Eigentlich war Mitsubishi ja schon auf Abschiedstour. Doch dann entschied man sich für eine Vollbremsung und legte den Rückwärtsgang ein. Die Japaner bleiben uns weiter erhalten und der neue Mitsubishi Outlander darf jetzt offiziell als Flaggschiff herhalten.

Das war im Grunde schon 2019 der Fall, als der legendäre Pajero (Fahrbericht) hierzulande eingestellt wurde. Wir trauern dem Kult-Kraxxler immer noch hinterher. Und dem Lancer Evo natürlich auch. Mann, war der cool. Stattdessen gibt es bei Mitsubishi inzwischen eher das Vernunft-Programm – brave Fahrzeuge in Kooperation mit Renault und Nissan.

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Seitenansicht 2026 Mitsubishi Outlander PHEV

Und genau das bringt uns direkt zum neuen Mitsubishi Outlander. Der ist nämlich in Kooperation mit Nissan entstanden. In vielen Bereichen ist er nahezu baugleich mit dem X-Trail und dessen amerikanischem Bruder Rogue. Letzterer wird wie auch der Outlander mit Plug-in-Hybrid-Antrieb angeboten, während der X-Trail in der Top-Variante ausschließlich auf die hauseigene e-Power-Technologie setzt. In Deutschland wiederum wird der Outlander nur noch in der Top-Variante mit PHEV angeboten.

Der Antrieb: 306 PS Systemleistung

Damit sind wir auch beim Antrieb. Im Mitsubishi Outlander PHEV arbeitet ein Team aus zwei Elektromotoren (115 PS vorn und 136 PS hinten) und einem Verbrenner (136 PS) am Vortrieb. Die Systemleistung wird mit 306 PS (225 kW) angegeben, das maximale Systemdrehmoment liegt bei 450 Nm. Mehr als ausreichend für ein Fahrzeug dieser Klasse. Nur bei der Vmax trübt sich die Freude etwas: maximal sind 170 km/h drin. Aber als Raser wurde dieses Auto ohnehin nie konzipiert.

Seitenansicht 2026 Mitsubishi Outlander PHEV

Ein Blick zurück: Outlander-Historie

Der Outlander ist tatsächlich auch schon ein alter Hase. 2001 rollte die erste Generation vom Band. Damals noch mit unartigen Zügen, denn in der Top-Variante gab es Turbo-Power aus dem Lancer Evolution unter der Haube. Der 2.0 Turbo ist bis heute der schnellste je gebaute Outlander. Mit ihm ging es in 7,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bis zu 220 km/h über die Autobahn. Die zweite Generation fiel mit maximal 177 PS sehr brav aus, die dritte Generation bekam zumindest in Russland sogar einen Dreiliter-V6 unter die Haube. Zeitgleich folgte auch der Start des PHEV, der sich hierzulande enormer Beliebtheit erfreute. Auch dazu gibt es natürlich einen Fahrbericht.

Innenraum 2026 Mitsubishi Outlander PHEV

Design und Innenraum

Optisch kommt der Outlander mit eigenständiger Front deutlich selbstbewusster daher als sein japanischer Plattformbruder. Selbstverständlich gibt es modernste LED-Technik vorn wie auch am Heck, das einen gelungenen Abschluss bildet. Dank konservativer SUV-Form ist auch im Fond ausreichend Kopffreiheit gewährleistet. Zudem bleibt die Rundumsicht gut und wird durch die Kamera- und Sensorsysteme nochmals verbessert.

Der Innenraum ist erstaunlich edel geraten. Die Auswahl der Materialien fühlt sich wertig an, die Platzierung von Cockpit und Bedienelementen wirkt intuitiv und durchdacht. Die wichtigsten Funktionen sind per Dreh- oder Drückregler schnell zu erreichen, den Rest übernimmt das relativ schlichte Infotainmentsystem inklusive Apple CarPlay- und Android-Auto-Unterstützung. Der Sound rummst dabei gewaltig aus dem optionalen Yamaha-Ultimate-System mit zwölf Lautsprechern inklusive Subwoofer. Der Kofferraum lässt sich mit 498 bis 1404 Litern bei umgeklappten Rücksitzen souverän beladen. 

Weniger schön gelöst ist das Verstecken der Assistenzsysteme. Einige können programmiert werden, andere – wie etwa der extrem nervige Aufmerksamkeitsassistent – wollen nach jeder Abschaltung erneut deaktiviert werden. Auch nach zwei Wochen des Testens war dies der mit Abstand nervigste Punkt.

Innenraum 2026 Mitsubishi Outlander PHEV

Fahreindruck im Alltag

Davon mal abgesehen ist der Outlander ein extrem stimmiger Begleiter für die ganze Familie. Das Fahrwerk bietet eine sehr komfortable Abstimmung, die Lenkung folgt präzise den Befehlen, und solange der Elektroantrieb im Einsatz ist, bleibt es quasi flüsterleise im Innenraum. Wer dem Outlander nicht seine 7,9 Sekunden abfordert, wird vom 2,4-Liter-Benziner im Alltag nur wenig mitbekommen, denn der hält sich in der Regel angenehm zurück. Ist die Batterie geladen, sind laut Mitsubishi 2,6 Liter Verbrauch drin. Ist sie entladen geht der Verbauch auf 6,8 Liter hoch. Im Alltag waren es zwischen 7,5 und 8,5 Liter. 

Für das Sparen sorgen die beiden Elektromotoren, für das förderfähige E-Kennzeichen eine 22,7-kWh große Batterie, die offiziell bis zu 86 Kilometer elektrische Reichweite ermöglicht. Und jetzt kommt noch eine ärgerliche Sache: Der Outlander PHEV kann zwar schnellladen, allerdings nur über den mittlerweile knappen CHAdeMO-Anschluss. Wer hat das bitte abgesegnet? Hätte man hier auf CCS gewechselt, dürften deutlich mehr Kunden Interesse bekunden. Oder man schluckt den Drops und arbeitet mit Adapter.

Ladestecker 2026 Mitsubishi Outlander PHEV

Ladeleistung: Licht und Schatten

Auch beim Thema AC-Laden hat man geschlafen. Mehr als 3,5 kW sind nicht möglich. Die Batterie wäre also erst nach rund 6,5 Stunden wieder voll – und damit schnell in der nervigen Blockiergebühr. Best Case ist also eine Garage mit eigenem Stromanschluss. Immerhin können externe Geräte mit bis zu 1.500 Watt betrieben werden.

Der Mitsubishi Outlander PHEV wird in fünf Varianten ab 44.490 Euro angeboten, wobei schon die Basis-Variante mit viel Serienausstattung lockt. Wer sich das volle Programm mit Leder, Massage-Funktion und weiteren angenehmen Features gönnen will, ist hingegen mit 56.290 Euro dabei. Dazu gibt es, egal bei welcher Variante, eine 8-jährige Garantie. Das ist mehr als ordentlich.

Der Mitsubishi Outlander ist ein verdammt gutes Auto geworden. Ein souveräner Cruiser mit ausreichend Kraft und mit bravem Fahrprofil ein sparsamer Begleiter. Und trotzdem würden wir uns freuen, wenn es Mitsubishi irgendwann wieder in den Fingern juckt und sie wieder ein wenig Unvernunft auf den Asphalt bringen. Man wird ja noch träumen dürfen.

Fanaticar Magazin | Fotos: MarioRoman Pictures