Mercedes scheint weiterhin den Anschluss zu verlieren. Mit der neuen elektrischen C-Klasse gibt es viele neue Features, aber bei den entscheidenden Themen muss sie sich gegenüber BMW deutlich geschlagen geben.
Wir schnacken nicht lang herum. Mercedes-Benz hat die neue elektrische C-Klasse als Modell angekündigt, das das Segment neu definieren soll. Wo genau das stattfinden soll, erschließt sich aus dem Pressetext nicht wirklich. Fakt ist: Die Neue Klasse in Form des neuen BMW i3 Neue Klasse kommt direkt mit bis zu 900 Kilometern WLTP-Reichweite. Auch bei der Ladeleistung hinkt die C-Klasse mit rund 330 kW hinterher. BMW spricht von 400 kW, chinesische Hersteller wie Xpeng liegen teils deutlich darüber. Definition sieht anders aus.

Wirklich ärgerlich ist hingegen die Aussage, dass die neue C-Klasse mit nur einem kurzen Stopp die 1000 Kilometer knacken soll. Das wirkt, als hätte man mit aller Macht versucht, die elektrische C-Klasse auf Diesel-Niveau zu heben. Der Diesel schafft das mit einer Tankfüllung und muss dabei nicht einmal besonders effizient arbeiten. Das ist kein Pro-Diesel-Argument. Es ist schlicht ein Vergleich, bei dem die Elektro-Variante verliert.
Beim Design geht Mercedes auf Nummer sicher. Coupéhafte Silhouette, beleuchteter Grill, klare Linien. Immerhin verzichtet der Kühlergrill auf die zuletzt etwas übertriebenen Stern-Spielereien im Louis-Vuitton-Stil. Das wirkt aufgeräumter und weniger gewollt luxuriös. Insgesamt wirkt die elektrische C-Klasse frisch und beim Exterieur erwachsener als viele der letzten Neuvorstellungen aus Stuttgart. Beim etwas traurig wirkenden Heck dürften sich die Geschmäcker aber deutlich unterscheiden.

Im Innenraum setzt man weiterhin stark auf Touch-Bedienung. Das mag modern wirken, sorgt im Alltag aber eher für Ablenkung als für Klarheit. Gleichzeitig geht Mercedes beim Layout einen Schritt weiter. Im Gegensatz zur neuen Mercedes-Benz S-Klasse zieht sich das Display nun ohne Unterbrechung über die gesamte Breite, ähnlich wie beim Mercedes-Benz GLC. Sauber integriert, keine Frage. Die grundlegende Bedienlogik bleibt jedoch ein Thema.
Technisch liefert die C-Klasse solide Werte. Bis zu 762 Kilometer WLTP Reichweite, 94 kWh nutzbare Batterie, 800-Volt-Technik und im aktuellen C400 4matic Topmodell 360 kW (490 PS) sowie 800 Nm. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 4,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Das ist gut, aber nicht führend. Gerade bei Ladeleistung und Effizienz fehlt der letzte Schritt. Während andere Hersteller Richtung 400 kW und darüber hinaus gehen, bleibt Mercedes hier zurückhaltend.

Bei den harten Fakten wird es dann immerhin praktisch. 470 Liter Kofferraum, dazu ein 101 Liter Frunk, 2.962 Millimeter Radstand und bis zu 1,8 Tonnen Anhängelast. Die Außenlänge von 4,88 Metern ist für eine C-Klasse imposant. Das funktioniert im Alltag und positioniert die C-Klasse klar als vielseitige Limousine. Nur reicht das nicht, um ein Segment neu zu definieren. Dafür braucht es mehr als solide Hausaufgaben.
Und ja, es wird sich sehr wahrscheinlich um ein richtig gutes Auto handeln. Genau das ist der Punkt. Das Produkt passt. Die Kommunikation wirkt zunehmend überzogen. Kurzer Rückblick: Die Mercedes-Benz X-Klasse wurde damals als erster Premium-Pick-up inszeniert, basierend auf dem Nissan Navara. Große Ansage, kurzer Auftritt. Eine Generation, dann war Schluss.








Es wäre Mercedes zu wünschen, dass man wieder etwas mehr Ruhe in die eigene Kommunikation bringt. Einfach ein gutes Auto hinstellen und sagen, was es ist. Ohne Überhöhung. Das Beste oder nichts. Punkt.
Fanaticar Magazin | Fotos: Mercedes-Benz








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