Porsche hatte zuletzt nicht immer den Nerv getroffen. Viel Elektrifizierung, viel Strategie, viel Vernunft. Und dann kommt plötzlich dieser 911 GT3 S/C und macht genau das Gegenteil.
Denn dieses Auto ist komplett sinnlos. Und genau deshalb so gut. Kein Turbo, kein Hybrid, kein Elektro, kein künstlicher Klang. Stattdessen ein 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer mit 375 kW (510 PS) und 450 Nm, der bis 9000 U/min dreht. Das ist kein Motor, das ist eine Haltung. Leistung kommt hier nicht aus Drehmoment, sondern aus Drehzahl und aus dem Mut, das Ding auch wirklich auszudrehen.

Das Ganze gibt es dann auch noch ohne Dach. Und das ist der eigentliche Wahnsinn. Porsche baut zum ersten Mal einen GT3 mit vollautomatischem Cabrioverdeck. Offen fahren, hochdrehen, Handschaltung. Das ist keine Produktstrategie, das ist ein Statement gegen alles, was gerade im Markt passiert.
Und dann wird es technisch interessant. 1.497 Kilogramm Leergewicht trotz Verdeck. CFK an Fronthaube, Türen und Kotflügeln. Magnesiumräder mit rund neun Kilogramm Gewichtsersparnis bei den rotierenden Massen. PCCB-Bremsanlage serienmäßig. Dazu eine Lithium-Ionen-Leichtbaubatterie. Das ist kein Lifestyle-Cabrio, das ist ein ernst gemeintes Driver’s Car.

Geschaltet wird ausschließlich per Sechsgang-Handschaltung. Kurz übersetzt, leicht, direkt. Kein PDK, kein Kompromiss. Wer das fährt, muss fahren können. Genau das macht den Reiz aus. Auch das Fahrwerk ist kein Kompromiss. Doppelquerlenker-Vorderachse, Sportreifen in 255 vorne und 315 hinten, Setup nahe am GT3 Touring. Der Unterschied ist nur: Hier fehlt das Dach. Und genau das verändert alles. Sound, Gefühl, Intensität. Der 911 GT3 S/C ist damit kein Auto für Zahlen. 0 auf 100 in 3,9 Sekunden, 313 km/h Spitze. Alles schnell, alles bekannt. Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist, dass Porsche hier etwas baut, das eigentlich keiner mehr baut. Ein offenes Hochdrehzahl-Saugmotor-Auto mit Handschaltung und konsequentem Leichtbau. Kein Downsizing, kein Filter, kein Kompromiss. Und genau deshalb ist dieser 911 vermutlich einer der wichtigsten Porsche der letzten Jahre.


























Fanaticar Magazin | Fotos: Porsche



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