hier würde eine transparentere Kommunikation für mehr Vertrauen sorgen. Denn Hersteller geben die Ladezeit je nach Modell von 10, 20 oder sogar erst 30 Prozent bis 80 Prozent an. Vor allem bei kleineren Batterien oder Fahrzeugen mit geringerer Ladeleistung entsteht so schnell der werbewirksame Eindruck, der Ladevorgang dauere weniger als 30 Minuten.
Tatsächlich umfasst die Angabe dann jedoch teilweise nur ein deutlich kleineres Ladefenster als bei Konkurrenzmodellen, die in einer ähnlichen Zeit von 10 oder 20 auf 80 Prozent laden. Für Verbraucher werden die Werte dadurch unnötig schwer vergleichbar und suggerieren mitunter eine Ladegeschwindigkeit, die das Fahrzeug über einen größeren Ladebereich nicht erreicht.

Hinzu kommt, dass auf Langstrecken von Experten häufig empfohlen wird, bevorzugt zwischen 20 und 80 Prozent zu laden, weil die Ladeleistung oberhalb von 80 Prozent bei nahezu allen Elektroautos deutlich einbricht. Effektiv steht damit auf Reisen oft nur rund 60 Prozent der Batteriekapazität für besonders schnelle Ladestopps zur Verfügung. Wie lange ein Elektroauto per DC tatsächlich von 0 oder 10 Prozent auf 100 Prozent benötigt, kommunizieren die Hersteller dagegen fast nie. Gerade diese Angabe wäre für viele Käufer jedoch deutlich aussagekräftiger als die heute üblichen Marketingwerte.
Auch die Ladeinfrastruktur bleibt aus Sicht vieler Verbraucher ausbaufähig. 43 Prozent halten das öffentliche Ladenetz für unzureichend. Weitere 41 Prozent empfinden die Ladezeiten als zu lang. Damit zeigt sich, dass trotz technischer Fortschritte viele der bekannten Vorbehalte weiterhin bestehen.
Interessant ist der Vergleich mit Deutschland. Hier legten batterieelektrische Fahrzeuge zuletzt deutlich zu. Im Juni 2026 wurden 84.057 reine Elektroautos neu zugelassen. Damit erreichten sie einen Marktanteil von 28,4 Prozent und gleichzeitig den höchsten Monatswert seit August 2023.
Die unterschiedlichen Entwicklungen zeigen, dass politische Rahmenbedingungen, Fördermaßnahmen, Infrastruktur und Verbraucherwahrnehmung einen erheblichen Einfluss auf die Akzeptanz der Elektromobilität haben. Während der deutsche Markt derzeit wieder deutlich an Dynamik gewinnt, scheint Großbritannien bei vielen Verbrauchern noch Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.
Trotz der aktuellen Skepsis blickt die Studie nicht ausschließlich pessimistisch in die Zukunft. Immerhin 53 Prozent der Befragten können sich vorstellen, innerhalb der kommenden fünf Jahre ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Weitere sieben Prozent sind bislang unentschlossen. Das deutet darauf hin, dass viele Verbraucher ihre Entscheidung von der weiteren Entwicklung bei Batterietechnik, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten abhängig machen.
Bridgestone sieht darin einen klaren Auftrag für die Branche. Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur sollen auch technische Innovationen dazu beitragen, bestehende Vorbehalte abzubauen. Mit seinem EV Ready-Reifenportfolio richtet sich der Reifenhersteller gezielt an Elektrofahrzeuge, ohne dabei Fahrer klassischer Verbrenner auszuschließen. Der Bridgestone Turanza 6 wurde beispielsweise sowohl für Elektroautos als auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entwickelt und soll einen geringen Rollwiderstand mit hoher Laufleistung sowie einem hohen Sicherheitsniveau kombinieren. Wenn die Briten dann irgendwann mal Lust auf Elektro haben sollten.
Fanaticar Magazin | Fotos: Bridgestone /MarioRoman Pictures



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