An dem hängen viele Hoffnungen. Mit dem Volkswagen ID. Polo wollen die Wolfsburger nun auch Elektromobilität im finanzierbaren Rahmen anbieten. Wir durften schon einen ersten Blick draufwerfen und klären über Design, Technik und Preise auf.

New Volkswagen ID. Polo / VW Polo

Der erste Elektro-Polo

Tatsächlich brachte Volkswagen bereits 2013 mit dem e-up! ein elektrisches Stadtauto auf den Markt. Für diese Klasse war das Modell vergleichsweise teuer, fand jedoch eine solide Nachfrage. Wirtschaftlich blieb der e-up! aufgrund geringer Margen im Kleinwagensegment jedoch wenig attraktiv. 2023 wurde das Modell schließlich zusammen mit seinen Schwestermodellen Škoda Citigo e iV und Seat Mii Electric eingestellt.

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Beim Polo selbst gab es lange keine ernsthaften Ambitionen zur Elektrifizierung. Erst mit zunehmend strengeren Abgasvorgaben geriet auch dieses Segment stärker unter Druck. Wirklich Bewegung kam jedoch erst mit der Studie ID.2all, die erstmals einen konkreten Ausblick auf einen elektrischen Kleinwagen auf Polo-Niveau gab. Volkswagen hielt zu diesem Zeitpunkt noch an der nüchternen ID-Nomenklatur fest. Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass man wieder stärker auf bekannte Modellnamen setzt. Das ID bleibt zwar erhalten, wird aber zunehmend mit vertrauten Bezeichnungen kombiniert.

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Design Volkswagen ID. Polo

Optisch dürfte der ID. Polo vor allem eines: gefallen. Denn was Chefdesigner Andreas Mindt hier umgesetzt hat, ist eine gelungene Verknüpfung aus modernem Design und klaren Zitaten der Vorgänger. Die Front wirkt bewusst freundlich, fast schon mit einem leichten „Smile“. Gleichzeitig bleibt die Linie typisch Volkswagen, klar, aufgeräumt und ohne Experimente.

Auch die Silhouette zeigt bekannte Proportionen kompakter VW-Modelle, interpretiert diese aber moderner. Besonders die C-Säule erinnert bewusst an frühere Generationen. Insgesamt wirkt der ID. Polo erwachsener als man es von einem Kleinwagen erwarten würde.

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Interieur Volkswagen ID. Polo

Im Innenraum zeigt sich der reumütige Volkswagen-Wandel zurück zu analoger Bedienefreundlichkeit. Volkswagen setzt nun auf eine Kombination aus digitalen Displays und klassischen Bedienelementen. Das Cockpit ist klar strukturiert, das Infotainment mit 13 Zoll entsprechend groß dimensioniert. Intuitiv und modern zugleich. Der richtige Mix macht es, Volkswagen scheint ihn gefunden zu haben.

Interessant ist die sogenannte Retro-Anzeige im Digital-Cockpit, die optisch an frühere Modelle erinnert. Gleichzeitig bleibt die Bedienung logisch aufgebaut, was gerade im Alltag ein klarer Vorteil sein dürfte.

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Maße und Kofferraum

Das Thema Frunk ist bei den Europäern eher unbeliebt. Auch Volkswagen tut sich schwer damit und setzt stattdessen lieber auf einen für einen Kleinwagen fast schon gigantischen Kofferraum. Bis zu 441 Liter stehen hier zur Verfügung. Mit umgeklappten Fondsitzen kommt noch einmal ein ordentlicher Schub dazu. Dann gibt es bis zu 1.234 Liter an Ladevolumen. Viel Raum im kleinen Gewand.

Die Außenmaße liegen bei 4.053 mm Länge, 1.816 mm Breite und 1.530 mm Höhe bei einem Radstand von 2.600 mm. Damit wächst der ID. Polo spürbar in Richtung Kompaktklasse. Im Innenraum sorgt das neue Plattformkonzept für mehr Platz, insbesondere im Fond. Die Beinfreiheit legt hier spürbar zu.

Ganz ohne Kompromisse geht es aber nicht. Durch die im Fahrzeugboden verbaute Batterie und die leicht abfallende Dachlinie wird es bei der Kopffreiheit ab etwa 1,80 Meter dann doch etwas enger.

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Technische Daten und Reichweite

Beim Antrieb setzt Volkswagen wieder auf Frontantrieb. Ob das strategisch klug war bei einem Konzept, welches das Drehmoment quasi sofort auf die Antriebsachse umsetzt, wird man in der Fahrpraxis sehen. Dafür gibt es wie schon erwähnt ordentlich Platz im Kofferraum.

Technisch basiert der ID. Polo auf dem MEB+ Baukasten. Die Leistungsspanne reicht von 85 kW (116 PS) über 99 kW (135 PS) bis hin zu 155 kW (211 PS). Eine stärkere GTI-Version mit 166 kW (226 PS) ist bereits angekündigt.

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Bei den Batterien setzt Volkswagen auf zwei Varianten. Die kleinere Version nutzt eine 37 kWh große LFP-Batterie, während die größere auf eine 52-kWh-NMC-Batterie setzt.  Die Reichweite ist laut sehr frei interpretierbarem WLTP auf bis zu 455 Kilometer angesetzt. Je nach Variante sind auch rund 329 Kilometer realistisch. Die Ladegeschwindigkeit wird mit bis zu 90 kW beziehungsweise bis zu 105 kW angegeben. Durch die vergleichsweise kleinen Batterien ist das Laden von 10 auf 80 Prozent trotzdem in rund 24 bis 27 Minuten erledigt.

Wirklich beeindruckend ist das im Jahr 2026 aber nicht mehr. So kann der ebenfalls gerade frisch vorgestellte Hyundai Ioniq 3 immerhin bis zu 119 kW herausholen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen Antrieben bei maximal 160 km/h. Die Anhängelast wird mit bis zu 1,2 Tonnen angegeben.

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Preise und Marktstart

Der Einstiegspreis des ID. Polo liegt in Deutschland bei 24.995 Euro, mit der kleinen Batterie. Zum Vergleich: Der reguläre VW Polo startet ab 20.135,00 Euro mit einer deutlich höheren und vor allem realistischeren Alltagsreichweite. Bedenkt man aber noch die Förderung, könnte der Einstiegspreis aber im Idealfall sogar unter 20.000 Euro fallen.

Der Vorverkauf startet Ende April 2026 in Europa. Zum Marktstart stehen die Ausstattungslinien Trend, Life und Style zur Verfügung. Eine sportliche GTI-Version folgt später. Die dürfte dann aber ähnlich wie der Plattformbruder Cupra Raval VZ die 40.000er Marke deutlich knacken. Tatsächlich sollte man aber auch bedenken, dass ein Elektroauto praktisch nie gekauft, sondern geleast wird. Alles andere macht bei der schnellen Entwicklung einfach wenig Sinn. Und genau hier wird Volkswagen bestimmt wieder sehr attraktive Angebote herausbringen.

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Von Europa für Europa

Der Volkswagen ID. Polo ist, zumindest erst einmal, kein Weltauto. Volkswagen spricht hier bewusst von Europa für Europa. Andere große Märkte wie Brasilien spielen zunächst keine Rolle. Der Fokus liegt klar auf den Kernmärkten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Der Verbrenner-Polo bleibt parallel bestehen und wird weiterhin unter anderem in Südafrika produziert.

Wie lange er allerdings noch in Deutschland erhältlich sein wird, ist offen. Spätestens mit der Einführung der Euro-7-Norm ab Ende 2026 wird sich zeigen, ob sich eine weitere Anpassung wirtschaftlich noch lohnt oder ob Volkswagen langfristig komplett auf die elektrische Variante setzt.

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Der ID. Polo ist ein logischer Schritt für Volkswagen. Bekannter Name, neue Technik und ein klarer Fokus auf den europäischen Markt. Die Namenspielereien nähern sich langsam einem Ende. Mal ehrlich. Hätte nicht von Anfang an ein Polo E gereicht? Das hat bei fast allen deutschen Herstellern für Verwirrung bei der Kundschaft gesorgt und den zuständigen Marketing-Agenturen ordentlich Geld in die Kasse gespült.

Nun heißt es back to the roots. Mit frischem Design, analoger Bedienung und konkurrenzfähigen Preisen. Der erste Test im getarnten ID. Polo lässt auch fahrdynamisch viel erwarten. Volkswagen hat geliefert. Jetzt entscheidet Europa. 

Technische Daten Volkswagen ID. Polo
Antrieb MEB+, Frontantrieb
Batteriegrößen (netto) 37 kWh / 52 kWh
Leistung (37 kWh) 85 kW (116 PS) / 99 kW (135 PS)
Leistung (52 kWh) 155 kW (211 PS)
Ladeleistung DC (max.) 90 kW (37 kWh) / 105 kW (52 kWh)
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Länge / Breite / Höhe 4.053 / 1.816 / 1.530 mm
Radstand 2.600 mm
EU-Leergewicht ab 1.568 kg (37 kWh) / ab 1.576 kg (52 kWh)

Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures