Der BMW 7er geht in die Halbzeit. Davon profitieren Optik, Innenraum und Technik. Was überzeugt und was überrascht positiv wie negativ?

Das Design
Seit 1977 macht BMW der S-Klasse das Leben schwer. Mit jeder Generation wird es für die Schwaben schwieriger, die Bayern auf Abstand zu halten. Um diese Rolle weiterzuspielen, wurde unter anderem die Front überarbeitet. Die schmalen LED-Leuchten, optional auch als Kristallscheinwerfer erhältlich, rücken noch näher an den großen, von LED eingefassten Kühlergrill. BMW nennt das weiterhin „Iconic Glow“. Die übrigen Lichteinheiten sind nun vertikal angeordnet, was dem Frontstoßfänger mehr Fläche und damit mehr Ruhe gibt. Zwei zusätzliche Charakterlinien auf der Motorhaube unterstützen diesen Eindruck. Kleine Eingriffe, die die Front insgesamt deutlich harmonischer wirken lassen.


In den Radhäusern arbeiten je nach Ausstattung 20 bis 22 Zoll große Felgen. BMW verweist hier darauf, seit 2026 rund 70 Prozent Sekundär-Aluminium zu verwenden. An der 5,39 Meter langen Silhouette ändert sich nichts. Neu ist die Option einer Zweifarblackierung in Kombination mit Mattlack. Der Aufpreis liegt bei rund 14.000 Euro. Dazu kommt eine feine Kontrastlinie, die nicht zufällig an den Aufstieg in höhere BMW-Sphären erinnert und klar in Richtung Rolls-Royce zielt.
Am Heck braucht es einen Moment. Die zuvor eher schmalen Leuchten fallen nun deutlich größer aus und tragen eine neue Lichtsignatur. Der Bezug zur „Neuen Klasse“ ist erkennbar. Das wirkt zunächst ungewohnt, funktioniert mit etwas Abstand aber stimmig. Der 7er verabschiedet sich jetzt genauso eindrucksvoll, wie er einen begrüßt.

Innenraum: Die neue Klasse ist angekommen
Der Innenraum profitiert noch stärker vom Update des BMW 7er. Hier setzen die Bayern auf das neue „Panoramic Drive“ aus der Neuen Klasse, das bereits im iX3 zum Einsatz kommt. Das bisherige, gebogene Panorama-Display mit zwei Bildschirmen entfällt. Stattdessen zieht sich nun ein weit nach hinten versetztes Display über die gesamte Breite unterhalb der Windschutzscheibe. Wem das noch nicht reicht, kann sich über das 3D-Head-Up-Display zusätzlich alle relevanten Informationen einblenden lassen.
Das Lenkrad dürfte, wie schon beim iX3, auch hier für Diskussionen sorgen. In der Mittelkonsole sitzt jetzt ein neuer 17,9-Zoll-Touchscreen, ergänzt durch einen 14,6-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer. Dessen Display dunkelt bei Bedarf automatisch ab. Eine Kamera überwacht zusätzlich, dass sich der Fahrer nicht unbemerkt ablenken lässt. Das System läuft auf dem neuen BMW Operating System X, basierend auf dem Android Open Source Project. Die Rechenleistung wurde um den Faktor 20 gesteigert. Positiv: Die zuvor sehr dominante LED-Beleuchtung wurde deutlich zurückgenommen und besser ins Gesamtbild integriert. Negativ: Der Dreh-Drück-Regler ist verschwunden. Mal sehen, wie lange. Einige Hersteller kehren aktuell wieder zu klassischen Bedienkonzepten zurück.

31,3-Zoll-Theatre-Display fährt weiterhin auf Knopfdruck aus und ermöglicht dank integrierter Kamera nun auch Webcam-Konferenzen während der Fahrt. Die Materialauswahl fällt gewohnt hochwertig aus. Neben Leder setzt BMW auch auf Woll-Kaschmir-Textilien und recycelte Materialien. Sieht man vom schmerzhaften Verlust des Dreh-Drück-Reglers ab, ist das insgesamt ein klarer Schritt nach vorn.
Auch beim Fahrkomfort wird nichts dem Zufall überlassen. Mit dem Adaptive Chassis Control Professional hält nun auch eine aktive Wankstabilisierung Einzug, die Karosseriebewegungen weitgehend ausgleichen soll. Der Autobahnassistent ist inzwischen in weiteren Ländern verfügbar und erlaubt Fahren ohne Hände am Lenkrad bis 130 km/h. Das zuvor angekündigte Level-3-System mit erweiterten Funktionen wurde vorerst zurückgestellt.
Ergänzt wird das Paket durch einen City-Assistenten und eine KI-gestützte Parkplatzerkennung. Zusammen mit den weiteren Assistenzsystemen wird der Alltag im 7er spürbar erleichtert.

Antriebe BMW 7er (2026)
BMW bleibt bei der bekannten Antriebsvielfalt. Vom klassischen Verbrenner über PHEV bis hin zum vollelektrischen i7 ist weiterhin alles im Programm. Die Leistungen reichen von 455 bis 680 PS.
Auch eine Rückkehr des V8 in Europa wurde angekündigt. Wahrscheinlich setzt BMW hier auf eine PHEV-Lösung ähnlich wie im M5 oder XM, um die Emissionsvorgaben einzuhalten. Im Kern bleibt es aber bei der Stärke der Reihensechszylinder. Der Diesel 740d leistet nun 313 PS, während der 740 xDrive als Benziner mit 400 PS an den Start geht. Alle Varianten kommen serienmäßig mit Allrad. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei den meisten Modellen bei bis zu 250 km/h, lediglich i7 M50 und i7 M60 liegen darüber.

Kein 800-Volt für das Facelift
Überraschend ist die Entscheidung, den neuen 7er nicht mit der aus dem iX3 bekannten 800-Volt-Technik auszustatten. Also genau die Technologie, die Volvo, Polestar und selbst die zuletzt nicht immer treffsicheren Schwaben mit dem EQS längst integriert haben. Ganz fair muss man aber sagen, dass die Plattform des 7ers deutlich komplexer aufgebaut ist und sämtliche Antriebsarten vereint.
Denkbar ist daher, dass BMW künftig ähnlich wie beim 3er und i3 auf zwei getrennte Plattformen setzt. Trotzdem hinterlässt der Verzicht nach dem starken Auftritt des iX3 und dem absehbar noch stärkeren i3 einen leicht enttäuschenden Eindruck. Vor allem in der Luxusklasse, in der Kosten normalerweise nicht die entscheidende Rolle spielen.
Die von 190 auf 250 kW gesteigerte Ladeleistung wirkt in diesem Kontext nur bedingt überzeugend. Der iX3 pumpt sich den Strom weiterhin mit bis zu 400 Volt in die elektrischen Venen. Das fühlt sich eher nach solider Mittelklasse an als nach dem Anspruch, in diesem Segment Maßstäbe zu setzen.

Preise und Marktstart
Die Produktion des neuen BMW 7er startet im Mai 2026 in Dingolfing, die Markteinführung folgt im Juli 2026. Zum Start stehen der 740 xDrive und die i7 Modelle bereit. Diesel und PHEV werden erst ab November 2026 nachgereicht.
Der Einstieg beginnt bei 121.400 Euro für den i7 50 xDrive, das aktuelle Topmodell liegt bei mindestens 182.400 Euro. Und wer möchte, kann sich im Aufpreiskatalog schnell deutlich jenseits der 200.000 Euro wiederfinden. Wer beim 7er auf bezahlbare Preise hofft, verfehlt das Konzept. Luxuslimousinen folgen eigenen Regeln.








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