Mercedes hält am Konzept des EQS fest und versucht, die Limousine technisch aufzuwerten. Doch auch mit den Anpassungen bleibt fraglich, ob der Funke diesmal überspringt.

Die Marke stand lange für Innovation und einen klar definierten Premiumanspruch. In der Elektromobilität wirkt die Strategie jedoch weniger konsequent. Während BMW auf elektrifizierte Varianten bestehender Modelle setzte, ging Mercedes mit eigenständigen Baureihen wie EQS und EQE einen eigenen Weg. Das polarisierende Design traf jedoch nur kurzfristig auf Interesse. Verkäufe wurden in der Folge teils über deutliche Preisnachlässe gestützt.

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2026 Mercedes-Benz EQS

Technik im Rückstand

Hinzu kam die bisherige 400-Volt-Architektur, während Wettbewerber wie Hyundai und Porsche längst auf 800 Volt umgestellt hatten. In einem Segment mit sechsstelligen Preisen wirkt das nicht mehr zeitgemäß. Auch BMW hat hier spät reagiert, setzte jedoch parallel auf Technologieoffenheit im gleichen Modell. Der 7er ist weiterhin als Diesel, Benziner, Plug-in-Hybrid und Elektrovariante i7 (Fahrbericht) verfügbar.

Mit der Umstellung auf 800 Volt zieht nun auch der EQS nach. Nachdem die Technik bereits im CLA eingeführt wurde, erreicht sie jetzt die Oberklasse. Ob das reicht, um die Nachfrage spürbar zu beleben, bleibt offen.

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Design bleibt polarisierend

Optisch bleibt der Unterschied zum Vorgänger gering. Mercedes setzt weiterhin stark auf das Sternmotiv. Es beschränkt sich nicht mehr auf das zentrale Emblem, sondern taucht zusätzlich in Scheinwerfern und Kühlergrill in hoher Anzahl auf. Was beim CLA noch eine jüngere Zielgruppe ansprechen mag, wirkt in der Oberklasse deutlich weniger zurückhaltend. Bei einem Modell mit S-Klasse-Anspruch erscheint diese Gestaltung überzogen. Ergänzend kommen Powerdomes auf der Motorhaube hinzu, die das Gesamtbild nur begrenzt beruhigen.

Bekannte Schwächen

Da es sich primär um ein technisches Update handelt, dürften bekannte Schwächen bestehen bleiben. Der EQS ist weiterhin klar fahrerorientiert ausgelegt, die Kopffreiheit im Fond bleibt eingeschränkt. Neu ist die Option auf Steer-by-Wire in Kombination mit einem Yoke-Lenkrad. Eine echte Innovation ist das jedoch nicht, da andere Hersteller wie Lexus diese Technik bereits früher eingeführt haben.

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Bedienung und Innenraum

Während andere Hersteller wieder verstärkt auf physische Tasten setzen, hält Mercedes am Hyperscreen mit neuem MB.OS fest. Die große Displayfläche dominiert den Innenraum, wirkt im Alltag jedoch ablenkend und ist anfällig für Fingerabdrücke. Für eine Marke, die lange für intuitive Bedienung stand, wirkt diese Entscheidung wenig nachvollziehbar. Auch Features wie beheizte Gurte werfen Fragen nach ihrem praktischen Nutzen auf.

Reichweite und Laden

Laut Mercedes liegt die WLTP-Reichweite bei bis zu 926 Kilometern. In der Praxis relativiert sich dieser Wert deutlich. Auf der Autobahn dürften realistisch etwa 500 bis 600 Kilometer möglich sein. Grundlage ist ein bis zu 122 kWh großer Akku im Fahrzeugboden.

Trotz 800-Volt-Technik bleibt die Ladezeit bei rund 30 Minuten für den Bereich von 10 auf 80 Prozent. Mit bis zu 350 kW verbessert sich der EQS gegenüber dem Vorgänger, im aktuellen Wettbewerbsumfeld ist das jedoch kein Spitzenwert mehr. Hersteller wie Xpeng setzen bereits auf deutlich höhere Ladeleistungen. Und es dürfte wohl beim neuen i7 deutlich mehr an Ladeleistung zu erwarten sein.

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Preis und Positionierung

Für ein Fahrzeug in diesem Preissegment bleibt das Gesamtbild damit durchwachsen. Auch dass eine 22-kW-AC-Ladeleistung nur gegen Aufpreis erhältlich ist, passt nicht zum eigenen Anspruch.

Auffällig ist zudem die Preispositionierung. Der EQS startet bereits ab 94.403 Euro und liegt damit deutlich unter der klassischen S-Klasse. Für Geschäftskunden werden sogar Einstiegspreise ab 79.330 Euro kommuniziert. Zum Vergleich: Der BMW i7 beginnt erst bei 115.900 Euro.

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Motorisierungen im Überblick

In der Basis bietet der EQS 400 367 PS und Heckantrieb. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 6,2 Sekunden. Mit der kleineren 112-kWh-Batterie wird eine Reichweite von bis zu 810 Kilometern angegeben. Für maximale Reichweite steht der EQS 450+ mit 408 PS und Hinterradantrieb, der bis zu rund 920 Kilometer erreichen soll.

Darüber folgt der EQS 500 4MATIC mit 476 PS und Allradantrieb. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 4,5 Sekunden, die Reichweite liegt bei bis zu 869 Kilometern. Die Spitze bildet der EQS 580 4MATIC mit 585 PS. Hier sinkt die Beschleunigungszeit auf 4,1 Sekunden, die Reichweite bleibt auf vergleichbarem Niveau. Einen AMG soll es wohl nicht mehr geben.

Fazit

Mercedes sollte aufpassen, technologisch nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Aktuell profitiert die Marke noch stark von ihrer historischen Strahlkraft. Bleibt die Entwicklung jedoch auf diesem Niveau, dürfte das mittelfristig Auswirkungen haben.

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