Ford Europa kündigt mit „Ready Set Ford“ eine neue Zukunftsstrategie für Europa an. Sieben neue Modelle, mehr „Adventure“, Rallye-DNA und sogenannte „Multi-Energy“-Fahrzeuge sollen die Marke wieder stärken. Zwischen den Zeilen liest sich die Pressemitteilung allerdings auch wie die Erkenntnis, dass Ford in Europa zuletzt viele seiner eigentlichen Kernwerte verloren hat.

Denn Ford war hierzulande jahrzehntelang vor allem eines: eine starke, konservative Volumenmarke für normale Kunden, Außendienstler, Familien und Flottenbetreiber. Fahrzeuge wie Ford Fiesta, Ford Focus (Fahrbericht) oder Ford Mondeo standen weniger für Abenteuerromantik als vielmehr für solide, bezahlbare Mobilität. Gerade der Wegfall des Fiesta wirkt bis heute wie ein schwer nachvollziehbarer Schritt. Denn genau solche kleinen, finanzierbaren Fahrzeuge fehlen inzwischen auf dem europäischen Markt immer stärker.

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2020 Ford Focus ST | Fanaticar Magazin
2020 Ford Focus ST | Fanaticar Magazin

Stattdessen spricht Ford nun auffallend häufig über „Thrill“, „Adventure“ und Offroad-DNA. Gleichzeitig basiert ein großer Teil der aktuellen Elektrostrategie auf Volkswagen-Technik. Der neue Europa Ford Explorer und der neue Ford Capri nutzen die MEB-Plattform von Volkswagen, während Modelle wie der Ford Bronco (Fahrbericht) oder der Ford Mustang (Fahrbericht) in Europa eher Nischen- und Prestigeprodukte bleiben. Genau deshalb wirkt die jetzige Kommunikation teilweise fast etwas ironisch. Ford redet plötzlich wieder über Charakter, Rallye-Gene und europäische Straßen, nachdem die Marke in den vergangenen Jahren einen Großteil ihrer klassischen Bestseller selbst eingestellt hat.

Besonders spannend wird deshalb die Frage nach dem angekündigten elektrischen Kleinwagen. Ford verspricht ein kleines Elektroauto mit „Race-to-Road“-Charakter und Rallye-Einflüssen. Allerdings zeigt der Markt bislang vor allem eines: Wirklich günstige Elektro-Kleinwagen bleiben selten. Viele aktuelle Modelle der Konkurrenz kratzen inzwischen problemlos an der 30.000-Euro-Marke.

Genau dort entsteht ein Problem. Was vielen Kunden aktuell fehlt, sind keine weiteren Lifestyle-Crossover, sondern bezahlbare Fahrzeuge für Menschen mit kleinerem Budget. Eigentlich genau das, wofür Ford früher einmal stand – ähnlich wie Volkswagen, bevor auch dort immer größere, teurere und margenträchtigere Modelle wichtiger wurden als klassische Volksautos. Man darf gespannt sein, wie Ford sich hier positionieren wird.

Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures