Der Mercedes-AMG CLA 45 4matic+ kommt mit 680 PS und sprintet in drei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Doch kann er wirklich überzeugen? 

Mit einer Systemleistung von 500 kW (680 PS) und bis zu 1.759 Nm Drehmoment zählt der Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ zu den leistungsstärksten Elektrofahrzeugen seiner Klasse. Zwei Axialflussmotoren arbeiten an der Hinterachse, ein weiterer an der Vorderachse. Den Sprint von 0 auf 100 km/h gibt Mercedes mit 2,7 Sekunden nach 1 Foot Rollout beziehungsweise 3,0 Sekunden nach klassischer Messung an. Die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h und steigt mit dem AMG Dynamic Plus Paket auf 270 km/h.

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Die Energie liefert eine 94-kWh große Lithium-Ionen-Batterie, die auf einer 800-Volt-Architektur basiert. Laut Mercedes sind Gleichstrom-Ladeleistungen von bis zu 330 kW möglich. Das wäre noch vor zwei bis drei Jahren ultimativ gewesen, heute ist es gerade mal oberes Mittelmaß. Der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll rund 22 Minuten dauern. Auch Hyundai zeigte bereits vor einigen Jahren, dass sich Ladezeiten von unter 20 Minuten realisieren lassen. Die WLTP-Reichweite gibt der Hersteller mit über 670 Kilometern für die Limousine beziehungsweise über 640 Kilometern für den Shooting Brake an. Aber WLTP ist ja, wie wir alle wissen, eine Wertquelle aus der Märchenwelt. 

Mercedes-AMG CLA 4matic+ MY27

Für die Kraftübertragung setzt Mercedes-AMG auf einen vollvariablen Performance 4MATIC+ Allradantrieb. Durch die drei unabhängig angesteuerten Elektromotoren kann das Antriebsmoment nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den beiden Hinterrädern verteilt werden. Ergänzt wird das Konzept durch ein adaptives AMG-Ride-Control-Fahrwerk sowie aktive Aerodynamikelemente. Je nach Fahrprogramm und Geschwindigkeit verändern Heckspoiler beziehungsweise Dachkantenspoiler automatisch ihre Position, um Fahrstabilität oder Effizienz zu unterstützen.

Trotz Elektroantrieb möchte Mercedes-AMG typische Markeneigenschaften erhalten. Im Fahrprogramm AMGFORCE S+ simuliert das Fahrzeug Schaltvorgänge, Motorgeräusche und Vibrationen eines AMG-Vierzylinders. Unterstützt wird dies durch Lautsprecher, Sitz-Shaker und eine angepasste Darstellung im digitalen Kombiinstrument. Überdies stehen bis zu sieben Fahrprogramme sowie das Telemetriesystem AMG Track Pace für den Einsatz auf der Rennstrecke zur Verfügung. Ob sich das System vollständig abschalten lässt, dürfte für viele Interessenten eine wichtige Frage sein. Es wäre wünschens- und empfehlenswert. 

Der neue Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ kommt sowohl als Limousine als auch als Shooting Brake auf den Markt. Beide Varianten verfügen über eine eigenständige AMG-Front, verbreiterte Kotflügel und 19-Zoll-Räder.

Im Innenraum spaltet Mercedes erneut die Gemüter. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, gleichzeitig setzt die Marke weiterhin auf großflächige Touchbildschirme, die nicht nur Geschmackssache sind, sondern während der Fahrt auch stärker ablenken können als klassische Bedienelemente. Beim optisch ebenfalls kontrovers diskutierten Mercedes-AMG GT Coupé schien Mercedes hier zuletzt wieder stärker auf physische Bedienelemente zu setzen. Dem CLA 45 4MATIC+ bleibt diese Entwicklung jedoch verwehrt.

Mercedes-AMG CLA 4matic+ MY27

Ausgerechnet bei einem Fahrzeug, das Mercedes mit Track Pace, simulierten Schaltvorgängen und Rennstreckenmodus bewirbt, rücken im Innenraum vor allem KI Funktionen wie ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Bing in den Vordergrund. Ob genau das die Prioritäten der klassischen AMG-Kundschaft widerspiegelt, darf zumindest hinterfragt werden.

Preise und der genaue Marktstart hat Mercedes bislang noch nicht genannt. Eine Variante mit Verbrennungsmotor ist nach aktuellem Stand ebenfalls nicht vorgesehen. Es bleibt abzuwarten, wie die AMG Kundschaft den radikalen Wechsel zum rein elektrischen Antrieb am Ende aufnehmen wird.

Fanaticar Magazin | Fotos: Mercedes-Benz